Anthony Kennedy Shriver ist ein Mensch, der immer zu lächeln scheint. Blendend weiße Zähne, eine charismatische Ausstrahlung und höfliche Umgangsformen – als Kennedy wird man wahrscheinlich schon so geprägt. An diesem Tag trägt der Neffe des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy eine Stoffhose, Segelschuhe und einen Pullover, eben leger und gar nicht so, wie viele der Herren, die an diesem Tag in die Galerie Mensing in Mitte gekommen sind, um die Werke des Künstlers Romero Britto zu betrachten.
Der 48-jährige Amerikaner ist jedoch nicht der einzige Kennedy in der Galerie. An der Wand, gleich neben dem Eingang, hängt ein buntes, glitzerndes Porträt seines berühmten Onkels, gefertigt von Shrivers Freund Britto. „Wir sind schon seit 21 Jahren Freunde und arbeiten viel zusammen – besonders, wenn es für einen guten Zweck ist“, sagt der Amerikaner und lächelt dem Künstler zu. Beide leben in Miami, im US-Bundesstaat Florida, und verbringen viel Zeit miteinander. „Und weil ich sowieso gerade in Europa unterwegs bin – bis gestern war ich in Spanien –, habe ich mich entschlossen, heute dabei zu sein, wenn Britto seine Kunst präsentiert. Immerhin ein wichtiger Tag für meinen Freund.“
Doch es ist nicht nur die seelische Unterstützung des Freundes, die Kennedy nach Berlin gelockt hat. An diesem Tag sollen Drucke des Porträts seines Onkels verkauft und, wenn der neue Besitzer es wünscht, von Kennedy und Britto signiert werden. Der Erlös der Verkäufe soll dann der Stiftung „Best Buddies International“ zugutekommen, deren Gründer und Vorsitzender Anthony Kennedy Shriver ist. „Best Buddies ist eine Non-Profit-Organisation, die sich um die Belange von Menschen mit geistiger Behinderung kümmert“, erklärt Kennedy. „Und klar: Mit meinem Nachnamen und der Geschichte meiner Familie – allen voran die meines Onkels John F. Kennedy – kann ich vieles bewegen, auf Dinge aufmerksam machen. Es ist ein großes Geschenk, den Familiennamen Kennedy zu tragen.“
Anthony Kennedy Shriver hat seinen Onkel nie kennengelernt
Kennengelernt hat Anthony Kennedy Shriver seinen Onkel, der mit dem berühmten Satz „Ich bin ein Berliner“ aus seiner Rede vom 26. Juni 1963 vor dem Schöneberger Rathaus in die Geschichte eingegangen ist, nicht. Ein Grund mehr für den Amerikaner, immer wieder bei seiner Mutter, Eunice Shriver, und anderen Familienmitgliedern nachzufragen, wie der ehemalige US-Präsident wohl gewesen ist. Zahlreiche Biografien wurden über ihn verfasst, Gebäude und Einrichtungen nach ihm benannt – das habe bei Shriver enormes Interesse geweckt.
„Alle, die ihn gekannt haben, erzählen mir, dass mein Onkel ein Mann mit sehr viel Empathie gewesen ist. Er hat Menschen das Gefühl vermittelt, verstanden zu werden“, sagt er. „Und das nicht nur während seines politischen Wirkens in den USA, sondern auch auf Auslandsreisen. Die Berliner haben sich verstanden gefühlt, als er 1963 zu ihnen gesprochen hat.“
Auch Kennedy Shriver zeigt sich eng mit Berlin verbunden. Er fühle sich heimisch hier, willkommen, und die Berliner würden ihm sehr viel Freundlichkeit und Zuneigung entgegenbringen, wenn er in der Stadt sei. Zahlreiche Male habe er mit seiner Mutter die Stadt besucht und sei bis heute noch regelmäßig da. Und auch an diesem Tag ist der Andrang groß. Der Name Kennedy ist ein Publikumsmagnet, selbst wenn es sich um einen Vertreter aus der nächsten Generation handelt. Immerhin: Das Lächeln ist dasselbe.





