Provinz Van

Schweres Erdbeben im Osten der Türkei

Panik im Osten der Türkei: Bei einem schweren Erdbeben sind am Sonntag mehrere Gebäude eingestürzt. Menschen wurden verschüttet und kamen ums Leben. Außerdem gab es ein Nachbeben.

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Bei einem schweren Erdbeben im Osten der Türkei sind am Sonntag mehrere Menschen unter Trümmern eingestürzter Gebäude verschüttet worden. Erdstöße der Stärke 6,6 hätten die Provinz Van an der Grenze zum Iran erschüttert, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Erdbebenwarte Kandilli in Istanbul. Die US-Erdbebenwarte USGS nannte eine Stärke von 7,3. Das Zentrum des Bebens lag demnach unter dem Dorf Tabanli in der Provinz Van. Der Fernsehsender NTV berichtete von Toten und Verletzten, offizielle Angaben gab es dazu allerdings zunächst nicht.

TV-Sender zeigten Bilder von Menschen, die in Panik auf die Straßen rannten, und von eingestürzten Gebäuden. Bilder von Überwachungskameras zeigten Bürogebäude, in denen Möbel übereinander stürzten. In der Provinzhauptstadt Van stürzten nach Angaben von Bürgermeister Bekir Kaya mindestens zwei mehrstöckige Gebäude ein. Ein dramatischer Hilferuf kam aus der Kreisstadt Ercis: „Es sind so viele tot. Mehrere Gebäude sind eingestürzt, da ist zuviel Zerstörung“, sagte Bürgermeister Zulfikar Arapoglu im Fernsehsender NTV.

„Wir bauchen dringend Hilfe, wir brauchen Ärzte und Sanitäter“, fügte der Bürgermeister hinzu. Ercis ist eine Kreisstadt in der Provinz Van mit mehr als 70.000 Einwohnern. In der ganzen Provinz brach Panik unter der Bevölkerung aus. Die Menschen liefen auf die Straßen, während Rettungsmannschaften in Haustrümmern die Suche nach Verschütteten aufnahmen.

Die US-Erdbebenwarte in Golden registrierte das Beben um 13.41 Uhr Ortszeit (12.41 Uhr MESZ) mit einer Stärke von 7,2. Mit einer Tiefe von 20 Kilometern sei es oberflächennah und könnte daher größeren Schaden anrichten. Das türkische Erdbebenzentrum Kandilli sprach von einer vorläufigen Stärke 6,6 und einer Tiefe von sogar nur fünf Kilometern. Mehrere Nachbeben mit Stärken bis zu 5,5 seien unmittelbar gefolgt. Das Epizentrum habe in dem Dorf Tabanli in der Provinz Van gelegen, die an den Iran grenzt.

Die Türkei wird wegen ihrer geografischen Lage immer wieder von heftigen Erdbeben heimgesucht. In der Provinz Van gab es 1976 ein Erdbeben mit fast 4000 Toten.

Das Land lebt in ständiger Angst vor neuen Erdstößen durch die Reibung tektonischer Platten in der Erdkruste. Die höchste Zahl von Todesopfern der vergangenen Jahrzehnte gab es im Dezember 1939 in Erzincan mit rund 45.000 Todesopfern. Im August 1999 tötet ein Beben in der Region um die Industriestadt Izmit mehr als 17 100 Menschen.

Rund 92 Prozent des 780.000 Quadratkilometer großen Landes liegen auf Erdbebengürteln. Etwa 95 Prozent der 65 Millionen Türken leben auf unsicherem Grund, auf dem auch 98 Prozent der Industrieanlagen sowie die wichtigsten Staudämme und Kraftwerke stehen. Fast die Hälfte dieser Staudämme befindet sich in besonders gefährdeten Gebieten.