Taj Mahal & Co

Diese Gräber sind wahre Monumente des Lebens

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Bettina Seipp

So unterschiedlich die Weltreligionen auch sind, an eines glauben alle: Der Tod ist nicht das Ende. Die Protestanten gedenken am heutigen Totensonntag ihrer Ahnen und schmücken die Gräber. Wir stellen fünf der touristisch interessantesten Grabstätten weltweit vor.

Die Vorstellung, dem Vergessen anheimzufallen, ist selbst Ungläubigen ein Graus. „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“, schrieb Bertolt Brecht. Jenen Toten, denen folgende Grabstätten gewidmet sind, wird das nicht widerfahren.


Grab Friedrichs II.

Cäsar, Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius und Nero säumen das Grab von Friedrich II. (1712–1786). Eine Art Ehrenlegion, die ihm die Nachgeborenen zur Seite stellten. 1816 führte Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) den Totensonntag als evangelischen Feiertag in Preußen ein. Seinem Großonkel, dem „Alten Fritz“, wäre dergleichen zuwider gewesen. Noch zu Lebzeiten hatte er verfügt, man solle ihn in einer Gruft am Terrassenrand seines Schlosses Sanssouci beerdigen. Keine großartigen Aufbauten darüber – und auch kein Kreuz. Kartoffeln liegen heute oft auf der Grabplatte, als Dank von Brandenburgern, dass er einst die Knolle im Land heimisch machte. „Wenngleich Kartoffeln nie auf seinem Speiseplan standen“, sagt Jürgen Luh von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Der Hohenzollern-Experte weiß auch, was Napoleon wirklich sagte, als er 1806 am Sarg von Friedrich II. stand, der damals noch in der Potsdamer Garnisonkirche aufgebahrt war: „Wenn man auch tot ist, so ist doch der Ruhm unsterblich.“ Der Ausspruch wurde später oft sinnentstellt. Am Ende behielt der Franzose recht – vier Millionen Menschen besuchen jährlich das Grab Friedrichs II.

Der Eintritt für Sanssouci ist frei, www.spsg.de

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Petersdom

Es waren Römer, die Jesus Christus und später seinen Apostel Petrus kreuzigten. Und es war ein römischer Kaiser, Konstantin der Große, der dies bereute und beiden eine Grabeskirche bauen ließ. Wobei diesmal der Apostel eher an die Reihe kam: Seine Grabeskirche in Rom datiert von 324 n. Chr. Der Kirchenbau für Jesus Christus in Jerusalem wurde erst ein Jahr später in Auftrag gegeben. Doch während dort bis heute einzig das Grab von Gottes Sohn verehrt wird, schwoll der Petersdom – der später anstelle der Grabeskirche gebaut und 1626 eingeweiht wurde – zu einer Art dreigeschossigem Friedhof an.


Zuunterst liegt eine Nekropole aus der Zeit vor dem ersten Kirchenbau mit dem Grab von Petrus. Ihm am nächsten sind auf der mittleren Ebene, den Vatikanischen Grotten, 23 Päpste aufgebahrt; darunter auch der 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. Nach seiner Seligsprechung wird er in die Basilika (dritte Ebene) aufsteigen, wo selige und heilige Päpste ihre letzte Ruhestätte haben.


„Diese Rangordnung wurde in jüngster Zeit nur von Papst Paul VI. verletzt. Weil er in richtiger Erde begraben werden wollte, musste in den Vatikanischen Grotten ein 100 Meter tiefer Schacht gegraben werden“, sagt Vatikan-Kenner Gerald Goesche. Vielleicht wollte Papst Paul VI. (1897–1978) mit seiner „Tiefersetzung“ dem Petrus-Grab noch näher sein. Von dessen Echtheit war er fest überzeugt, nachdem er wissenschaftliche Untersuchungen an den Gebeinen zugelassen hatte.

