Der Autozulieferer Continental will im Übernahmekampf gegen die fränkische Schaeffler-Gruppe auf den Einsatz von Giftpillen verzichten. Dies kündigte Konzernchef Manfred Wennemer in einem Gespräch mit Morgenpost Online an. "Wir werden nichts tun, was nicht im Interesse unserer Mitarbeiter, unserer Kunden und unserer Eigentümer ist", sagte der Konzernchef. Giftpillen werden üblicherweise eingesetzt, um eine Übernahme etwa durch eigene Zukäufe deutlich zu verteuern oder durch den Verkauf von wertvollen Geschäftseinheiten unattraktiv werden zu lassen.

Ob damit auch eine in den letzten Tagen immer wieder ins Spiel gebrachte Kapitalerhöhung zählt, wollte der Conti-Chef nicht konkretisieren. Nach der harschen Kritik Wennemers in dieser Woche an dem Vorgehen und dem Preis des Übernahmeangebotes schlägt der Conti-Chef nun versöhnlichere Töne an und ruft die Schaeffler-Gruppe zu neuen Verhandlungen auf: Es soll eine friedliche Lösung gefunden werden.


Die Schaeffler KG aus Franken hatte nach tagelangen Spekulationen am Dienstag ein milliardenschweres freiwilliges Übernahmeangebot für den Dax-Konzern aus Hannover unterbreitet. Schaeffler bietet den Conti-Aktionären 69,37 Euro in bar pro Anteilsschein an. Da dieser Preis allerdings unterhalb des aktuellen Aktienkurses liegt, erwarten Analysten keinen nennenswerten Erfolg. Schaefflers Angebot bewertet den gesamten Conti-Konzern mit gut elf Milliarden Euro, Analysten hingegen taxieren den fairen Wert der Aktien zwischen 80 und 100 Euro.


Der Conti-Vorstand lehnt das Schaeffler-Angebot kategorisch ab. "Der Preis spiegelt weder den augenblicklichen noch den zukünftigen Wert von Continental wider", begründete Wennemer die Haltung des Vorstandes. Am Mittwoch soll sich auch der Aufsichtsrat mit dem Schaeffler-Angebot erneut beschäftigen und möglicherweise sogar die ersten Abwehrmaßnahmen beschließen.


Die Schaeffler-Gruppe hatte sich in den letzten Monaten über eigene Aktien-Aufkäufe, Optionen und Swap-Geschäfte den Zugriff auf bis zu 36 Prozent der Conti-Stimmrechte gesichert. Für Wennemer ist dieses Vorgehen illegal, weil hier gleich gegen mehrere Gesetze verstoßen wurden. Der Conti-Chef wirft Schaeffler und den Banken daher Kursmanipulation und das Ausnutzen von Insiderwissen vor. Wennemer: "Sicher hätten viele Aktionäre ihre Aktien nicht an die beteiligten Banken verkauft, wenn Sie gewusst hätten, dass diese Papiere im Auftrag von Schaeffler für eine Übernahmeofferte eingesetzt werden sollen."


Der Conti-Chef stellt sich aber nicht kategorisch gegen Schaeffler als neuen Großaktionär. "Wir stehen einem Großaktionär nicht im Wege, wenn er sich an Spielregeln und Gesetze hält", sagte Wennemer. "Deshalb hatten wir ja die Schaeffler-Gruppe vor knapp zwei Jahren kontaktiert, als es einmal mehr Übernahmegerüchte um Continental gab. Wir wollten Schaeffler seinerzeit als Anker-Aktionär gewinnen. Doch die Gespräche wurden einvernehmlich abgebrochen, auch weil die Schaeffler-Gruppe keine Synergien sah."


Wennemer fordert in dem Gespräch die Schaeffler-Gruppe auf, an den Verhandlungstisch zurück zu kommen, um eine friedliche Lösung zu erreichen. "Wir sollten gemeinsam eine vernünftige Lösung finden. Im Sinne der Continental und ihrer Aktionäre unterstützen wir ein Anker-Engagement der Familie Schaeffler von bis zu 20 Prozent!"

Sollte die Familie Schaeffler allerdings weiterhin an ihrem Plan festhalten, die Kontrollmehrheit auf der Hauptversammlung anzupeilen und den restlichen Aktionären keine adäquate Prämie dafür zu zahlen, werde der Vorstand weiter gegen diesen Vorstoß agieren. "Will ein einzelner Investor die Kontrollmehrheit haben und zahlt dafür eine adäquate Prämie, ist das in Ordnung. Meint aber ein einzelner Investor, diese Regeln gelten für ihn nicht und er könne sich die Stimmrechts-Mehrheit auf rechtswidrige Weise beschaffen und obendrein die restlichen Aktionäre massiv benachteiligen, dann ist jeder Vorstand verpflichtet, zu handeln", so Wennemer. Entsprechend habe der Vorstand handeln müssen, um die Interessen der anderen Aktionäre zu schützen.