50 Jahre danach

Kennedy – Vier Worte für die Ewigkeit

Die Morgenpost widmet dem 50. Jahrestag des Besuchs von John F. Kennedy und der berühmten "Ich bin ein Berliner"-Rede einen Themenschwerpunkt. Morgenpost-Chefredakteur Carsten Erdmann erklärt warum.

Herbert Loewe und Hannelore Siebert erlebten den Besuch von John F. Kennedy in Berlin vor 50 Jahren. Eine „Sensation“, wie sie noch heute sagen. Jedes Detail ist noch in Erinnerung. Von Max Boenke.

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Was macht unsere Stadt aus? Ihre Wirtschaftskraft, die Infrastruktur, die politischen Mehrheiten, die Kultur? Auch. Aber es sind vor allem die Menschen, die bekennen: „Ich bin ein Berliner.“ Aus diesen wenigen Worten spricht die ganze Lust auf Berlin, der Stolz dazuzugehören, die Kraft, sich nicht unterkriegen zu lassen, die Bereitschaft, mitzumachen beim Werden, das nie im Sein verharrt. „Ich bin ein Berliner“ – so klingt unser Lebensgefühl, eine Haltung, verwurzelt in der Geschichte, aber mit dem klaren Blick in die Zukunft. Der Münchner hat sein „Mia san mia“, der New Yorker sein „If I can make it there, I’ll make it anywhere“, die Menschen hier tragen diesen einfachen wie tiefgründigen Satz im Herzen: „Ich bin ein Berliner“ – das ist die Formel dieser Stadt, ihre DNA.

Es passt zu Berlin, dass nicht etwa ein Deutscher darauf gekommen ist. Es war ein Amerikaner, ein Demokrat, heute vor genau 50 Jahren. Zwei Jahre nach dem Mauerbau fühlten sich viele Berliner im Stich gelassen von den alliierten West-Mächten. Angst herrschte, ob die Stadt dem Warschauer Pakt gleichsam geopfert werden sollte. Bedeutete die Abriegelung nicht einen weiteren Schritt, den geschützten Status von West-Berlin auszuhöhlen?

In einer weltpolitisch angespannten Lage besuchte der US-Präsident John F. Kennedy, den Kritiker für zu weich hielten, Berlin. Sein Aufenthalt am 26. Juni 1963 dauerte nur acht Stunden, aber er veränderte das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Denn Kennedy repräsentierte, wonach sich alle sehnten: das Selbstbewusstsein des freien Menschen.

In seiner Rede vor dem Rathaus Schöneberg sagte er: „Vor zweitausend Jahren war der stolzeste Satz, den ein Mensch sagen konnte, der: Ich bin ein Bürger Roms. Heute ist der stolzeste Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann: Ich bin ein Berliner. … Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.

Dieser Tag, dieser Satz gab den Berlinern, der ganzen Welt Hoffnung. Vier Worte, die bis heute wirken. Was genau geschah an diesem Tag, in Berlin, in der Welt, im Kopf des US-Präsidenten? Kennedy wollte für die Menschen in Berlin vor allem eines sein: ein Kamerad. So erzählt es sein Neffe Anthony Kennedy Shriver, mit dem wir für diese Ausgabe gesprochen haben. Beeindruckend auch die Erinnerungen von Egon Bahr, der damals im Schöneberger Rathaus dabei war.

Wir haben viele weitere Zeitzeugen getroffen, die erlebt haben, mit welcher Begeisterung der US-Präsident gefeiert wurde, wie seine Worte die Menschen ergriffen, welche Hoffnung Kennedy ausstrahlte. Die Berliner dankten ihm den Auftritt mit Jubel – und Geschenken, so wie dem „selbst gebastelten Telefon“ von Erna Gebhardt aus der Charlottenburger Niebuhrstraße oder der Berliner Luftbrücke, als Modell nachgebaut von einer 9. Klasse aus Tegel, zusammengeklebter Dank für eine große logistische und psychologische Leistung, an die auch US-Präsident Obama bei seinem Besuch erinnerte. Die Berliner verehrten Kennedy für seine Größe mitten im Kalten Krieg.

In unserer Sonderausgabe der Berliner Morgenpost zum 50. Jahrestag der Kennedy-Rede und in einem Multimediapaket auf morgenpost.de erzählen wir von Menschen, die dem Präsidenten damals begegneten. Wir blicken zugleich nach vorn und zeigen, wie der Besuch aus dem Jahre 1963 auch noch künftig die Berliner beeinflussen wird.

Denn Kennedys legendärer Satz ist nicht nur Geschichte, sondern aktueller Auftrag, an Politik und Wirtschaft, an die Kultur, an jeden Bürger dieser Stadt: Nicht ausruhen und wohlfühlen in historischer Bedeutung oder derzeitigem Hype, sondern mit Selbstbewusstsein eine stabile Zukunft gestalten. „Ich bin ein Berliner“ – das heißt heute: „Ich glaube an ein lebenswertes Morgen und werde dafür kämpfen.“

Dieser Themenschwerpunkt ist ein Dank an die Freundschaft zwischen Amerika und Berlin und eine Hommage an US-Präsident John F. Kennedy und seine vier Worte für die Ewigkeit.

Viel Vergnügen beim Geschichte erleben!

Ihr Carsten Erdmann

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