Der Discounter Lidl will die für den 9. Juni angekündigten Milchpreiserhöhungen vollständig an seine Lieferanten weitergeben. „Wir haben uns verpflichtet, die Preiserhöhung vollständig an die Molkereien weiterzureichen“, sagte Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig der „Süddeutschen Zeitung“. Nun sei es an den Landwirten, mit den Milchverarbeitern auszuhandeln, dass davon auch genügend bei ihnen ankommt.
Der Discounter hatte angekündigt, dass er als erster in der Branche die Preise für Milch um zehn Cent je Liter und für Butter um 20 Cent je 250-Gramm-Packung anhebt. Die anderen Handelsketten sind bereit nachzuziehen.
Die Milchbauern hatten für einen höheren Erzeugerpreis von 43 Cent je Liter Milch gestreikt und zahlreiche Molkereien in Deutschland blockiert. Deswegen waren in manchen Supermärkten die Kühlregale leer. Verbraucher hamsterten insbesondere Billig-Milch.
Lidl-Chef Gehrig zeigte ein gewisses Verständnis für das Anliegen der Bauern. Er stellte zugleich aber klar, dass die Preiserhöhung nur durchsetzbar gewesen sei, weil 80 Prozent der Bevölkerung derzeit hinter den Milchbauern stehe. Das grundsätzliche Problem des Milchmarktes lasse sich aber mit einer Preiserhöhung allein nicht lösen.
„Wir sind verpflichtet, unseren Kunden einen guten Preis zu liefern und können auf Dauer nur dort einkaufen, wo der Preis, die Leistung und die Qualität stimmen“, sagte Gehrig. Ursache für den Preisverfall am Milchmarkt sei die Überproduktion in Deutschland. 2007 habe der Überschuss noch viele Abnehmer auf dem Weltmarkt gefunden. Der hohe Euro habe den deutschen Milchbauern jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Selbstkritische Stimmen gibt es auch bei den Bauern selbst. Die Landwirte müssen sich stärker auf schwankende Preise einstellen, sagte der thüringische Landeschef des Deutschen Bauernverbands, Klaus Kliem. „Wir Milchbauern müssen lernen, mit dem freien Markt umzugehen, so wie ihn jetzt schon die Getreidebauern und die Schweinemäster haben“, sagte Kliem.
Der Preisverfall in den vergangenen Monaten sei auch ein hausgemachtes Problem: Viele Landwirte hätten infolge der zeitweise gestiegenen Erzeugerpreise ihre Milchproduktion stark ausgeweitet. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland 300.000 Tonnen Milch zu viel produziert worden. „Jetzt müssen wir die Milchmenge wieder knapper machen.“
dpa/oht





