Nordrhein-Westfalen

Bagger bringt Weltkriegsbombe zur Explosion - Fahrer tot

Bei Baggerarbeiten ist es in Euskirchen in Nordrhein-Westfalen zu einem Unglück gekommen. Der Fahrer brachte eine Bombe zur Explosion. Er starb, mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Der Knall muss gewaltig gewesen sein: Bis in die umliegenden Städte Bonn und Rheinbach ist er offenbar zu hören gewesen, kilometerweit, über Felder und Wiesen hinweg. Gegen 13.30 Uhr ist am Freitag in der nordrhein-westfälischen Stadt Euskirchen mit ihren rund 55.000 Einwohnern nach bisherigen Vermutungen eine Weltkriegsbombe explodiert. Ein Baggerfahrer war mit seinem Fahrzeug nach noch nicht bestätigten Informationen beim Verschieben vom Schutt auf einem Gewerbegelände zufällig auf den Blindgänger gestoßen – der daraufhin detonierte. Der Baggerfahrer verstarb sofort an der Unglücksstelle. Seine Identität ist noch nicht bekannt.

Die Schäden sind immens

Zudem sollen zwei Menschen schwer, elf weitere leicht verletzt worden sein. Die beiden Schwerverletzten hatten sich nach ersten Erkenntnissen der Polizei unweit des Explosionsortes aufgehalten. Durch die starke Druckwelle wurden den Angaben zufolge auch Häuser in benachbarten Straßen beschädigt. „Der Unglücksort ist großräumig abgesperrt, Sprengstoffexperten und Kriminalpolizei ermitteln nun den genauen Hergang des Geschehens“, berichtete der Polizeisprecher am frühen Freitagabend. Wie der Düsseldorfer Vizeregierungspräsident Roland Schlapka der Nachrichtenagentur dpa sagte, sei jedoch noch nicht klar, ob die Explosion auch tatsächlich von einer Weltkriegsbombe ausgelöst wurde. Momentan tappe man bei der Ursachensuche noch im Dunkeln.

Offensichtlich sind allerdings die immensen Schäden. Autos in der näheren Umgebung wurden demoliert, Scheiben zerbarsten, Dachstühle beschädigt, wie der „Bonner Generalanzeiger“ berichtet. Häuser seien evakuiert worden, ob sie einsturzgefährdet seien, blieb zunächst jedoch unklar. Der Fernsehsender WDR meldete, eine Anwohnerin, die rund 800 Meter Luftlinie von dem Unglücksort entfernt lebe, habe von einer starken Druckwelle berichtet, die Türen und Fenster zufallen ließ. Zahlreiche Betroffene schilderten ihre Erlebnisse beim Kurznachrichtendienst Twitter und veröffentlichten Fotos von den zum Teil immensen Schäden.

Druckwelle bis in die Nähe des Flughafens zu spüren

„Eine Stadt im Ausnahmezustand, eine Stunde bis zum Kindergarten gebraucht, alles kaputt hier“, schrieb eine Nutzerin. „Die Erschütterung hat man bis ins Siebengebirge gespürt“, berichtete eine andere. „Auch in der Nähe des Flughafens Köln/Bonn war die Druckwelle der Explosion in Euskirchen deutlich zu hören und zu spüren“, twittert ein weiterer Nutzer. In Euskirchen seien rund 100 Feuerwehrleute im Einsatz, der Kampfmittelräumdienst wurde sofort alarmiert und sei so schnell wie möglich nach Euskirchen geeilt, so der „Bonner Generalanzeiger“ weiter. Laut einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ soll der Bagger beim Eintreffen der Feuerwehr in Flammen gestanden haben.

Dass nicht gezündete Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden, gehört an Rhein und Ruhr zum Alltag. Doch fast immer geht es glimpflich ab, und die Sprengkörper werden entschärft – es sind viele Hundert im Jahr. Vor gut sechs Jahren wurde bei Aschaffenburg ein Bauarbeiter getötet, als eine Fräsmaschine bei Bauarbeiten auf einer Autobahn eine Fünf-Zentner-Bombe explodieren ließ.

Mehr als 3000 Bomben unter Berlin

Die Zahl der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, die alljährlich in Deutschland entdeckt und entschärft werden, liegt im fünfstelligen Bereich. Im August 2012 war etwa im Münchner Stadtteil Schwabing eine 250 Kilo schwere amerikanische Fliegerbombe gesprengt worden – die Detonation war in der rund 1,4 Millionen Einwohner zählenden Stadt kilometerweit zu hören gewesen. In den Straßen um die Explosionsstelle lagen nach der Sprengung viele Glassplitter zerborstener Fensterscheiben. Außerdem hatte es dort stellenweise Folgebrände gegeben.

Ende November 2013 musste eine Bombe in Oranienburg gesprengt werden. Dabei wurde ein Wohnhaus beschädigt. In Potsdam mussten im gleichen Monat gleich drei Bomben entschärft werden.

Insgesamt ist keine Region so stark betroffen wie Berlin und sein Umland. In der Region werden pro Jahr zwischen 30 und 40 Tonnen sogenannter Kampfmittel sichergestellt und vernichtet, von der Granate, die in eine einzelne Hand passt, bis zur 500-Kilo-Fliegerbombe. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterhält eine eigene Dienststelle für das Aufspüren der Blindgänger.

Mehr als 3000 Sprengkörper liegen noch im Boden der Hauptstadt, vermuteten die Experten der Senatsverwaltung. Und viele unentdeckte Bomben werden umso gefährlicher, je länger sie im Boden liegen. „Vielfach sind die Zünder noch funktionstüchtig, und bei manchen Säurezündern und Explosivstoffen kann die Empfindlichkeit beim Alterungsprozess noch zunehmen“, sagte Fritjof Lützen, der Leiter der Dienststelle.

1400 Anfragen von Berliner Bauherren

In Berlin waren Bombenentschärfungen in den vergangenen Jahren mit einem immensen Aufwand verbunden. Bei Bombenfunden in Steglitz, Wilmersdorf und Tegel mussten zuvor jeweils mehrere Tausend Menschen evakuiert werden, darunter auch Patienten von Krankenhäusern und Bewohner von Seniorenheimen. Als Folge der häufigen Entdeckungen von explosiven Altlasten muss sich in Berlin inzwischen jeder, der ein Bauprojekt realisieren will, über das Gefährdungspotenzial seines Baugrundes informieren.

2012 gingen bei der zuständigen Senatsverwaltung 1400 Anfragen von Bauherren ein. In 100 Fällen sahen die Experten Anlass für eine genauere Bodenuntersuchung. Doch in den meisten Fällen sind die entdeckten Sprengkörper Zufallsfunde. BM Die Bombe hatte etwa einen Meter tief im Erdboden gesteckt.