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Von Hagens möchte ertrunkene Leila plastinieren

Nach dem tragischen Tod der Orang-Utan-Dame Leila im Hamburger Tierpark Hagenbeck hat der Anatom Gunther von Hagens Interesse am Leichnam des Menschenaffen angemeldet, um einen Orang Utan als Scheibenplastinat ausstellen zu können Der Tierpark hat bislang keine offizielle Anfrage des umstrittenen Plastinators.

Die am Mittwoch im Hamburger Tierpark Hagenbeck ertrunkene Orang-Utan-Dame Leila kommt ins Zoologische Museum der Hansestadt. Der umstrittene Anatom Gunther von Hagens, der Interesse an dem Leichnam des Menschenaffen angemeldet hatte, werde Leila „mit Sicherheit nicht“ bekommen, sagte Hagenbeck-Cheftierpfleger Walter Wolters. Der Tierpark werde wissenschaftlich geführt und arbeite seit Jahren mit dem Zoologischen Institut und Museum der Universität zusammen. „Dann hat Leilas Tod überhaupt einen Sinn, wenn sie dort ins Museum kommt“, sagte Wolters. Von Hagens hatte gesagt, er würde die Affendame stattdessen gern als „Scheibenplastinat“ ausstellen.

Er sei „hoch interessiert am Leichnam des armen Affenmädchens“, sagte von Hagens der „Neuen Presse“. „Es wäre perfekt, wenn wir Leila dafür bekommen könnten.“ Plastinate bedrohter Tierarten seien die beliebtesten Ausstellungsstücke der Besucher seiner Präsentationen, das entnehme er den Gästebüchern. So sei der im Jahr 2000 gestorbene Gorilla Arti aus dem Zoo Hannover „das beliebteste Plastinat unserer Ausstellung in Manchester“. Von Hagens stellt unter dem Titel „Körperwelten“ weltweit plastinierte Leichname aus und ist deswegen sehr umstritten.

Von Hagens sagte, wenn Leila ins Zoologische Museum komme, sei das „sehr schade, denn da wird sie ausgestopft, was man schon tausendmal gemacht hat. Aber die Muskeln darstellen, den Körper in Scheiben zu zerlegen, hat einen hohen wissenschaftlichen Wert“. Er wolle „nichts unversucht lassen, damit wir doch noch zum Zuge kommen“, sagte von Hagens, der im brandenburgischen Guben eine Anatomiewerkstatt und Ausstellungsräume betreibt. Das Fell könne er „immer noch dem Zoologischen Museum geben, wenn sie es ausstopfen wollen“, sagte er.

Ein „Scheibenplastinat“ bestehe aus je zwei Millimeter dünnen „transparenten Scheiben“, die in Abständen von zwanzig Zentimetern aufgehängt würden, um die anatomischen Informationen sichtbar zu machen. So ließen sich etwa Muskeln und Bindegewebsstrukturen klar voneinander abgrenzen. Die Anatomie von Orang-Utans sei bislang noch „sehr schlecht erforscht“ – es habe davon „noch nie eine Scheibenplastination“ gegeben, sagte von Hagens. In seinen Präsentationen würden bereits mehrere Zootiere gezeigt, darunter auch zwei Elefanten und eine kleine Giraffe aus Neunkirchen im Saarland sowie ein Lama, das er gerade aus einem Tierpark in Brandenburg erhalten habe.

Hagenbeck-Cheftierpfleger Wolters sagte, bislang sei beim Tierpark in Hamburg überhaupt keine offizielle Anfrage des Plastinators eingegangen. Wenn diese noch käme, würde sie definitiv abgelehnt. „Leila war Hamburgerin und sie gehört hierher.“ Auch die bekannte Walrossdame Antje werde seit 2004 im Zoologischen Museum ausgestellt.

Leila war am Mittwochnachmittag ertrunken, nachdem ein unbekannter Besucher trotz Fütterverbots ein Brötchen in den Wassergraben vor dem Affengehege geworfen hatte. Bei dem Versuch, es aus dem Wasser zu fischen, fiel die zehnjährige Orang-Utan-Dame in den Graben und ertrank. Ihr Leichnam wurde den Angaben zufolge bereits an der Universität obduziert und soll demnächst präpariert werden. Wolters sagte, Leilas Tod habe bei den anderen Orang-Utans für „Unruhe“ gesorgt, „weil ein Affe fehlt“. Ihre Mutter Mokko habe die Trauer aber inzwischen so weit verarbeitet, dass sie wieder fresse.