Luftverkehr

Ein Nervenzusammenbruch in 11.000 Metern Höhe

Die Passagiere des Fluges AC848 von Toronto nach London sind noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen. Mitten im Flug der Boing 747 in 11.000 Metern Höhe spielte plötzlich der Copilot und Erste Offizier der Maschine verrückt und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Passagiere schildern das Ereignis als dramatisch.

Foto: REUTERS

"Gott, erhöre mich!", schrie der Copilot am Steuer der Boeing 767, 11.000 Meter über dem Atlantik plötzlich wie von Sinnen. Dann begann er zu toben und war nicht mehr zu beruhigen. Schließlich musste er mit Handschellen an einen Passagiersitz gefesselt werden. Wie die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" berichtete, erlitt der Erste Offizier des Interkontinentalflugs AC848 der "Air Canada" von Toronto nach London aus heiterem Himmel einen Nervenzusammenbruch.

"Er war völlig außer sich", erklärte Fluggast Sean Finucane aus dem britischen Lancashire, der das dramatische Ereignis aus nächster Nähe beobachtet hatte: "Er schrie wie am Spieß." Während der Pilot das Steuer übernommen hatte, wurde der tobende Copilot von einigen Crew-Mitgliedern und einem Soldat der kanadischen Armee zu Boden geworfen und gefesselt. Der Flug aus Toronto musste anschließend in Shannon an der Westküste von Irland notlanden. Dort wurde der verwirrte Kopilot schreiend und weinend von Bord gebracht.


Das dramatische Geschehen spielte sich vor den Augen und Ohren der verdutzten Passagiere ab, die zunächst nicht wussten wie ihnen geschah: "Als sie versuchten, ihm die Schuhe anzuziehen, fluchte der Mann und bedrohte die Leute", erinnerte sich Finucane.

Die Maschine war planmäßig in Toronto gestartet und der Flug verlief zunächst ereignislos. Eine Stunde bevor die Boeing 767 auf dem Flughafen Heathrow in London landen sollte fing der Copilot plötzlich an, sich ungewöhnlich zu verhalten: Er begann, laut mit sich selbst zu reden. Dann verlor er vollends die Nerven, tobte und rief Gott an.

"Er wurde an Sitz 12A gefesselt. Die gesamte Crew konnte mithören. Das war nichts für schwache Nerven", schrieb ein Passagier auf der Website www.flyertalk.com. "Ein kanadischer Soldat und einige Ärzte (alle Passagiere) verhielten sich großartig."

Auch die Crew habe besonnen und professionell reagiert. Die Passagiere sahen zu, wie der Offizier von der ersten Klasse in Economy-Abteilung getragen wurde. Fünfzehn Minuten nachdem der Copilot unschädlich gemacht worden war, landete die Maschine in Irland.

Den Fluglotsen in Shannon war bereits vorher über Funk mitgeteilt worden, dass der Erste Offizier ärztliche Hilfe brauchte. Er wurde noch vor Ort untersucht und in die Psychiatrische Abteilung des Mid-Western-Regional-Hospitals in Ennis eingeliefert. Die 149 Passagiere wurden zwischenzeitlich in Hotels untergebracht bis die neue Crew eintraf. Der Flug nach London konnte dann ohne weitere Unterbrechungen fortgesetzt werden und, die Maschine traf dort mit acht Stunden Verspätung um 16.15 Uhr ein.

"Das ist ein ziemlich einzigartiges Ereignis", erklärte ein Sprecher der British Airline Pilots Association gegenüber britischen Medien . "Es ist ungewöhnlich, dass ein Crew-Mitglied urplötzlich so einen Zusammenbruch hat. Piloten werden alle sechs Monate auf ihren physischen und psychischen Gesundheitszustand untersucht, um genau solche Zwischenfälle zu vermeiden."

Dass solche Zwischenfälle nicht immer glimpflich ausgehen, daran erinnert der Absturz einer Maschine der "EgyptAir" im Jahr 1999. 217 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, das vermutlich auf einen Kopiloten mit Selbstmordabsichten zurückzuführen war. Kurz bevor das Flugzeug in den Atlantik stürzte soll er geschrien haben: "Ich lege meine Schicksal in Gottes Hände."

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