Hoch "Cooper"

Berlin bibbert bei sibirischer Kälte

In Berlin wird es kälter und kälter. Schuld ist das Sibirienhoch "Cooper". Die Meteorologen erwarten nach milden Monaten diese Woche in der Hauptstadt bis zu minus 12 Grad – als Tageshöchsttemperatur.

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Der erste Monat des neuen Jahres wäre für Berlin fast ein Jahrhundertrekord geworden: 2012 begann mit einem ungewöhnlich mildem Januar. Am zweiten Tag des Jahres wurden in der Hauptstadt 12,5 Grad gemessen. Auf den Feldern um die Stadt herum wurden Kraniche gesehen, die sich die Reise in den Süden sparen wollten, in den Parks verzichteten Eichhörnchen auf Winterträgheit, und die ersten Bäume fingen bereits an zu blühen.

Doch genau dieser Frühlingswinter verkehrt sich jetzt in sein Gegenteil. Der Ostwind bläst sibirische Kälte durch die Stadt. Bis zu minus 20 Grad kalt könnte es werden, so prognostizieren Experten. In Kombination mit dem Wind wird die Woche also so richtig eisig. Es wäre sogar möglich, dass es im Februar noch kälter als im Extremdezember 2010 wird. Das war damals der kälteste deutsche Dezember seit 40 Jahren.

Bis zum Freitag werde es täglich kälter, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD). „Von Donnerstag bis Samstag sollten kälteempfindliche Menschen eher keine Außentermine planen, denn der bockige Ostwind wird auch tagsüber die gefühlten Temperaturen immer im zweistelligen Minusbereich halten.“ Wie das Wetter in Berlin in den kommenden Tagen wird, sehen Sie hier.

Energieunternehmen erleichtert

Im Osten Deutschlands gebe es derzeit schon Dauerfrost, von Dienstag an werde auch der Westen davon erfasst. Selbst am Niederrhein seien Eistage mit Höchstwerten unter null Grad zu erwarten. Ausgenommen vom Dauerfrost seien wohl nur Küstengebiete und Inseln. „Sibirienhoch ,Cooper' bringt uns die von den Energieunternehmen heiß herbeigesehnten Temperaturen“, teilte der DWD mit Blick auf den bislang milden Winter mit.

Besonders bei einer Schneedecke können die Temperaturen richtig in den Keller gehen. „Schnee wirkt wie ein Kälteakku“, sagte die DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Örtlich sind daher ab der Wochenmitte Werte unter minus 20 Grad nicht ausgeschlossen. Die Woche beginnt am Montag noch mit leichtem Dauerfrost. Nur im Südwesten und Westen schneit es noch etwas. Die Temperaturen sinken auf minus vier Grad im Westen und minus 13 Grad im Osten. An den Alpen und in den östlichen Mittelgebirgen sind bereits Werte unter minus 15 Grad möglich.

Am Mittwoch soll dann fast überall strenger Frost mit Temperaturen unter minus zehn Grad herrschen. Dafür zeigt sich dann die Sonne. Die Höchstwerte liegen bei minus ein Grad im Westen und minus neun Grad im Osten.

In ganz Deutschland wurden die Menschen am Wochenende von Eis und Schnee überrascht. In Oldenburg war eine Frau über den Zustand ihres Autos derart verwundert, dass sie sogar die Polizei anrief. Unbekannte, so meldete sie, hätten in der Nacht zum Sonntag die Schlösser ihres Wagens verstopft und den Lack zerkratzt. Die Beamten rückten aus und fassten den Täter noch am Tatort: Schnee hatte sich in die Schlösser gesetzt, die Lackschäden erwiesen sich als Eiskristalle. Der Frau konnte mit einem angewärmten Autoschlüssel schnell geholfen werden.

Wer schlau ist und wer es kann, der wird in den nächsten Tagen allerdings ohnehin auf sein Auto verzichten. Ein Ratschlag, den besser auch ein flüchtiger Unfallfahrer am Sonntagmorgen in Weimar berücksichtigt hätte. Der betrunkene Mann war auf der Bundesstraße7 unterwegs, als er die Kontrolle über sein Auto verlor, es sich drehte und in einen Straßengraben rutschte. Unbeeindruckt von dem Unfall machte sich der 29-Jährige aus dem Staub. Anhand der Spuren im Schnee konnte eine Polizeistreife, die den Wagen entdeckt hatte, umgehend die Verfolgung aufnehmen und den Mann stellen. Sein Alkoholtest ergab 1,09 Promille.

Die winterlichen Straßenverhältnisse haben am Wochenende vor allem in Franken und Ostbayern zu zahlreichen Verkehrsunfällen geführt. In den meisten Fällen kam es nur zu kleineren Blechschäden. Ein folgenschwerer Glatteisunfall ereignete sich jedoch am Samstag im Landkreis Landshut. Dabei sollen achtlose Autofahrer ein schwer verletztes Unfallopfer in seinem Wagen liegen gelassen haben.

Der 30-Jährige war der Polizei zufolge bei Geisenhausen mit seinem Kleintransporter gegen einen Baum geprallt. Dabei habe sich der Mann schwerste Verletzungen zugezogen. Mehrere Fahrzeuge seien an der Unfallstelle vorbeigefahren. Der Mann sei später von der Feuerwehr befreit und in eine Klinik geflogen worden.

Keine Verletzten gab es bei einem spektakulären Unfall auf der B85 im Landkreis Kronach. Ein mit vier Personen besetztes Auto kam am Samstagnachmittag auf der eisglatten Fahrbahn ins Schleudern, überschlug sich und landete wieder auf den vier Rädern.

Pünktlich zu den Ferien

Der Hintergrund der Kälte: Wenn kräftige Hochdruckgebiete über Sibirien liegen, kann es in Deutschland einen strengen Winter geben. Im Norden Sibiriens mit dem angrenzenden arktischen Polarmeer fallen die Temperaturen im Winter auf bis zu minus 60 Grad, der Boden ist dauerhaft gefroren. Da die Sonne im Winter in der Polarregion für längere Zeit nicht aufgeht, können sich die kalten Luftmassen nicht erwärmen. Das stabile Hochdruckgebiet sorgt dann dafür, dass sich die Atmosphäre ständig weiter abkühlt und die trockene Luft aus höheren Schichten nach unten sinkt. Die sibirische Festlandluft ist die kälteste Luftmasse, die im Winter nach Europa zieht.

Das eisige Klima beeinflusst das europäische Wetter, wenn die Luftmassen nach Skandinavien und Russland vorrücken und dazu kräftige Ostwinde wehen. In Mitteleuropa gibt es allerdings meist Westwinde, die warme Luft vom Atlantik bringen. Rund 80 Prozent der Luftströmung in Deutschland kommen aus westlicher Richtung.

Die Tourismus-Branche freut der Wintereinbruch auf jeden Fall: Zahlreiche Wintersport-Fans sind am Wochenende in Skigebiete wie zum Beispiel in den Harz gepilgert. Viele nutzten offenbar die Zeugnisferien. Besonders in Braunlage kam es zu einem großen Andrang, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte. „Da stapeln sich fast die Autos übereinander.“

Der Brocken war unter einer dicken Schneedecke begraben. Der neuerliche Wintereinbruch mit Neuschnee hat die Schneehöhe auf dem 1142 hohen Berg auf 1,75 Meter anwachsen lassen. mit dpa