Nach Erdbeben

Schneeregen behindert Aufräumarbeiten in Türkei

Einsetzender Schneeregen erschwert in der Türkei die Bedingungen für Überlebende des Bebens. Viele warten noch immer auf Zelte. Rettungsmannschaften suchten in den Trümmern weiter nach Verletzten und Toten. Bisher haben die Retter 1650 Verletzte registriert.

Regen und Schnee haben am Donnerstag die Rettungsarbeiten nach dem verheerenden Erdbeben im Osten der Türkei erschwert. Die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben auf inzwischen 523. Allerdings konnten mehr als 180 Menschen seit dem Beben der Stärke 7,2 am Sonntag lebend aus den Trümmern geborgen werden. Für einen kurzen Schrecken sorgte am Donnerstag ein weiterer Erdstoß der Stärke 5,4. Viele Einwohner der Region liefen in Panik aus ihren Häusern, über weitere Schäden war zunächst nichts bekannt.

Die Feuchtigkeit und die Kälte setzen vor allem den Zehntausenden zu, die seit dem Beben obdachlos sind – mehr als 2.200 Gebäude wurden im Osten des Landes zerstört. Dabei könnte sich die Lage noch weiter verschärfen: Nach Angaben des türkischen Wetterdienstes ist auch in den kommenden drei Tagen mit Schneefall zu rechnen.

„Es wird kälter, meine Kinder husten.“

„Es wird kälter, meine Kinder husten. Und ich weiß nicht, wie lange wir hier noch bleiben müssen“, sagte die zweifache Mutter Sermin Yildirim aus der am schlimmsten von der Katastrophe getroffenen Stadt Ercis. Das Haus ihrer Familie sei zwar nicht eingestürzt, dennoch sei es zu gefährlich, zurückzukehren. Daher müsse sie nun gemeinsam mit anderen Verwandten in einem Zelt ausharren.

Hilfskräfte verteilten am Donnerstag weitere Zelte. Ankara nahm dabei auch aus dem Ausland angebotene Unterstützung an – auch Israel, dessen Beziehungen zur Türkei zuletzt angespannt waren, schickte Ausrüstung für Notunterkünfte sowie Decken und Kleidung. Weitere Hilfe kam unter anderem aus Deutschland, Russland und der Ukraine. Türkische Fernsehsender organisierten zudem eine Spendensammlung, bei der umgerechnet etwa 25 Millionen Euro für das Katastrophengebiet zusammenkamen.

Weitere Überlebende geborgen

Rettungskräfte konnten vier Tage nach dem Erdbeben einen 19-Jährigen aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses bergen. Im Fernsehen wurden Aufnahmen von der Befreiung des erschöpft aussehenden jungen Mannes gezeigt. Der 19-Jährige sei am Donnerstag völlig entkräftet und ausgetrocknet in eine Krankenstation gebracht worden. Am Mittwoch konnten ein Student und zwei Lehrer lebend geborgen werden. In den meisten Fällen fanden die Helfer vier Tage nach dem Unglück allerdings nur noch die Leichen der Vermissten in ihren Häusern.

Die Europäische Union hilft der Türkei bei der Reaktion auf das schwere Erdbeben vom Sonntag. In der Nacht sei nach einer Bitte um Unterstützung aus Ankara der EU-Krisenmechanismus aktiviert worden, erklärte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel. Sechs Länder boten daraufhin zusammen über 2300 winterfeste Zelte für die durch das Beben obdachlos Gewordenen an. Darüber hinaus hätten weitere EU-Staaten Hilfe signalisiert, die über den Brüsseler Krisenmechanismus koordiniert wird. Die Kommission selbst schickt ein Expertenteam in das Katastrophengebiet in der Osttürkei.

Erst am Mittwoch hatte die türkische Regierung beschlossen, nun doch internationale Hilfe für die Versorgung der betroffenen Menschen anzunehmen. Die Bundesregierung sagte daraufhin unter anderem die Lieferung von 500 Zelten zu. Zuvor war unter den obdachlos Gewordenen Wut über das schleppende Anlaufen der Hilfen laut geworden. Die türkische Regierung räumte unterdessen Fehler beim anfänglichen Krisenmanagement ein. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül kündigte für Freitag einen Besuch in dem Katastrophengebiet an.