Society-Expertin

Was in der Ehe zwischen Demi und Ashton schief lief

| Lesedauer: 8 Minuten
Britta Stuff

Per Twitter ließen sie die ganze Welt an ihrer turbulenten Ehe teilhaben. Nun gehen Demi Moore und Ashton Kutcher getrennte Wege. Lag es doch am Altersunterschied?

Das Ende einer kindischen Ehe – Ashton Kutcher und Demi Moore haben sich getrennt. Eva Kohlrusch weiß, warum. Ein Gespräch mit der Kolumnistin der „Bunten“

Morgenpost Online: Beschreiben Sie mal die gescheiterte Beziehung der beiden jemandem, der die beiden nicht kennt.

Eva Kohlrusch: Da ist eine Frau, die nächstes Jahr 50 wird. Ein kritisches Alter. Sie ahnt, dass ein Zenit überschritten ist, will aber jeden beunruhigenden Gedanken daran übertönen. Man sah sie eher herumalbern. Sie gab sich neckisch, schien unaufhaltsam jung, was manchmal auch angestrengt wirkte.

Er ist mit seinen 33 Jahren im Unsterblichkeitsalter. Ist potent, ungestüm, wild auf Erfahrung. Noch traut er sich alles zu – auch ein kleines Doppelleben. Die beiden lebten in einer Beziehung, in der sie seltsam verspielt und kindisch miteinander umgingen und sich so auch vor der Öffentlichkeit präsentierten.

Sie eilten von Party zu Party, zeigten ständig Fotos von sich im Internet, als würden sie ihr Leben erst spüren, wenn sie sich im Blick von Zuschauern spiegeln. Die äußere Situation war durchaus problematisch, denn sie hat drei erwachsene Kinder, deren Vater – Demis Ex-Mann Bruce Willis – ebenso liebevoll wie mächtig mitmischt im Alltag.

Ashton dürfte sich oft wie das vierte Kind im Bunde gefühlt haben, das sich fügen soll. Es gab also Machtspiele auf mehreren Ebenen.

Morgenpost Online: Haben Sie denn wegen des Altersunterschieds das Ende kommen sehen?

Kohlrusch: Ach, ich mag mir durchaus vorstellen, dass Frauen Lust auf jüngere Männer haben, obwohl sie im Prinzip mehr dazu neigen, sich nach oben auszurichten – mehr Status, mehr Wissen, mehr Reife und Schutz durch jemanden, der sie auf diesem Weg mitnimmt.

Wenn sie sich in einen umtriebigen Buben verlieben – noch dazu in jemanden, der wie Ashton Kutcher „Demis Toyboy“ genannt wurde –, ist das zumindest kein zukunftssicheres Konzept. Wenn Frauen einen 25 Jahre älteren Mann haben, treten sie selbstverständlich an seiner Seite auf, auch wenn er 85 und sie gerade mal knackige 60 ist.

Dass ein Mann von 60 Jahren mit einer 85-Jährigen an der Hand herumzieht, braucht wohl noch ein neues Männerselbstverständnis und ein paar Generationen Gewöhnung.

Morgenpost Online: Was hätten Sie Demi Moore denn nach den ersten Trennungsgedanken geraten?

Kohlrusch: Was ich allen Frauen rate, wenn ihr Mann fremdgegangen ist: Untreue nicht als unüberwindbaren Riss begreifen, sondern sich erst einmal in Ruhe selbst befragen. Liebe ich ihn genug, dass ich ihm auch einen Verrat verzeihe? Was hat er gesucht, das wir beide offenbar nicht hinkriegen?

Glaube ich selbst an unsere Ehe, oder richte ich mich ein in dem Groll, er allein sei schuld, wenn sie kaputtgeht? Wenn ich nur noch mit ihm abrechnen und anhand seiner Untreue beweisen will, dass er ein Schuft, ein Narr, ein Versager, also der Falsche für mich ist, dann muss diese Beziehung enden.

Morgenpost Online: Warum haben die beiden sich denn Ihrer Meinung nach so intensiv in den Medien inszeniert?

Kohlrusch: Es gibt so etwas wie Romanzensucht. Zwei Menschen, die einander attraktiv finden und glauben, ein erregendes Leben zu führen, verlieren sich manchmal darin, diese Lovestory wieder und wieder zu inszenieren und vorzuführen. Im siebten Jahr ihrer Ehe haben Demi und Ashton natürlich auch schalere Momente erlebt, nicht nur Hochgefühle.

