Der Austritt von Goldman Sachs aus dem Bankenverband IIF hat heftige Kritik ausgelöst. „Mehr als 370 Banken sind sich einig, nur eine schert aus“, hieß es in Branchenkreisen. Diese Aktion sei überflüssig.


Wie am Mittwoch berichtet, hatte Goldman Sachs das Institute of International Finance Anfang Juni wegen Meinungsverschiedenheiten in Bewertungsfragen kurzerhand verlassen. Die Bankenvereinigung hatte in einem ursprünglichen Papier zu Diskussion gestellt, Wertpapiere nicht mehr ausschließlich streng nach Marktpreisen zu bilanzieren. Die erfolgreichste Wall-Street-Bank lehnt hingegen Regeländerungen in dieser Hinsicht kategorisch ab. Die Bilanzierungsfrage ist entscheidend, da die Bewertung von Aktiva und Passiva streng nach Marktpreisen weitere Milliardenabschreibungen zur Folge haben könnte.


Befürworter des IIF spielen den Streit herunter. Keine der fast 380 Mitgliedsbanken des Verbands teile die Position des Wall-Street-Hauses. Lediglich die Investmentbank Morgan Stanley soll dem Vernehmen nach mit der Position des Konkurrenten sympathisieren.


Goldman sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, mit dem Plädoyer für eine Marktpreisbewertung eigennützig zu handeln. Die meisten großen Banken haben darauf verzichtet, Eigenheiten dieser Bilanzregeln zu nutzen, um ihren Gewinn aufzupolieren - nicht so Goldman.

Der Austritt der erfolgreichen Investmentbank hat Signalwirkung, weil Goldman Sachs hervorragend vernetzt ist und in der Branche immer wieder Standards gesetzt hat. Der amtierende amerikanische Finanzminister Hank Paulson war zuvor Goldman-Sachs-Chef.

Die IIF und ihr Vorsitzender, der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, müssen nun fürchten, dass die politische Durchschlagkraft der Organisation unter dem Austritt leidet. In der nächsten Woche wird Ackermann in Washington vorstellen, welche Lehren die Bankenbranche aus der Krise ziehen will. Allerdings regt sich auch Kritik an der internationalen Lobbyvereinigung. „Das IIF ist reine Zeitverschwendung“, sagte ein hochrangiger Investmentbanker. Das Forum sei viel zu groß und die Interessen zu unterschiedlich, um sich auf schlagkräftige Ideen und Reformen zu einigen.

eig/jos