Energiekrise

Advent: Gehen dem Einzelhandel im Winter die Kerzen aus?

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Sophie Herrmann
Stromausfall: Was sollte man im Haus haben?

Stromausfall: Was sollte man im Haus haben?

Warum das nötig ist und was man unbedingt im Haus haben sollte, hier sind unsere Tipps.

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Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – oder nicht? Aus Furcht vor Blackouts horten viele jetzt Kerzen – im Handel werden sie knapp.

Berlin. Ein Weihnachten ohne Kerzen ist in Deutschland undenkbar. Das flackernde Licht gehört so sehr zur Adventstradition wie Plätzchen und ein Weihnachtsbaum. Besonders in diesem Jahr boomt die Nachfrage. Kann der Einzelhandel beim Kerzenkaufrausch mithalten oder stehen die Verbrauchenden demnächst vor leeren Regalen?

Denn zum Advent kommt die Energiekrise. Und darum fürchten viele Menschen, dass es im Winter zu Blackouts kommen könnte. Bevor sie im Dunkeln das Weihnachtsfest feiern, nutzen sie alternative Lichtquellen wie Kerzen. Diese sparen nicht nur Strom, sondern verbreiten auch eine angenehm warme Stimmung inmitten der aktuellen Krisen.

Angst vor Gas-Knappheit: Menschen horten Kerzen für den Winter

Der Krieg in der Ukraine schürt seit Monaten die Angst der Bevölkerung vor einer Gas-Knappheit im Winter. Russland war bislang der Hauptlieferant für europäisches Gas. Dennoch haben viele Menschen Angst, dass sie im Winter in einem kalten dunklen Wohnzimmer sitzen - auch wenn die Bundesnetzagentur das für höchst unwahrscheinlich hält.

Wie der britische "Guardian" berichtet werden deshalb Vorräte an Kerzen gekauft, um auf mögliche Blackouts im Winter vorbereitet zu sein. Hinzu kommt, dass die Deutsche Umwelthilfe die Verbraucher und Verbraucherinnen dazu aufgefordert hat, in diesem Jahr auf die üppige Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. Als Alternative zur klassischen Lichterkette setzt der Einzelhandel besonders auf das Geschäft mit Kerzen.

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Das Kerzengeschäft boomt: Einen Mangel im Einzelhandel gibt es nicht

Das Kerzenfieber war bereits zu Beginn der Corona-Pandemie ausgebrochen. Aufgrund des Lockdowns haben die Menschen einen Großteil ihrer Zeit zu Hause verbracht und wollten es gemütlicher in den eigenen vier Wänden haben. Die Nachfrage ist laut der European Candle Manufacturers Association im Jahr 2021 um 12,8 Prozent gestiegen.

Die Hersteller hatten dieses Jahr mit einem Rückgang gerechnet, doch die Energiekrise und die Angst der Bevölkerung vor einem Blackout haben das Geschäft erneut angeheizt. Die Kosten für die Kerzenproduktion sind zwar aufgrund der Energie- und Rohstoffpreise gestiegen, doch die Nachfrage ist weiterhin hoch. Mit einem Mangel an Kerzen im Einzelhandel ist somit nicht zu rechnen.

Kerzen zum Schutz vor Blackout: Die Angst ist unbegründet

Dabei sei die Angst der Deutschen laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unbegründet. "Das elektrische Energieversorgungssystem ist mehrfach redundant ausgelegt und verfügt über zahlreiche Sicherungsmechanismen", stellt die Behörde klar. Ein großflächiger Stromausfall sei in Deutschland äußerst unwahrscheinlich.

Laut einer Statistik des BBK mussten deutsche Haushalte im Jahr 2020 durchschnittlich 10,73 Minuten ohne Strom auskommen. Eine Zeitspanne, die sich auch mit einer Taschenlampe überbrücken lässt. Ein Großvorrat an Kerzen ist dafür nicht notwendig.

Zudem sparen Kerzen zwar in gewissem Maße Strom über die Feiertage, aber eine Alternative zur Heizung sind sie nicht. Die Feuerwehr warnt vor sogenannten "Do-it-yourself-Teelichtöfen".

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.