Für eine Besichtigung des Petrus-Grabes muss man sich im Ufficio Scavi anmelden, www.vatican.ca

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Lenin-Mausoleum

Ein Heiliger war Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) wahrlich nicht. Denn solche schützt der Herr vor der Verwesung, heißt es in der Bibel (Psalm 16,10). Und so blieb Lenins Anhängern nur, seinen Leichnam zu konservieren. Doch obwohl sich ständig Wissenschaftler um den in einem gläsernen Sarg ruhenden Revolutionär bemühen, „wird die Leiche in spätestens 100 Jahren unansehnlich sein“, schätzt Plastinator Gunther von Hagens, der Begründer der „Körperwelten“-Ausstellung. Nur die von ihm entwickelte Methode könne Lenins Zerfall noch stoppen. Es habe auch schon informelle Gespräche in Moskau gegeben, so von Hagens.

Bislang aber ergebnislos – und das wohl auch, weil der Plastinator den Körper gern in der Pose eines Redners, „als Verführer der Massen“, herrichten würde. Und selbst wenn die Russen dem zustimmen würden – das jetzige Gebäude wäre für einen „wiederauferstandenen“ Lenin obsolet, denn in einem Mausoleum wird der Tote liegend aufgebahrt. 1930 aus Stein errichtet – die hölzernen Vorgängerbauten waren verrottet –, zieht es jährlich drei Millionen Menschen an.

Das Mausoleum hat die ganze Woche (außer Mo und Fr) von 10 bis 13 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

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Cheopspyramide

Sie ist die größte Pyramide der Welt. Ihre Höhe beträgt heute noch 146,59 Meter und ihre Seitenlänge 230,36 Meter. Jeder Stein wiegt etwa 2,65 Tonnen. Der Ägyptologe Rainer Stadelmann ist überzeugt, „dass die Pyramiden nur über Rampen erbaut worden sein können, die man nach Bauende unter Wiederverwendung des Materials abgebaut hat“. Als langjähriger Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo hatte Stadelmann Anfang der 90er-Jahre in der Cheopspyramide entdeckte Gänge untersucht. Seither halten sich Gerüchte, in der Pyramide seien noch verschlossene Räume oder gar Schätze. Ein Irrglaube, wie Stadelmann versichert: „Es gibt keine weiteren verborgenen Kammern in der Pyramide.“ Seiner Ansicht nach diente sie „allein der Bestattung des vergöttlichten Königs“, dessen Seele durch die Schächte zum Himmel aufsteigen sollte. Touristisch sind sie zwar uninteressant, weil viel zu klein und nicht begehbar. Aber sie nähren den Mythos um die 4600 Jahre alte Anlage.

Die Besucherzahl für die Pyramide ist auf 200 pro Tag beschränkt, das Ticket kostet etwa 10 Euro .

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Taj Mahal

Im Islam ist das Jenseits wichtiger als das Leben. Der Tod markiert den Übergang in eine nun ewig währende Welt. Der indische Großmogul Shah Jahan, der 1631 den Tadsch Mahal für seine verstorbene Hauptfrau Mumtaz Mahal erbauen ließ, war ein Muslim. Dass er damit ein Monument der Liebe errichtete, wie es den jährlich etwa zwei Millionen Besuchern in Agra erzählt wird, ist denn nur die halbe Wahrheit. Der Mogul dachte wohl auch an einen schönen Ort für die Zeit, bis die Maharanin am Tag des Jüngsten Gerichts ins Paradies aufsteigt. „Nach muslimischem Glauben verweilt die Seele so lang im Grab, es gibt ein Leben im Grab“, sagt Muhammad Kalisch von der Uni Münster.

Für sich selbst wollte Shah Jahan ein palastartiges Grabmal aus schwarzem Marmor bauen. Ein teurer Plan, den der Sohn des Moguls aber verhinderte. Allein für das Tadsch Mahal waren 20.000 Arbeiter und 1000 Elefanten über Jahrzehnte im Einsatz. Die Grabinschrift, die der Sohn später seinem entmachteten Vater widmete, klingt noch heute vorwurfsvoll: „Die Welt ist eine Brücke. Überquere sie. Baue nicht auf ihr. Es währt nur einen Augenblick.“

Der Taj Mahal ist die ganze Woche (außer Fr.) von 6 bis 19 Uhr geöffnet, das Ticket kostet 11 Euro.