Der Automobilzulieferer Continental AG bereitet sich auf die Abwehr einer feindlichen Übernahme durch die mittelfränkische Schaeffler-Gruppe vor und findet Unterstützung bei Politik und Gewerkschaften. Wie Morgenpost Online aus Finanzkreisen erfuhr, beauftragte Conti die Investmentbank Goldman Sachs mit der Beratung für eine Abwehrstrategie. „Wir beobachten die Entwicklung rund um Conti mit Sorge“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff Morgenpost Online. Es gehe um die Sicherung von Arbeitsplätzen in Niedersachsen. Gewerkschafter warnten vor einer Zerschlagung des Hannoveraner Konzerns. Conti bestätigte, dass es Ende vergangener Woche ein erstes Gespräch „über ein mögliches Engagement der Schaeffler-Gruppe an Continental“ gab. Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck schloss weitere Treffen nicht aus.

Nach Informationen von Morgenpost Online trafen sich am Freitag Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer und Jürgen Geißinger, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Schaeffler. Ein konkretes Angebot soll nicht unterbreitet worden sein. Medienberichten zufolge will Schaeffler rund zehn Mrd. Euro für Conti hinlegen und im Falle einer Übernahme das Unternehmen von der Börse nehmen. Die Conti-Aktie reagierte auf die Nachricht mit Kursgewinnen von mehr als 20 Prozent und konnte die Marktkapitalisierung auf fast elf Mrd. Euro steigern. Auf Conti lasten noch Schulden in derselben Höhe.

Möglicherweise erwägt die Schaeffler-Gruppe, ein Familienunternehmen aus dem fränkischen Herzogenaurach, den Kauf über eine Zerschlagung von Conti und den Verkauf der Reifensparte zu finanzieren. Die macht bei Conti, das für dieses Jahr mit einem Gesamtumsatz von 26,4 Mrd. Euro rechnet, 6,5 Mrd. Euro aus. Conti-Sprecher Hannes Boekhoff sagte, sein Konzern habe „keine Berührungsängste gegenüber Investoren, die unsere langfristige Strategie unterstützen und das Unternehmen nicht zerschlagen wollen.“

Der niedersächsische IG Metall-Bezirksleiter und Conti-Aufsichtsrat Hartmut Meine kündigte Widerstand an. „Wir werden mit allen Mitteln verhindern, dass ein völlig intransparentes Unternehmen möglicherweise die Continental AG übernimmt und zerschlägt.“ Bei der IG Metall Bayern war der Tonfall moderater. Eine ordentliche Mitbestimmung sei die Voraussetzung dafür, dass die Gewerkschaften einer solchen Übernahme zustimmten, sagte Werner Neugebauer, Chef der IG Metall Bayern.

Schaeffler ist ein Familienunternehmen, das Maria-Elisabeth Schaeffler, der Witwe des Firmengründers Georg Schaeffler, und ihrem Sohn Georg gehört. Zum Schaeffler-Imperium zählen die Marken LuK (Kupplungssysteme), der Wälzlagerhersteller INA und der Kugellagerproduzent FAG. Der Konzernumsatz lag 2007 bei 8,9 Mrd. Euro. Schaeffler beschäftigt 66.000 Mitarbeiter.

Bei Conti sind 150.000 Mitarbeiter tätig. Conti ist unter Druck geraten, weil das Automobilgeschäft vor allem in den USA schwächelt. Auch die Übernahme des Zulieferers VDO für 11,4 Mrd. Euro hat der Konzern noch nicht verdaut.

Mit feindlichen Übernahmen hat Schaeffler Erfahrung. 2002 schluckten die Herzogenauracher den Schweinfurter Kugellagerfabrikanten FAG. „Hinter der Schaeffler-Gruppe steht eine finanzkräftige Familie, weswegen eine Übernahme realistisch ist“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Credit Suisse schrieb in einer Analyse, ein Verkauf der Reifensparte sei durchaus möglich, werde aber auf Widerstand stoßen. Schaeffler werde möglicherweise beim Gebot für Conti eine Koalition mit anderen Industrieunternehmen bilden.