Mitten in der verheerenden Finanzkrise ist ein Übernahmekampf um die viertgrößte US-Bank Wachovia ausgebrochen. Der Finanzgigant Citigroup zog vor Gericht, um den Konkurrenten Wells Fargo zu stoppen. Die Schlacht um das angeschlagene Institut wurde an der Wall Street als Hoffnungszeichen für die Not leidende US-Finanzbranche gewertet. Der Sieger des Tauziehens würde zu einer der amerikanischen Top-Banken im Privatkundengeschäft aufsteigen.

Citigroup hatte vor einigen Tagen die Übernahme eines Großteils von Wachovia in einem Notverkauf vereinbart. Doch am 3. Oktober sagte Wachovia den Deal ab und gab stattdessen den Kauf durch die Großbank Wells Fargo zu einem weit höheren Preis bekannt. Die Citigroup sprach von Vertragsbruch und zog vor Gericht. Ein New Yorker Richter habe nun den Verkauf an Wells Fargo vorläufig blockiert, teilte die Citigroup mit. Am 10. Oktober sollen Vertreter von Citi und Wachovia vor dem Gericht erscheinen.

Die ebenfalls zu den größten US-Banken zählende Wells Fargo bietet die Komplettübernahme von Wachovia über einen Aktientausch im Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar (10,8 Milliarden Euro) an. Die Citigroup will dagegen, unterstützt von der staatlichen Einlagensicherung FDIC, lediglich einen Großteil von Wachovia übernehmen und dafür nur 2,2 Milliarden Dollar zahlen.

Die FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) stellte sich demonstrativ hinter die Citigroup als Käufer. Wachovia betonte dagegen, anders als bei Citigroup sei bei der Übernahme durch Wells Fargo keine staatliche Hilfe nötig. An der Wall Street hieß es, die viel höhere Offerte von Wells Fargo zeige, dass es keinen Ausverkauf um jeden Preis geben müsse.

In der Kreditkrise erlebt die US-Finanzbranche eine der größten Umwälzungen ihrer Geschichte. Mehrere Institute mussten ganz aufgeben oder Notverkäufen zustimmen. Wachovia verspekulierte sich im Zuge des Immobilienbooms schwer und verbuchte zuletzt ein Rekordminus. Weitere enorme Verluste drohen durch einen Berg fauler Kredite und hochriskanter Wertpapiere. Im Fall einer Übernahme durch die Citigroup würde die FDIC einen Teil künftiger Verluste schultern.

Mit dem Plan zur Übernahme von Wachovia war die Citigroup seit langem erstmals wieder in die Offensive gegangen. Sie zählte wegen hoher Verluste zu den großen Opfern der Kreditkrise und startete den Verkauf umfangreicher Konzernteile. Ihr deutsches Filialgeschäft etwa gab sie an die französische Crédit Mutuel ab.


Wachovia beschäftigt rund 120.000 Mitarbeiter und bringt dem Käufer mehr als 4800 Filialen mit einem Schwerpunkt im Osten der USA. Sitz der Großbank ist das Finanzzentrum Charlotte (North Carolina). Das Filialnetz würde ideal zu Wells Fargo passen, die mit ihrer Zentrale in San Francisco (Kalifornien) besonders im Westen der USA stark ist.

AP/cor