Der feindliche Übernahmeversuch des Autozulieferers Continental könnte nach Ansicht von Gewerkschaftsführern weitreichende Folgen für die deutschen Top-Konzerne haben. Hubertus Schmoldt, Chef der Industriegewerkschaft Energie, Bergbau, Chemie (IGBCE) sieht zwar einen strategischen Sinn in dem Vorstoß der Schaeffler KG, den dreimal größeren Conti-Konzern übernehmen zu wollen. Allerdings kritisierte der Gewerkschaftsführer das heimliche Vorgehen des Familienkonzerns aus Franken. Diese Taktik sei „völlig unverständlich“ und könne weitreichende Folgen haben, sollte die Börsenaufsicht dem zustimmen. „Wenn dieses Anschleichen Schule macht, kann sich kein Konzern mehr sicher sein. Das sei nicht im Interesse der Gewerkschaften“, sagte Schmoldt im Gespräch mit WELT Online.

Besonders scharf kritisierte der Arbeitnehmervertreter, dass Schaeffler an seinem feindlichen Übernahmeversuch weiterhin festhalte. Zwei Drittel der Übernahmen, so Schmoldt, hätten nicht den gewünschten Erfolg, weil sich die Firmenkulturen nicht zusammenbringen lassen. „Bei einem solchen feindlichen Vorgehen ist das besonders schwer.“

Ende Juli hatte das Familienunternehmen ein 11,2 Mrd. Euro teures Übernahmeangebot für den Dax-Konzen Conti vorgelegt. Die Führung des Autozulieferers aus Hannover lehnte die Offerte jedoch ab, weil es nicht den wirklichen Unternehmenswert widerspiegele. Schaeffler hatte sich über komplizierte Finanzinstrumente, so genannte Swaps, den Zugriff auf bis zu 36 Prozent der Stimmen im Vorfeld der Übernahme-Ankündigung gesichert. Conti bezeichnet das Vorgehen als illegal, die Börsenaufsicht BaFin prüft die Vorwürfe.


IGBCE-Chef Schmoldt erwartet, dass der Angriff von Schaeffler eine breite Debatte in den deutschen Großkonzernen auslösen wird. „Ich bin mir sicher, dass sich die Aufsichtsräte schon bei den nächsten Sitzungen wieder mit den Abwehrstrategien gegen eine feindliche Übernahme beschäftigen werden“, sagte er Morgenpost Online. Schmoldt fordert daher die Politik auf, für Rechtssicherheit zu sorgen und für einen besseren Schutz der Mitarbeiter vor unfreundlichen Übernahmen. Daher sei nicht nur eine Verschärfung der Meldepflicht wie in der Schweiz und Großbritannien zu prüfen, wo auch Swap- und Optionsgeschäfte transparent gemacht werden müssen. Der Gewerkschafter fordert zudem eine Änderung des Übernahmerechts: „Wir müssen eine zweite Stufe einführen, damit nicht nur bei 30 Prozent, sondern erneut bei 50 Prozent ein Übernahmeangebot zwingend vorgelegt wird. Das schafft mehr Transparenz und Sicherheit für alle Betroffenen.“

Die Unternehmen müssten allerdings auch einen Beitrag leisten, um sich gegen eine schleichende Übernahme zu wappnen, wie sich das derzeit von Continental abzeichne. Die Präsenz auf der Hauptversammlung sei in der Vergangenheit mehr als dürftig gewesen, so Schmoldt. Das aber ermöglichte erst, dass Minderheitsaktionäre schon mit 20 oder 30 Prozent ihre Interessen durchsetzen können. „Unternehmen sollten deshalb mit ihren Banken alles dafür tun, dass die Präsenz auf den Hauptversammlungen größer wird“, ergänzte Schmoldt.

Scharf kritisiert der IGBCE-Chef das Verhalten einiger Banken im Übernahmekampf um Conti. „Es kann doch nicht sein, dass etwa die Hausbank von Continental nun in führender Rolle bei Konkurrenten Schaeffler arbeitet.“ Das sei ethisch nicht zu vertreten. “Die Banken müssen hier umdenken.“

eig/fs