Prozess

Freispruch für "Dr. Tod" Gunther von Hagens

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Wegen urechtmäßiger Titelführung war der Plastinator Gunther von Hagens vom Landgericht Heidelberg zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Anatom sollte sich laut Anklage fälschlicherweise als Professor und Doktor ausgegeben haben. Von Hagens ging in Revision und gewann.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat den mit der Ausstellung „Körperwelten“ bekannt gewordenen Anatomen Gunther von Hagens vom Vorwurf der unberechtigten Führung des Professorentitels freigesprochen. Der zweite Strafsenat hob das Urteil des Landgerichts Heidelberg vom 28. September 2006 auf, mit dem Hagens wegen Missbrauchs von Titeln in drei Fällen verwarnt worden war. Das Landgericht hatte sich eine Verurteilung zu einer Geldstrafe vorbehalten.

Dagegen legte von Hagens erfolgreich Revision ein. Das OLG erklärte, er habe sich nicht selbst als Professor bezeichnet. „Vielmehr wurde ihm der Titel jeweils von anderen vergeben, ohne dass er dies ... selbst veranlasst oder sich darauf berufen hätte.“ Grundlage der Anklage waren ein Polizeiprotokoll von November 2002, ein Besprechungsvermerk von März 2003 und eine im August 2003 ausgestellte Vollmacht für einen Rechtsanwalt. Diese soll Hagens jeweils als „Prof. Dr.“ unterzeichnet haben.

Die Richter stellten fest, dass der Namenszug „Prof. Dr. Gunter von Hagens“ mit der Maschine auf den Schriftstücken eingesetzt worden war, der Anatom aber selbst nur mit „Gunther von Hagens“ unterschrieben hatte. Damit habe er „in keinem der Fälle eine Aktivität entfaltet, in der eine aktive und damit kriminelles Unrecht werdende Verwendung des Titels gesehen werden könnte“, erklärte das OLG.

Hinzu komme, dass die Urheber der Unterschriftszeilen zu Recht davon ausgegangen seien, dass der Angeklagte wegen seiner Bestellung im Ausland tatsächlich Professor und nicht ein Hochstapler sei. Ein bloßes Dulden der Anrede reicht laut OLG für den Vorwurf eines Titelmissbrauchs nicht aus. Der Anatom bekam den Titel 1999 von der nordchinesischen Universität Dalian für fünf Jahre verliehen. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium erlaubte ihm, den Titel auch in Deutschland zu führen – allerdings mit der Auflage, dabei immer mit dem Zusatz „VRC“ auf die Herkunft Volksrepublik China zu verweisen.

( AP/cor )