Kommentar

Corona-Regeln der Ampel – Bitte erst denken, dann reden!

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Julia Emmrich
Diese Corona-Regeln gelten ab Herbst

Diese Corona-Regeln gelten ab Herbst

Die Bundesregierung hat die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes vorgelegt. Diese Maßnahmen sollen sich demnach ab Herbst ändern.

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Klare Ansagen vor dem dritten Pandemieherbst? Fehlanzeige. Warum die neuen Corona-Regeln der Ampel-Koalition für Verwirrung sorgen.

Berlin. Wie hältst du es mit der vierten Impfung? Das ist die Gretchenfrage in diesem Sommer. Nicht für die über 70-Jährigen, die haben eine klare Empfehlung von der Ständigen Impfkommission. Aber für alle anderen: Ist es klug, sich Mitte August die vierte Dosis zu holen? Es gibt nicht die eine, klare Antwort. Es gibt ein heilloses Stimmengewirr.

Der gleiche Wirrwarr herrscht bei der Frage, was denn nun im Corona-Herbst gelten soll. Das Konzept liegt auf dem Tisch, doch es wirkt, als hätte Kafka daran mitgeschrieben: Ein verworrenes Regeln-Ausnahmen-Machwerk. Oh Mann. Warum schafft es die Politik auch im dritten Pandemiejahr nicht, klare Ansagen zu machen? Die Ampel jedenfalls ist in diesem Punkt kein bisschen besser als die Groko.

Allein schon der politische Stil: SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach und FDP-Justizminister Marco Buschmann erklärten vergangene Woche ihr neues Corona-Regelpaket nicht etwa bei einem gemeinsamen Auftritt in Berlin, der (aufgezeichnet und übertragen) für jeden zugänglich gewesen wäre. Nein, sie luden ein paar Journalisten zur Videoschalte, für Nachfragen gab es gerade mal ein paar Minuten.

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Corona: Verwirrung um die vierte Impfung

Dabei gäbe es viele Fragen. Zum Beispiel für einen Durchschnittsdeutschen wie Max Mustermann, 50 Jahre alt, leichtes Übergewicht, Bluthochdruck. Nehmen wir an, der besorgte Herr Mustermann hat sich auf den Rat des Gesundheitsministers und nach Rücksprache mit seinem Hausarzt bereits im Frühsommer zum vierten Mal impfen lassen.

Jetzt erfährt er, dass ab Oktober manches leichter zugänglich wird für Menschen, deren Impfung nicht älter als drei Monate ist. So soll es etwa Ausnahmen von der Maskenpflicht in Innenräumen geben, wenn jemand frisch geimpft ist. Also müsste sich Herr Mustermann, dessen letzte Impfung im Herbst schon mehr als drei Monate zurückliegt, direkt die fünfte Dosis holen? Und dass, obwohl viele Immunologen davon abraten, sich so kurz hintereinander erneut zu immunisieren?

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Nehmen wir dagegen mal an, Herr Mustermann hat sich noch nicht viertimpfen lassen. Er wartet ab, bis die Omikron-Impfstoffe da sind, ergattert einen Termin für den begehrten neuen Impfstoff und glaubt damit, alles richtig zu machen. Es kann ihm trotzdem passieren, dass sein Impfstatus nicht reicht für freien Zugang. Warum? Weil Veranstalter selbst entscheiden können sollen, ob sie im Herbst statt der Maskenpflicht eine generelle Testpflicht für ihre Gäste einführen. Franz Kafka hätte sich das nicht besser ausdenken können.

Der Gesundheitsminister fordert zu Recht klare Impfempfehlungen für alte Altersgruppen. Die Forderung hat bloß einen Haken: Die Experten der Ständigen Impfkommission sind Wissenschaftler und keine Gesundheitspolitiker, nach Stand der Dinge wird dabei im besten Fall für alle Jüngeren, die zu keiner Risikogruppe gehören, folgende Empfehlung herauskommen: „Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.“ Das ist auch jetzt schon so.

Corona-Herbst: Die Kommunikation muss besser werden

Es bleibt nicht viel Zeit, um aus dem Kafka-Konzept für den Herbst ein klares Regelwerk zu machen. Anfang September sollen die neuen Impfstoffe da sein, Anfang Oktober die neuen Corona-Maßnahmen greifen. Vielleicht erinnert sich in der Koalition bis dahin noch mal einer an das, was der Pandemie-Expertenrat mantrahaft anmahnt: Die Corona-Kommunikation muss besser werden. Mit anderen Worten: Vermeidet Verwirrung. Oder: Erst denken, dann reden.