Buchvorstellung

Désirée Nick und ihre ganz eigene Sicht auf den Feminismus

In ihrem Buch „Neues von der Arschterrasse“ träumt Désirée Nick von einem Feminismus, der ohne Stilettos und Silikonbrüsten auskommt. Mit Widersprüchen zu ihrer eigenen Vita kann sie leben.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Mit dem Feminismus ist es ja immer so eine Sache. Moderne Frauen verdanken ihm Emanzipation, Gleichberechtigung und den Minirock. Trotzdem haftet der von Hedwig Dohm, Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer geprägten Bewegung häufig ein negatives Image an – und das nicht nur bei Männern.

Dass Désirée Nick ihre ganz eigene Sicht auf den Feminismus hat, dürfte Fans der Entertainerin, Autorin und Schauspielerin nicht verborgen geblieben sein. Alle anderen können die Nicksche Interpretation jetzt in ihrem jüngsten Buch „Neues von der Arschterrasse“ nachlesen, das an diesem Montag im Ullstein Verlag erschienen ist. Der Feminismus ist gar nicht tot. Er riecht bloß ein bisschen aufdringlich.

Nach einem Eau de Toilette, wie es Frauen verwenden, die fürchten, dass man sie sonst nicht wahrnehmen könnte, konstatiert sie darin und bricht eine Lanze für einen Feminismus, der ohne Stilettos, Silikonbrüste, Permanent-Make-up und anderen Chichi auskommt. Das liest sich so, wie sich alle Bücher von der Frau lesen, die schon immer dahin ging, wo es wehtut, wenn es sein musste, sogar ins „Dschungelcamp“. Spitzzüngig und mitunter sogar amüsant, aber trotzdem differenziert.

Von der Ballettausbildung zum Studium der Theologie

In ihrer Heimatstadt Berlin gehört Désirée Nick dank dieser Attribute schon lange zur Lokalprominenz. Hier ist sie geboren und aufgewachsen. Hier absolvierte sie zwischen 1965 und 1975 eine klassische Ballettausbildung an der Berliner Tanzakademie, bevor sie vier Jahre lang zum Ensemble der Deutschen Oper gehörte.

Ein Kontext, in dem man sich die Nick heute nur noch schwer vorstellen kann. Eher schon als Revuegirl am Pariser Lido – der nächste Schritt ihrer Karriere. Im Anschluss studierte sie an der Theologisch-Pädagogischen Akademie Berlin katholische Theologie auf Lehramt.

Kein Wunder also, dass Désirée Nick auch in ihrem neuen Buch keine Widersprüche ausspart. Gnadenlos türmt sie Stereotype auf, um – oben auf dem Gipfel angekommen – in gespielter Verzweiflung festzustellen: „Wenn die emanzipierte Frau von heute die die Eiger-Nordwand erklimmt, wird ganz einfach erwartet, dass sie das auf High Heels tut.“

Nun hat man die 57-Jährige außer im Dschungel auch noch nie ungeschminkt und ohne High Heels erlebt. Man kann sagen: Sie verkörpert selbst all die Klischees, die sie in ihrem Buch anprangert, auch das vom „Dekolleté einer 28-Jährigen über dem Herzen einer 50-Jährigen“. Ihre Polemik über den Trend zur „High Maintainance Selbstinszenierung“, sie läuft also konsequent ins Leere.

Ein Kuss vom Regierenden Bürgermeister

Doch genau dafür liebt sie nicht nur Klaus Wowereit, der sich bei der Aids-Gala 2004 sogar zu einem Kuss mit der Entertainerin hinreißen ließ, sondern auch ihre Anhängerinnen – besonders die jenseits der Menopause. Die erwarten keine Antwort mehr auf die Frage, wie sich das miteinander vereinbaren lässt, mehr Frauenrechte einfordern, sich aber selbst über die Optik definieren.

Und weil die Lästerschwester vom Dienst sich selbst nicht ausnimmt, wenn sie im Pluralis Majestatis von „gerodeten Venushügeln“, „Silikonmonstern“ oder „Kreppwimpernträgerinnen„ spricht, weil sie sich bei aller Scharfzüngigkeit ironische Selbstdistanz bewahrt hat, verzeiht man ihr so manche Verallgemeinerung.

Nebenbei offenbart sie nicht nur ein entspanntes Verhältnis zur Schönheitschirurgie („nie mehr als zwei bis drei Eingriffe“), sie verrät auch ihr ganz persönliches Beauty-Geheimnis: viel trinken, Sonne nur in homöopathischen Dosen und Mittagsschlaf. Die Welt verändert man so natürlich nicht. Aber Hand aufs Herz: Die Frau ist Entertainerin, keine Kanzlerin.

Lesung „Neues von der Arschterrasse“: diesen Dienstag, 11. März 2014, 20 Uhr, im Grünen Salon in der Volksbühne, Karten 13 Euro

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