Großauftrag

Siemens verkauft Riesenturbine aus Berlin in USA

Millionen-Auftrag für Siemens in Berlin: Ein US-Stromversorger hat Turbinen für einen dreistelligen Millionenbetrag bestellt. Dies sichert auch Jobs.

Sie ist so schwer wie ein vollgetankter Airbus A340-300 einschließlich der 300 Passagiere und liefert ausreichend Energie, um 275000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Gasturbine mit dem komplizierten Namen SGT5-8000H, im Siemens-Jargon H-Maschine genannt, gilt als größte und leistungsstärkste der Welt. Nach acht Jahren Entwicklung und Investitionen von 500 Millionen Euro hat der Konzern aus München erstmals sechs dieser Turbinen verkauft. Erster Kunde ist der US-Stromversorger Florida Power & Light Company (FPL).

Das Auftragsvolumen beläuft sich auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Die erste Hälfte des Auftrags soll noch in diesem, der zweite Teil im kommenden Jahr verbucht werden. Die Turbinen werden in zwei Gas- und Dampfkraftwerke eingebaut, die 2013 und 2014 ans Netz gehen. Besonders profitiert das Siemens-Turbinenwerk in Berlin-Moabit von dem Großauftrag aus Übersee. In Berlin werden diese Turbinen mit einer Leistung von je 274 Megawatt gebaut.

"Es ist beeindruckend, wie viel Innovationskraft wir hier haben, um den Weltmarkt zu bedienen“, sagt Michael Süß, Chef der Siemens-Division Fossil Power Generation, der Berliner Morgenpost über das Berliner Turbinenwerk in Moabit. Das Gasturbinenwerk, das das Motto „Strom für die Welt aus Moabit“ führt, ist im weltweiten Fertigungsverbund der Siemens-Sparte Energy eine wichtige Größe. In dem Werk sind 3000 Mitarbeiter beschäftigt.

Ingenieure aus Berlin entwickelten in den vergangenen acht Jahren den Prototyp der H-Maschine, die als leistungsfähigste Gasturbine der Welt gilt. Bisher gibt es nur ein Exemplar, das im Dauertest in einem Kraftwerk in Irsching bei München läuft. Sie waren nun auch daran beteiligt, die H-Maschine für den US-Markt anzupassen. Während in Deutschland die Netzfrequenz 50 Hertz beträgt, liegt sie in den USA bei 60 Hertz.

Mit der Fertigung von Gehäusen und Läufern für den Großauftrag aus Florida haben die Siemensianer in Moabit bereits begonnen. Die erste Maschine soll im kommenden Januar ins Berliner Prüffeld, um dort vor der Auslieferung getestet zu werden. Im Herbst 2011 sollen dann drei der sechs bestellten Turbinen per Schiff aus dem Westhafen nach Übersee gehen. Sie werden vor dem Transport komplett montiert.

Die neue Gasturbine hat einen Wirkungsgrad von 60 Prozent, das heißt drei Fünftel der eingesetzten Energie wird in Strom umgewandelt. Die bisher in den USA eingesetzten Gas- und Dampfkraftwerke erreichen nur 40 Prozent. Zudem ist der Kohlendioxidausstoß um gut ein Drittel geringer.

„Für uns ist dieser Auftrag mit dem Kunden aus Florida sehr bedeutsam, da wir nun mit dieser hocheffizienten Turbine auf dem größten Strommarkt der Welt präsent sind“, sagte Süß. In den USA gebe es einen „hohen Erneuerungsbedarf bei Kohle- wie auch Gaskraftwerken“. So ersetzt FPL zwei veraltete Gas- und Ölkraftwerke und hofft, über die Lebenszeit der neuen Turbinen bis zu 950 Millionen Dollar sparen zu können.

Derweil verhandelt Siemens mit anderen Kunden. Man spreche auch mit Versorgern in Deutschland, sagte Süß. Anfragen gebe es auch aus den USA, Japan, Korea, Russland und China. Für den Anfang wolle man zehn bis 15 Maschinen weltweit platzieren und sie laufen lassen, um zusätzliche Betriebserkenntnisse zu gewinnen.

In einer Branche, die fast nur noch von erneuerbarer Energie spricht, sieht Siemens Gaskraftwerke nicht als aussterbende Spezies. „Es wäre falsch, einen Gegensatz zwischen erneuerbaren Energien und fossilen Energien zu erzeugen. Schließlich zieht jeder Windpark auch ein Gaskraftwerk zur Lastabsicherung hinter sich her“, sagte Süß. Der Großauftrag aus den Vereinigten Staaten bedeutet auch ein „klares Bekenntnis zu den Turbinenstandorten, also auch zu Berlin.“

In Berlin hatte Siemens 50 Millionen Euro in die Produktion von Turbinenschaufeln investiert. Dennoch soll bei Siemens die H-Maschine nicht mehr nur „Made in Germany“ sein. Der Konzern baut eine neue Fertigung in Charlotte/North Carolina auf. Von 2012 an sollen dort Gasturbinen mit einer Netzfrequenz von 60 Hertz entstehen.

Weltweit sind 1100 Gasturbinen von Siemens im Einsatz, 600 davon stammen aus Berlin. Wichtigste Konkurrenten sind GE, Mitsubishi und Alstom. „2009 konnten wir unseren Weltmarktanteil verdoppeln, obwohl sich der Markt insgesamt halbiert hat. Diesen Zuwachs werden wir nicht komplett halten können“, sagte Süß. Siemens beziffert seinen Anteil am weltweiten Gasturbinengeschäft auf 38 Prozent.

Das Werksgelände in Berlin ist 18 Fußballfelder groß. Zuletzt hat Siemens dort 50 Millionen Euro in eine neue Produktionshalle für den Bau von Turbinenschaufeln investiert. Die hocheffizienten Gasturbinen aus Berlin gehören zum Siemens-Umweltportfolio, mit dem der Konzern 2009 rund 23 Milliarden Euro umsetzte, rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes.