Masterplan

Berlin setzt wieder auf die Industrie

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Berlin eine Industriemetropole mit riesigen Fabrikanlagen. Die Zeiten sind jedoch lange vorbei. Mit einem Masterplan will der Senat die Stadt als Industriestandort wieder beleben.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Berlin eine Industriemetropole mit riesigen Fabrikanlagen. Die Zeiten sind jedoch lange vorbei. Mit einem Masterplan will der Senat die Stadt als Industriestandort wieder beleben.

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Der bereits im Mai vorgestellte Masterplan für eine Stärkung der Berliner Industrie ist vom Senat am Dienstag offiziell beschlossen worden. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sprach nach der Senatssitzung von einem „wichtigen Signal nach außen“ zur Bedeutung des Industriestandorts Berlin.

"Das ist ein klares und eindeutiges Bekenntnis des Senats zur Entwicklung der Industrie.“ Der Masterplan ist bis 2020 angelegt und umfasst 34 Projekte. Sie beschäftigen sich mit Rahmenbedingungen, Innovationen, Fachkräften und Vermarktung.

Beteiligt ist ein Netzwerk von Verbänden und Unternehmen. Ziel sei die Stärkung der Industrie und ein industrielles Wachstum, das über dem Bundesdurchschnitt liege, sagte Wolf. Auf eine konkrete Zahl von angestrebten neuen Arbeitsplätzen wollte er sich nicht festlegen.

Derzeit hat Berlin rund 100.000 Beschäftigte in der Industrie. 90.000 mehr seien eine „Zielgröße“, die der Größe der Stadt angemessen wären. Die Opposition kritisierte den Plan bereits im Frühjahr als Showveranstaltung.

Wolf hofft nun, dass er mehr Unterstützung vom restlichen Senat erhält und alle Verwaltungen an einem Strang ziehen. „Das ist eine Querschnittsaufgabe, wo alle Ressorts mitgestalten sollen.“ Beigelegt werden soll damit auch ein alter Konflikt zwischen Wolf und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der die wirtschaftliche Zukunft der Stadt lange mehr im Dienstleistungsbereich sah.

Die Berliner Industrie soll weiter verstärkt auf umweltfreundliche Technologien wie Solarenergie oder klimafreundliche Autos setzen. 2011 soll auf der Fläche des Flughafens Tegel nach dessen Schließung ein Industrie- und Technologiepark entstehen. Für Unternehmensgründer gibt es finanzielle Unterstützung und Schulungen. Der Kontakt zwischen Universitäten, anderen Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen soll ausgebaut werden. An Schulen, Hochschulen und in Betrieben will man gezielt naturwissenschaftlich-mathematische Kompetenz fördern. Mit einer Imagekampagne soll Berlin nicht nur als Kultur- und Partystadt, sondern auch als Wirtschaftsstandort bekannt gemacht werden.

Wolf will zudem erneut ein altes Problem der Berliner Behörden angehen: Die fehlende Dienstleistungsmentalität gegenüber Unternehmen. „Es gibt hier ein ganz erhebliches Kommunikationsproblem.“ In Seminaren sollen Verwaltungsmitarbeiter so geschult werden, dass sie offen für die Probleme von Managern oder Geschäftsführern sind. „Das ist eine Kulturveränderung, die braucht Jahre.“ Die Ergebnisse des Masterplans sollen kontrolliert werden. An diesem Mittwoch kommt erneut der im März gegründete Steuerungskreis Industriepolitik mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften unter Leitung von Wowereit zusammen.