Covid-19-Pandemie

Friseure wieder geöffnet: Diese Regeln gelten jetzt

Friseure dürfen wieder öffnen, wenn sie bestimmte Auflagen befolgen. Diese Regeln müssen Friseure und Kunden ab jetzt einhalten.

Kein Friseur da? So schneiden Sie kurze Haare selber

Wegen der Coronavirus-Krise haben Friseure geschlossen. Was tun, wenn die Haare nun wuchern? Wir geben im Video Tipps fürs Frisieren zu Hause.

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Berlin. 
  • Ab sofort ist für Friseure die Corona-Zwangspause vorbei, die Läden dürfen wieder öffnen
  • Allerdings nur unter bestimmten Auflagen und unter strengen Hygiene-Vorschriften
  • Einige Leistungen dürfen Friseure nicht anbieten
  • Der Ansturm ist enorm, vielerorts sind Salons auf mehrere Wochen ausgebucht
  • Wir zeigen, welche Änderungen Kunden jetzt hinnehmen müssen

Wer beim morgendlichen Blick in den Spiegel jeden Tag ein bisschen mehr ins Verzweifeln gerät, kann sich jetzt auf den nächsten Friseurbesuch freuen: Nach einer zeitweisen Schließung wegen der Corona-Pandemie dürfen Friseursalons ab sofort wieder öffnen. Viele Salons sind bereits jetzt schon auf Wochen ausgebucht.

Einige Friseure bieten ihren Service auch ohne Terminvergabe an, was etwa in Berlin dazu führte, dass sich vor den Salons lange Schlangen bildeten. In anderen Städten bietet sich ein ähnliches Bild. „Der Ansturm ist enorm“, sagte Friseurmeister Holger Knievel, der in Dresden einen Salon mit zehn Mitarbeitern unterhält. Viele Friseure setzten ihre Beschäftigten nun in Schichten ein, um länger öffnen zu können und den Kundenstrom zu entzerren.

Friseurbranche erlitt halbe Milliarde Euro Verlust

Die Wiederöffnung der Salons kommt für viele Friseure zur rechten Zeit. Auf mehr als eine halbe Milliarde Euro schätzt Müller den Umsatzverlust der Branche für die Wochen der Zwangsschließungen wegen der Corona-Krise. Die Öffnung sei rechtzeitig gekommen. Alle Unternehmen hätten ihre Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt, sagte Müller. „Das hat natürlich auch Entlassungen verhindert und diese Mitarbeiter werden jetzt bei der Wiedereröffnung händeringend gebraucht.“

„Es wird einfach einen Run geben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, Jörg Müller. Wegen der Auflagen können aber weniger Menschen gleichzeitig bedient werden. So müssen laut Müller viele Salons wegen des vorgeschriebenen Mindestabstands mit weniger Stühlen auskommen.

Friseure öffnen wieder: Haarewaschen wird Pflicht

Mit den Vorgaben wird außerdem das Haarewaschen für alle Kunden Pflicht. So sollen mögliche Viren in den Haaren abgetötet werden. Die Friseure müssen sich Müller zufolge deshalb auf mehr Zeit pro Kunden einstellen. Auch das führe dazu, dass weniger Kunden bedient werden können.

Der Vorsitzende der Hamburger Friseur-Innung, Birger Kentzler, verwies darauf, dass diese Maßnahme Kunden abschrecken werde: „Es gibt einen Haufen Leute, die wollen das Waschen der Haare im Salon nicht bezahlen.“

Wimpernfärben und Rasieren bleiben weiter verboten

Kunden werden sich auch auf einige Abstriche einstellen müssen. „Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege dürfen derzeit nicht ausgeführt werden“, heißt es in den Vorgaben. Das trifft etwa die auf Bärte spezialisierten Barber besonders. Sie können in Zukunft nur Herrenhaarschnitte anbieten.

Und: Sowohl Friseure als auch Kunden sollen nun einen Mund-Nasen-Schutz tragen, heißt es in dem kürzlich veröffentlichten Arbeitsschutzstandard der zuständigen Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

So trage ich den Mundschutz richtig
So trage ich den Mundschutz richtig

Friseure wieder geöffnet – das ändert sich:

Einige Dienstleistungen bleiben weiterhin verboten. Dazu zählen:

  • Wimpernfärben,
  • Augenbrauenfärben,
  • Rasieren oder
  • Bartpflege.

