Kommentar

Die Tour de France ist so spannend wie der FC Bayern

Seit 2012 kam der Sieger der Frankreich-Rundfahrt sechsmal aus dem Team Sky. Diese Dominanz erinnert an den FC Bayern. Ein Kommentar.

Schreit seine Freude heraus: Geraint Thomas.

Schreit seine Freude heraus: Geraint Thomas.

Foto: dpa

Essen. In knapp vier Wochen beginnt die neue Saison in der Fußball-Bundesliga. Was dies mit der Frankreich-Rundfahrt zu tun hat? Von den Sportarten her natürlich herzlich wenig. Doch der Radsport ist genauso ein millionenschweres Unterhaltungsgeschäft wie – richtig, in seiner wirtschaftlichen Kraft noch einige Male mehr potenziert – der Fußball. Athleten messen sich im Wettkampf, doch den Unternehmen dahinter, ob Rad-Team oder Fußballklub, geht es um den Verkauf des Produkts. Und dieses wird umso begehrter, je mehr Wettstreit, je mehr Dramatik es zu bieten hat.

Wenn also der FC Bayern am 24. August die Saison gegen die TSG Hoffenheim eröffnet hat, müssen Fußballfans danach nur noch 33 Spieltage lang das befürchten, was in den letzten sechs Jahren Standard war: Die Meisterschaft dürfte nach München gehen. Langweilig, aber auch diesmal wieder kaum zu verhindern. Die Deutsche Fußball-Liga kann mit dem Verweis auf gesteigerte Erlösen bei der Vergabe der TV-Rechte dem Eindruck entgegentreten: Aber die Dominanz des Rekordmeisters hat teilweise zu einer Ermüdung des Publikums geführt.

Genauso spannend ist der Titelkampf inzwischen im Radsport. Zumindest lässt sich das für die Tour de France behaupten, deren Strahlkraft von anderen Klassikern wie dem Giro d’Italia oder der Vuelta a España nicht erreicht wird. Seit 2012 kam der Sieger sechsmal aus dem Team Sky: Bradley Wiggins, Chris Froome, nun – sofern er auf der letzten Etappe nicht vom Sattel fällt – Geraint Thomas. Einzig 2014 kam der Triumphator in Person des Italieners Vincenzo Nibali vom skandalträchtigen Team Astana – weil Froome nach wenigen Etappen verletzungsbedingt aufgeben musste.

Ob nun Tom Dumoulin oder in den Jahren zuvor Romain Bardet, Nairo Quintana oder Alejandro Valverde – sie alle haben es nicht geschafft, Skys Herrschaft beim größten Radrennen der Welt zu durchbrechen. Mit dem erst 21 Jahre alten Kolumbianer Egan Bernal hat das Team aus Manchester zudem schon den nächsten potenziellen Gesamtsieger in seinen Reihen. Aber es soll ja schließlich auch noch Fußballfans geben, die sich über Meisterschaften des FC Bayern freuen.