Er ging ja schon voriges Jahr fremd und rechnete dummerweise nicht damit, dass ein fremdes Girl im Bett nicht nur weich und aufregend sein kann, sondern auch so berechnend, die Geschichte der Presse zu verkaufen. Ich denke, Demi und Ashton waren verfangen in der Idee, der Welt immer wieder neu vorzuleben, welches „Traumpaar“ sie sind.

Morgenpost Online: Also denken Sie, die beiden brauchten die Öffentlichkeit?

Kohlrusch: Ja, sie haben Kino gespielt, vor sich und vor anderen; zum Beispiel, indem sie unablässig ihre Twitter-Zwitschereien und Kuschelszenen ins Internet stellten. Damit haben sie sich ein Image geschaffen, das dauernder Bestärkung bedurfte – einerseits, um den eigenen Liebesrausch aufrechtzuerhalten, andererseits, um das Publikum nicht zu enttäuschen.

So was endet natürlich mit kaltem Schrecken. Nichts ist schlimmer, als zu entdecken, dass ein Teil des eigenen Lebens nur schlecht inszeniertes Kino war.

Morgenpost Online: Für wen ist die Trennung nun schlimmer?

Kohlrusch: Die vorläufige Verliererin dieser Geschichte ist Demi Moore. Sie muss begreifen, dass sie ein uneinholbares Bild von sich in sich trägt. Diesen unseligen Drang, ewig jung, ewig schön, ewig begehrenswert zu sein und dabei zu überdecken, welch vielschichtige Person sie darüber hinaus geworden ist.

Dabei war sie früher mal eine Kämpferin. Sie war es, die höhere Honorare für sich und ihre Kolleginnen durchsetzte, die sich mit nacktem Babybauch auf der „Vanity Fair“ präsentierte, um zu demonstrieren, wie sexy und wie normal – Kinderkriegen ist. Damals wollte sie die Welt aus den Angeln heben.

Heute fühlt sie sich verletzt, hat aber Power genug, sich in ein neues, ihr selbstbestimmtes Leben zu stürzen, während Ashton noch ein wenig benommen herumläuft.

Morgenpost Online: Warum?

Kohlrusch: Er ist noch wie ein Welpe. Bass erstaunt, dass er vor die Tür gesetzt wird. Er war ja eingebunden in eine Familie mit drei Töchtern, die ihn MOD nannten, „my other dad“. Deren lustiges Kuschelklima verliert er nun, entkommt aber auch den ewigen Rivalitäten mit Papa Bruce Willis, gegen dessen Power er nie ankam.

Eine Zeit lang wird er verstört sein, dass ihm nun so spektakulär das Etikett „Fremdgeher“ anhaftet. Aber das alles verwächst sich. Er soll ja schon eine Jüngere haben.

Morgenpost Online: Vielleicht wollte sich Demi Moore ja auch einfach nach der Jugend ausrichten.

Kohlrusch: Ihr Problem ist noch ein wenig größer. Es gab eine starke Machtverschiebung. Früher war sie der Star, die Teuerstbezahlte in Hollywood, und ihn kannte kaum jemand.

Nun hat er sich die dicken Rollen geangelt, ist Nachfolger von Charlie Sheen, der als bestverdienender Serienstar Amerikas galt.

Sie dümpelt inzwischen in ihrem mäßigen Erfolg. Sie hätte früher sehen müssen, dass ihr Wert sich nicht nur in Jugend und Schönheit bemisst.

Morgenpost Online: Das klingt eher nach einem pessimistischen Frauenbild. Sagen Sie doch was, um die Frauen da draußen zu trösten.

Kohlrusch: Ach, um Frauen, die eine Scheidung durchziehen, sorge ich mich kaum. Ehemänner neigen eher dazu, die Dinge laufen zu lassen; jedenfalls solang nicht eine Geliebte sie unter Dreck setzt. Frauen machen einen klaren Schnitt, wenn die Ehe sie enttäuscht. Demi Moore wird eine Zeit brauchen, um wieder Selbstvertrauen zu haben. Aber spätestens am 50. Geburtstag wird sie entdecken, welch starke Person sie sein kann.

Morgenpost Online: Ist es schwer, sich in Fremde hineinzuversetzen? Wird Ihnen manchmal Küchenpsychologie vorgeworfen?

Kohlrusch: Ich bin keine Psychologin. Ich bin Journalistin und damit eine Beobachterin, eine Sammlerin von Ereignissen, auch von Momentaufnahmen und Selbstbeschreibungen der Stars. Ich sehe, dass viele von ihnen ein ungewöhnliches Leben führen. Aber ihre Gefühlszustände – Liebe, Sehnsucht, Zweifel, Freiheitsdrang, Überdruss – sind ja die gleichen, die wir alle kennen.

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