Coronavirus: Kunden sollen Kontaktdaten hinterlassen

Kunden sollen zudem ihre Kontaktdaten bei den Friseursalons hinterlassen, damit Infektionsketten nachvollzogen werden können. „Kunden können nur bedient werden, wenn sie mit der Dokumentation einverstanden sind“, heißt es dazu in dem Arbeitsschutzstandard.

Ob der Standard auch eingehalten wird, sollen laut Müller Ordnungsämter und die Berufsgenossenschaft kontrollieren. Lesen Sie dazu auch: Keinen Termin beim Friseur ergattert – dann bleibt weiter nur die Bastelschere.

Für Männer könnte der Haarschnitt teurer werden

Einen negativen Nebeneffekt wird der neue Schutzstandard für Kunden allerdings wohl haben: Viele Friseurbesuche könnten teurer werden. Der zeitliche Mehraufwand sowie die Kosten für Schutzausrüstung führten zu einem moderaten Anstieg der Preise, sagt Müller.

Männliche Kunden müssten demnach tiefer in die Tasche greifen, da der Trockenhaarschnitt vorerst nicht erlaubt sei. Der Verband Deutscher Friseurunternehmen rechnet mit einem durchschnittlichen Preisanstieg von ein bis zwei Euro, wie der Radiosender MDR Jump berichtete. Die Betreiberin eines Friseursalons im sächsischen Hoyerswerda sagte dem Sender, dass sie für den zusätzlichen Aufwand eine Pauschale von 1,50 Euro pro Kunde einführen werde.

Wiedereröffnung von Friseuren: Verdi fordert strikte Einhaltung von Corona-Regeln

Verbraucherschützer und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordern die Ladenbetreiber zur strikten Einhaltung der neuen Pandemie-Auflagen auf. Es gelte, die Kunden und Beschäftigten gleichermaßen vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen, sagte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende, Christine Behle, unserer Redaktion.

Die Arbeitsschutzstandards der Berufsgenossenschaft müssten daher „als Mindestmaß eingehalten werden“. Behle betonte: „Beim Schutz der Gesundheit gibt es keinen Spielraum.“

Die Gewerkschafterin nannte unter anderem das in der Pandemie vorgeschriebene Tragen eines Mundschutzes für Kunden und Beschäftigte, die Pflicht zur Haarwäsche vor dem Haarschnitt sowie die Vergabe von Terminen, um Ansammlungen von wartenden Kunden in den Salons zu verhindern. Den Mitarbeitern müsse zudem ein Schutzkittel zur Verfügung gestellt werden, der täglich gereinigt werde. Auch die Abstandsregeln gelte es einzuhalten, forderte die Verdi-Vize-Chefin.

Termin beim Friseur: „Einer neuen Frisur steht nichts mehr im Wege“

Verbraucherschützer raten Friseurkunden dringend dazu, auf die Einhaltung der Hygieneauflagen zu bestehen. Bei möglichen Verstößen solle zunächst das direkte Gespräch mit dem Betreiber des Salons gesucht werden, sagte die Leiterin der Abteilung Gesundheits- und Pflegemarkt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Christiane Grote, unserer Redaktion. Grote fuhr fort: „Wenn der Kunde auf diesem Wege nicht weiterkommt, kann er sich auch an das Ordnungsamt wenden.“

Auch eine Beschwerde bei der zuständigen Berufsgenossenschaft sei eine Möglichkeit. Diese sei für die Einhaltung der Arbeitsschutzstandards in der Pandemie zuständig.

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, Harald Esser, erwartet einen reibungslosen Neustart der Branche nach den sechswöchigen Corona-bedingten Schließungen. Mit den neuen Pandemie-Arbeitsschutzstandards sei „ganz klar geregelt“, wie fortan das Haareschneiden funktionieren könne, sagte Esser. Wenn sich Friseure und Kunden an diese Regeln hielten, stehe „einer neuen Frisur nichts mehr im Wege“.

(msb/dpa)

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