Deutschlands Milchbauern fühlen sich trotz der jüngsten Preiserhöhungen noch immer unterbezahlt und drohen mit erneutem Lieferboykott. „Wenn der Milchpreis nicht nach oben geht, kann ich für nichts garantieren“, sagt Romuald Schaber, der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM). Die Preiserhöhungen seien angesichts der gestiegenen Kosten für Futter, Düngemittel und Energie noch viel zu wenig.


Erneuter Boykott könnte die Milchbauern teuer zu stehen kommen, wie das Bundeskartellamt angedroht hat. „Es besteht der Verdacht, dass dieser so genannte Milchstreik einen kartellrechtswidrigen Boykottaufruf und einen Verstoß gegen das Abspracheverbot darstellt“, sagte Behörden-Präsident Bernhard Heitzer. Das Kartellamt werde ein Bußgeldverfahren einleiten, wenn der BDM weitere Lieferstopps organisiere. Dann drohen den Bauern Bußgelder in Millionenhöhe.

Der Milchindustrieverband (MIV) hält die neuerlichen Drohungen für Säbelrasseln vor dem anstehenden Milchgipfel. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU), Bauernverbände und Vertreter von Handel, Industrie und den Bundesländern kommen am Dienstag zusammen. „Aus der Bauernschaft gibt es derzeit keine Signale für einen neuen Streik“, sagte MIV-Geschäftsführer Michael Brandl Morgenpost Online.


Der Einzelhandel warnte vor Protesten. „Jeder, der zu einem neuen Streik aufruft, muss wissen, dass er damit die deutsche Milchwirtschaft schwächt und den ausländischen Wettbewerben nutzt“, sagte Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Er hält Preiserhöhungen für unwahrscheinlich. „Die Einzelhandelsunternehmen sind ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bereits gerecht geworden“, sagte er mit Verweis auf die Preiserhöhungen nach dem zehntägigen Lieferboykott der BDM-Bauern im Juni.

Die Landwirte klagen allerdings, dass davon bislang kaum etwas bei ihnen angekommen ist. Branchenkreisen zufolge hat sich der Auszahlungspreis im Durchschnitt um gerade 0,5 Cent auf zwischen 28 und 35 Cent je Liter erhöht.