Nach Erdbeben

Türkei nimmt nun doch ausländische Hilfe an

Angesichts der schweren Erdbebenschäden hat sich die Türkei nun doch entschlossen, Hilfe aus dem Ausland anzunehmen. Die Regierung habe sich mit mehr als 30 Ländern, die ihre Unterstützung angeboten hatten, in Verbindung gesetzt. Die Situation in der Türkei ist weiter dramatisch.

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Die Regierung fragte bei mehr als 30 Ländern um Hilfe für eine Erstversorgung der Erdbebenopfer nach.

Video: Reuters
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Knapp drei Tage nach dem schweren Erdbeben hat die Türkei doch Hilfsangebote aus dem Ausland angenommen. Die Regierung fragte bei den mehr als 30 Ländern, die ihre Unterstützung angeboten hatten, um Hilfe für eine Erstversorgung der Bebenopfer nach, wie ein Vertreter des Außenministeriums mitteilte. Unter anderem würden Notunterkünfte wie Zelte und Container benötigt. Ministerpräsident Tayyip Erdogan hatte zunächst erklärt, die Türkei komme ohne internationale Hilfe aus.

Eine alarmierende Situation

Die Zahl der Toten des schweren Erdbebens in der Türkei ist bis zum Dienstagabend auf 459 gestiegen. Das Beben vom Sonntag hatte eine Stärke von 7,2. Neuen Mut gab den Helfern die Retttung einer jungen Frau. Die 27-Jährige wurde 66 Stunden nach dem Erdstoß in der Stadt Ercis aus den Trümmern ihres Hauses gezogen. „Sie war unsere Mieterin. Sie haben sie vor einer Stunde geborgen“, berichtete Akif Golta. Die Rettungskräfte hätten die ganze Nacht nach der 27-Jährigen gesucht. Diese arbeitete Medienberichten zufolge als Lehrerin.

Wie durch ein Wunder fanden Helfer am Dienstag ein Neugeborenes lebend in den Trümmern. Das Mädchen lag unter einem eingestürzten Haus in der am stärksten zerstörten Stadt Ercis. „Es ist gesund und es wird leben“, sagte der Arzt Sinan Asar. Die kleine Azra sei unterkühlt und dehydriert gewesen. Sie wurde darum in einem Brutkasten behandelt. Wenig später wurden auch die Mutter und die Großmutter gerettet.

Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei wurde das Ausmaß der Zerstörung am Dienstag immer deutlicher. Die Behörden korrigierten die Zahl der zerstörten Häuser von 970 auf 2262, berichtete der Fernsehsender CNN-Türk unter Berufung auf den Krisenstab der Regierung.

Der türkische Rote Halbmond brachte am Dienstagabend mit Geleitschutz der Armee Zelte für Erdbebenopfer in die osttürkische Stadt Ercis. Der Konvoi sei von Tausenden Menschen erwartet worden, die sich in einer etwa einen Kilometer langen Schlange vor einer Wache der Gendarmerie aufgestellt hätten, berichtete ein Korrespondent. „Ich warte seit mehr als 13 Stunden auf ein Zelt. Meine Familie besteht aus zehn Personen“, sagte der 19-jährige Cemal Alam, ein Einwohner der bei dem Erdbeben schwer zerstörten Stadt.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hatten in den beiden Nächten zuvor viele Menschen im Freien übernachten müssen. Am Abend erschütterte ein heftiges Nachbeben der Stärke 5,4 die Region in der Provinz Van. Im Katastrophengebiet wurde auch eine Zunahme von Durchfallerkrankungen festgestellt, wie aus dem Gesundheitsministerium verlautete. Besonders Kinder seien betroffen. Die Behörden forderten die Menschen auf, Mineralwasser zu trinken, bis feststehe, ob das Leitungswasser kontaminiert sei.

Gefängnismeuterei nach Erdbeben in der Türkei

Wegen des Nachbebens revoltierten Häftlinge in Gefängnis der Stadt gegen ihre Wärter. Die Gefangenen hätten ein Feuer gelegt und die Wachmannschaften mit Messern und Scheren angegriffen, berichteten türkische Medien. Die Häftlinge protestierten demnach dagegen, dass sie ihre Zellen trotz des Nachbebens nicht verlassen durften.

Mehrere Schließer seien verletzt worden. Die Behörden brachten zusätzliche Sicherheitskräfte in das Gefängnis, aus dem bei dem schweren Beben am Sonntag etwa 200 Gefangene durch ein Loch in einer Mauer entkommen waren.

Rettungshelfer setzten am Dienstag die Suche nach möglichen Überlebenden und Toten in den Trümmern fort. Kurz zuvor war ein junger Mann aus den Trümmern geholt worden. „Es war wie das Jüngste Gericht“, beschrieb der 18-jährige Mesut Ozan Yilmaz das Beben. Er lag 32 Stunden eingeklemmt unter einem eingestürzten Teehaus.

Er habe sich den für das Überleben nötigen Platz schaffen können, sagte er vor laufender Kamera. Ein Junge wurde noch lebend gefunden, starb dann aber auf dem Weg in ein Krankenhaus. Die Provinz Van liegt im Südosten des Landes und grenzt an den Iran. Sie wird mehrheitlich von Kurden bewohnt. Die Türkei wird immer wieder von heftigen Erdbeben heimgesucht.

Ein Appell an der internationalen Hilfe

Nun kommt die türkische Regierung auf das israelische Hilfsangebot zurück. Israel kündigte an, eine Luftbrücke in das Katastrophengebiet im Südosten der Türkei einzurichten. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel waren zuletzt auf einem Tiefpunkt.

Hintergrund ist der Streit über einen israelischen Militäreinsatz gegen eine Hilfsflotte für den palästinensischen Gazastreifen, bei dem neun türkische Aktivisten getötet wurden. Über die Hilfe für die Bebenopfer könnten sich beide Seiten wieder annähern.