Gefährliche Fluggäste

Betrunkene Russen randalieren über den Wolken

Massenprügleleien, rüpelhaftes Verhalten und Randale – russische Flugäste kommen oft völlig betrunken an Bord von Flugzeugen. Erst vor kurzem musste ein randalierender Fluggast auf der Bordtoilette eingesperrt werden, um die Mitreisenden zu schützen. Eine "schwarze Liste" soll nun helfen.

Foto: ITAR-TASS

Trunkenheit in der Luft wird in Russland zu einem immer mehr um sich greifenden Delikt, alkoholisierte Passagiere gefährden die Flüge. Jüngstes Vorkommnis: Auf der Strecke Kaliningrad-Moskau begann ein wodkaseeliger Fluggast zu randalieren, zettelte eine Schlägerei an und behauptete, die Aeroflot-Maschine sei entführt. Als die Flugbegleitung mit dem wild um sich schlagenden Mann nicht mehr fertig wurde, griff ein Uniformierter ein.

Das ist kein Einzelfall

Er nahm den hochgradig Betrunkenen in den "Schwitzkasten" und sperrte ihn in die Bordtoilette, wo der Passagier weiter tobte. "Nicht einmal dort gab er Ruhe", sagte eine Augenzeugin. "Er zertrümmerte den Kabinenspiegel.". Der Mann war schon beim Einchecken in Kaliningrad auffällig geworden. Angehörige des Flughafensicherheitsdienstes wurden gerufen, hatten aber nichts Besseres zu tun, als den Mann an Bord der Linienmaschine zu eskortieren. Damit hatten sie ihn aus ihrem Zuständigkeitsbereich entfernt.

Vorfälle dieser Art nehmen zu, klagen russische Fluggesellschaften. Dieser Tage erst verursachte ein aus dem Urlaub in Bangkok nach Jekaterinburg zurückkehrender Flugpassagier einen ernsthaften Zwischenfall. Auch er war hochgradig alkoholisiert, randalierte, schlug um sich und verlangte in 10.500 Metern Höhe, man möge das Flugzeug unverzüglich anhalten. Er wurde schließlich überwältig und gefesselt.


Nach der Landung in Jekaterinburg kam er mit einer Strafe von 1000 Rubeln (rund 30 Euro) davon. Im Dezember verursachte ein Betrunkener eine Zwischenlandung in Prag, weil er gedroht hatte, die Maschine zu sprengen. Das erwies sich nach der Landung glücklicherweise als leeres Gerede. An Bord hatten sich 168 Passagiere einschließlich der Familie des Randalierers befunden, die auf dem Weg in die Schweiz waren. Dort wollten sie das Neujahrsfest begehen. In Tunis zettelte eine Gruppe russischer Touristen noch auf dem Flughafen eine Schlägerei an, weil sich ihr Abflug um mehr als zehn Stunden verspätet hatte und die Fluggesellschaft keinerlei Informationen herausgab.

Massenprügelei nicht ausgeschlossen

Berüchtigt sind die Charter-Urlaubsflüge. Dort gehen viele Passagiere schon betrunken an Bord, wo sie während des Fluges reichlich nachlegen. Der "Stoff" wird im Flugzeug verkauft. Bei einem Charterflug von St. Petersburg in die Türkei kam es bei einer solchen Gelegenheit zu einer Massenprügelei.

Der Pilot sah sich zum Umkehren gezwungen. Auf einem Flug Moskau-München gefiel sich ein Betrunkener in der Business-Klasse in antisemitischen Ausfällen. Er sei Don-Kosake und werde es "den Juden" schon zeigen, brüllte er. Als er über einen Passagier herfallen wollte, wurde er überwältigt , gefesselt und nach der Landung dem Sicherheitsdienst übergeben.

Diese Vorfälle haben die russische Flugaufsichtsbehörde Rosawiazija dazu bewogen, über eine "schwarze Liste" nachzudenken. Darin sollen alle diejenigen registriert werden, die durch exzessiven Alkoholmissbrauch an Bord russischer Flugzeuge auffällig werden. Rosawiazija erwägt, diese Liste öffentlich zu machen.

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