Als Favoriten galten lange die spanische Santander, vor allem aber die Deutsche Bank. Doch die Franzosen hatten offensichtlich ein großes Interesse daran, mit einem Erwerb der Citibank in den deutschen Markt einzutreten. Der Preis von 4,9 Mrd. Euro liegt klar am oberen Ende des Wertes, den Analysten dem Düsseldorfer Ratenkreditspezialisten zubilligen. Dass die hiesigen Banken eine solche Summe nicht auf den Tisch legen wollten, ist nachvollziehbar. Der Deutschen Bank kann man deshalb – anders als bei früheren Verkaufsprozessen in Deutschland – nicht den Vorwurf machen, sie habe nicht ernsthaft versucht, zum Zuge zu kommen.
Trotzdem ist die Niederlage von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Rennen um die Citibank eine bittere Nachricht für den Bankenstandort Deutschland. In der zersplitterten Landschaft des hiesigen Kreditgewerbes wäre eine Konsolidierung dringend geboten. Die Citibank wird dazu nun nicht beitragen, da sie von einer ausländischen Bank zur nächsten geht. Das ist nicht zu kritisieren: Es war von Anfang an klar, dass es der amerikanischen Citigroup beim Verkauf ihres deutschen Privatkundengeschäfts nur um einen möglichst hohen Erlös gehen würde – und nicht um Standortpolitik.
Eine gute Neuigkeit ist der Zuschlag an die Franzosen dagegen für die Deutsche Post, die derzeit einen neuen Eigentümer für ihre eigene Bankentochter sucht. Denn mit der Schlappe bei der Citibank ist das Kalkül der Deutschen Bank geplatzt. Hätte sie den Konsumentenfinanzierer bekommen, wäre Vorstandschef Ackermann beim Verkauf der teureren und schwer integrierbaren Postbank nicht mehr unter Zugzwang gewesen. Er hätte darauf verweisen können, dass seine Bank mit der Übernahme der Citibank ausgelastet sei und zwei Übernahmen in kurzer Folge nicht möglich sind. Daraus wird nun nichts. Post-Chef Frank Appel wird es erleichtert aufnehmen, mangelt es ihm derzeit doch an Interessenten, die einen hohen Preis für seine Bank zahlen wollen.
Dennoch stellt sich zunehmend die Frage, ob die von vielen ersehnte Konsolidierungswelle unter den deutschen Kreditinstituten nicht im Sande verläuft, ehe sie wirklich angerollt ist. Die Postbank weist eine Reihe von Nachteilen auf, die mögliche Käufer abschrecken – etwa die unklaren Spätfolgen der Finanzkrise oder die eigenwilligen, von langen Schlangen geprägten Filialen. Auch bei der Annäherung von Dresdner und Commerzbank ist die erste Euphorie längst verflogen. Für die deutschen Banken droht sich die Geschichte des Jahres 2000 zu wiederholen. Auch damals näherten sich die hiesigen Großbanken an. Doch alle Fusionsversuche scheiterten kläglich. Unter dieser fehlenden Konsolidierung leidet der Bankenstandort bis heute, da Größenvorteile nicht genutzt werden können.


