Gewahrsam

Jan Ullrich will nach Streit mit Schweiger Therapie machen

Nach einer Randale auf Til ­Schweigers Grundstück auf Mallorca wird Jan Ullrich festgenommen. Das sagt er über die Nacht im Gefängnis.

Jan Ullrich in Mallorca vor dem Gerichtsgebäude.

Jan Ullrich in Mallorca vor dem Gerichtsgebäude.

Foto: Kay Kirchwitz / dpa

Berlin.  Der frühere Radprofi Jan Ullrich ist auf Mallorca in Handschellen abgeführt worden. Ein Streit auf dem Grundstück von Schauspieler Til Schweiger auf Mallorca war zuvor eskaliert.

Ullrich kam in Polizeigewahrsam. Nach 24 Stunden im Gefängnis ist er inzwischen wieder auf freiem Fuß und spricht nun in einem Interview von dem Vorfall. Er erzählt auch von seinem Drogenkonsum.

Ullrich schildert den Vorfall vom Freitagabend so: Er habe sich von Schweiger verabschieden wollen, weil er gehört habe, dass der Schauspieler Mallorca verlassen werde, sagt Ullrich der „Bild“ (Bezahlinhalt). „Ich habe gerufen, es hat mich keiner gehört, da habe ich einfach das Grundstück betreten.“

Im Garten habe er dann einen Mitarbeiter von Til Schweiger getroffen, nach Ullrichs Angaben jemand, der sich bei ihm „durchgefuttert“ und ihn dann sogar bestohlen habe. „Es gab Wortgefechte, auch mit Til, möglicherweise auch mal eine Berührung an der Schulter“, sagt Ullrich. „Plötzlich sprang mich diese Person mit einem Kung-Fu-Tritt an. Ich konnte ausweichen, bin aber auf den Ellenbogen gefallen. Dann kam schon die Polizei.“

Jan Ullrich und Til Schweiger sind seit zwei Jahren Nachbarn auf Mallorca. Am frühen Freitagabend war nach einem Streit die Polizei auf dem Anwesen angerückt und hatte Ullrich abgeführt. Ullrich erhielt danach Kontaktverbot zu Schweiger. Mindestens 50 Meter Abstand muss er nun halten.

Schweiger hatte in der „Bild am Sonntag“ (Bezahlinhalt) gesagt, Ullrich sei „übers Tor“ gekommen, er habe ihn nicht gesehen. „Er ging sofort mit einem Besenstiel auf einen Freund von mir los“, so Schweiger. Daraufhin habe er die Polizei alarmiert. Die sei gekommen und habe Ullrich in Handschellen abgeführt. Schweiger sprach auch von der Drogensucht des früheren Extremsportlers.

Ullrichs Ehefrau Sara nach Deutschland gezogen

Ullrich gibt in dem Interview auch zu, dass er Drogen konsumiert hat und kündigt Konsequenzen an. „Aus Liebe zu meinen Kindern mache ich jetzt eine Therapie“, sagte er. Als Grund nennt er die Trennung von seiner Frau. „Die Trennung von Sara und die Ferne zu meinen Kindern, die ich seit Ostern nicht gesehen und kaum gesprochen habe, haben mich sehr mitgenommen.“ Er habe Sachen gemacht und genommen, die ich er sehr bereue. Von Sucht will er aber nicht sprechen.

Ullrichs Frau war zusammen mit den drei gemeinsamen Söhnen vor einigen Monaten von Mallorca zurück nach Deutschland gezogen.

Unterstützung von Boris Becker

Über seine Nacht im Gefängnis sagt Ullrich, es sei „eine der härtesten Prüfungen“ seines Lebens gewesen. Er habe sich mit den Beamten nicht verständigen können, sie hätten nur Spanisch gesprochen. Auch habe er keinen Anwalt anrufen können. „Ich musste alles bis auf die Hose ausziehen“, die Zelle sei sehr klein gewesen – und überall Kot und Urin auf dem Boden und an den Wänden. „Ich habe Platzangst bekommen, konnte nicht schlafen.“

Er sei bereit, sich bei Til Schweiger zu entschuldigen, sagt Ullrich. Er selbst erwarte aber auch eine Entschuldigung.

Unterstützung erhält der Ex-Radprof indes von Boris Becker, der nach seiner Trennung von seiner Frau Lilly und den Berichten über seine Insolvenz selbst in die Schlagzeilen geraten war.

Auf Twitter kommentiert die Tennislegende den Bericht von „Bild“. „Es ist richtig, dass „Ulle” durch eine schwierige Phase geht, wir sollten ihm zuhören/verstehen und dringend helfen! Er hat es sich verdient“, schrieb er.

Ullrich war oft „Sieger der Herzen“

1997 gewann Jan Ullrich mit gerade mal 23 Jahren als bislang einziger die Tour de France. Unvergessen sind seine Duelle um das gelbe Trikot mit dem US-Amerikaner Lance Armstrong, dem er eigentlich immer unterlegen war. Dafür war Ullrich oft „Sieger der Herzen“. Das lag nicht zuletzt an einer viel beachteten Geste bei einem Rennen 2003 in den Pyrenäen.

Armstrong stürzte und Ullrich, in der Gesamtwertung mit nur 15 Sekunden Rückstand auf seinen Rivalen, hätte beschleunigen können und sich die Führung in der Wertung des Gelben Trikot sichern können.

Doch der Deutsche blieb stehen, wartete auf Armstrong, der am Ende doch wieder an ihm vorbeifuhr und sich den Sieg holte. Für die Aktion wurde Ullrich von der Olympischen Gesellschaft mit der Fair-Play-Plakette ausgezeichnet. Ein Jahr zuvor wurden in seinem Blut noch Amphetamine nachgewiesen, die ihm eine sechs Monate lange Sperre einbrachten.

Ullrich erklärte, dass ihm in einer Disco Pillen angeboten wurden. Geschadet hatte es ihm nicht, der Radprofi galt als großes Idol in Deutschland, wurde durch seine Auftritte bei der Tour de France von vielen gefeiert. Als hätte er sich alles erlauben können.

Ullrich von Tour de France ausgeschlossen

2006 dann der Absturz. Ullrich wurde vom legendärsten Radrennen der Welt wegen des Verdachts auf Doping ausgeschlossen. Eigentlich sollte er für das T-Mobile-Team an den Start gehen.

Wenig später beendete er seine Karriere, arbeitete als Berater und Werbefigur für das Team Volksbank. Als sich die Vorwürfe gegen Ullrich erneut erhärteten, wurde die Zusammenarbeit aber ebenfalls beendet.

Hintergrund waren Hinweise, dass sich der Ex-Radprofi in seiner aktiven Zeit mit dem Doping-Arzt Eufemiano Fuentes getroffen haben soll. Ullrich bestritt dies bis dahin vehement – die spanische Justiz sah das anders. Sie legte Indizien dafür hervor, dass Ullrich Wachstumshormone verwendete.

Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, eine Klage wurde gegen Zahlung einer sechsstelligen Geldsumme nicht erhoben. Für die Ermittler stand allerdings fest, dass Ullrich gedopt hatte. Juristisch gesehen wurde er deshalb aber nicht belangt, was vielleicht seine Sichtweise erklären könnte.

Immer wieder beteuerte er, dass er „nie jemanden betrogen“ habe. Ein Satz, den ihm nur wenige abnahmen. Zuletzt war er wegen einer Alkoholfahrt in der Schweiz in die Schlagzeilen geraten. Dafür wurde Ullrich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (sdo/bekö/dpa)

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