Die Kreditkrise hat die Geschäfte der Bank of America stärker in Mitleidenschaft gezogen als befürchtet. Die größte US-Bank teilte am Montag zwei Wochen früher als erwartet mit, dass ihr Gewinn im dritten Quartal um 68 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar geschrumpft ist.
Das achtgrößte US-Unternehmen halbierte seine Dividende und kündigte an, sich zehn Milliarden Dollar zusätzliches Kapital beschaffen zu wollen, indem es Stammaktien verkauft. „Dies ist die schwierigste Zeit für Finanzinstitute, die ich während meiner 39 Jahre im Bankgeschäft erlebt habe“, sagte Bankchef Kenneth Lewis. Bank-of-America-Aktien gaben nachbörslich acht Prozent nach.
Vor allem die gestiegenen Kreditkosten für die Übernahme von Countrywide Financial, des einst größten unabhängigen Hypothekengebers des Landes, und der Chicagoer LaSalle-Bank schmälerten den Gewinn. Die Markturbulenzen hätten zu einer Belastung im Quartal von 1,8 Milliarden Dollar geführt, hieß es weiter. Mit einem Gewinn je Aktie von 15 Cent bleibt Bank of America weit hinter den Erwartungen der Experten zurück, die um Sonderposten bereinigt mit 60 Cent je Aktie gerechnet hatten.
Der Gewinnrückgang sei sicher eine Überraschung, sagte Lou Brien, Marktstratege bei DRW Trading in Chicago. „Die Dinge stehen nicht gut für die Finanzunternehmen, das zeigt sich hier.“
Der Bankenriese mit Sitz in Charlotte im Bundesstaat North Carolina galt bisher als eine der unumstößlichen Säulen der Branche und machte unlängst Schlagzeilen mit dem Plan, die ehemalige Investmentbank Merrill Lynch übernehmen zu wollen. Am Montag zeigte sich Finanzvorstand Joe Price optimistisch, dass die Übernahme bis zum Jahreswechsel abgeschlossen werden könne.
Doch die jüngsten Quartalszahlen und die Bemühungen um Kapital zeigen, dass auch die Bank of America unter der Kreditkrise leidet. Und ein Ende sei noch nicht in Sicht, warnte das Institut. Die Lage auf den Kreditmärkten verschärfe sich weiter.



