Das glamouröse Outfit der Sängerin half ebenso wenig wie ihr sexy Auftritt: Andrea Demirovic, die für Montenegro mit dem Posong "Just Get Out Of my Life" antrat, sang den am Votum teilnehmenden Jurys und Fernsehzuschauern einfach nicht gut genug.

Dabei hatte Ralph Siegel das Lied geschrieben – der Altmeister, der 1982 mit Nicole und "Ein bißchen Frieden" Deutschlands einzigen Grand-Prix-Sieg holte. Zu "BILD.de" sagte er: „Ich hätte mir den Einzug ins Finale natürlich gewünscht, aber ich habe gelernt, mit Niederlagen umzugehen. Ich muss mit dem Ergebnis leben, die Welt geht nicht unter." Siegel wolle jetzt erst mal in den Urlaub fahren. Aufgeben will er trotz der Niederlage nicht: „Nächstes Jahr bin ich wieder dabei! Ich lass mich nicht entmutigen, werde mir wieder was Neues einfallen lassen.“ Dem deutschen Popduo Alex swings Oscar sings wünsche er auf jeden Fall viel Glück.

Andrea Demirovic hatte auch ziemliches Pech, sie musste mit dem undankbaren ersten Startplatz starten. Den wollte sie mit einem extrem knappes Paillettenkleid wieder wettmachen. Umtanzt und umgarnt wurde sie von einem jungen Mann, den sie schließlich überwältigt und buchstäblich aus ihrem Leben wirft. Das Lied gilt als typisches Siegel-Lied. Melodie und Rhythmus waren eingängig – fürs Finale reichte es allerdings nicht.

Ist Siegels Zeit einfach vorbei? Es hat zumindest eine gewisse Ironie, dass Siegel, der Komponist der Dschingis-Khan-Hits „Moskau“ und „Dschingis Khan“ (Grand-Prix-Song 1979), nun ausgerechnet in der russischen Hauptstadt ausscheidet. Auch mit anderen deutschen Teilnehmerinnen wie Lou oder Corinna May konnte er schon nicht mehr an seine alten Erfolge beim Grand Prix anknüpfen.

Die Gewinner des ersten Halbfinales

Ins Finale zogen dagegen Türkei, Schweden, Israel, Portugal, Malta, Finnland, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Armenien und Island. Sie setzten sich in der russischen Hauptstadt unter den insgesamt 18 Kandidaten durch.

Überglücklich strahlte das jüdisch-arabische Duo Noa & Mira Awad, das mit dem ruhigem Song „There Must Be Another Way“ für eine Versöhnung im Nahen Osten wirbt. „Wir stehen für diejenigen, denen Dialog wichtiger ist als Gewalt“, sagte Mira Awad. Für Opernstimmung beim Grand Prix wird an diesem Samstag die schwedische Sopranistin Malena Ernman mit der Klassik-Rock-Nummer „Lavoix“ sorgen.

Aus der Kaukasusrepublik Armenien überzeugte das in blauen Prunkkleidern singende Duo Inga & Anush mit dem Popsong „Jan Jan“. Die junge Isländerin Yohanna („Is It True?“) und die Powerstimme von Chiara aus Malta („What If We“) begeisterten das Publikum mit gefühlvollen Balladen.

Aus Finnland kommen in diesem Jahr die Waldo’s People („Lose Control“) mit wildem Stampfpop und Fackel schwingenden Feuertänzern, aus Portugal die Flor-de-Lis mit einem blumigen Sommerlied und aus Rumänien die Sängerin Elena mit ihrer Tanznummer „The Balkan Girls“. Das nächste Halbfinale mit 19 Teilnehmern steigt an diesem Donnerstag. Das deutsche Popduo Alex Swings Oscar Sings mit dem Titel „Miss Kiss Kiss Bang“ steht bereits fest für das große Finale mit 25 Teilnehmern.

Alex Christensen und Oscar Loya erwarten eine Platzierung im ersten Drittel, nachdem die No Angels im vergangenen Jahr für Deutschland auf dem letzten Platz landeten.

Auch die Interpreten Spaniens, Frankreichs, Großbritanniens und des Gastgebers Russland müssen sich laut den ESC-Spielregeln nicht mehr qualifizieren. Frankreich wartet mit dem Star Patricia Kaas auf, Großbritannien mit dem Musicalkönig Andrew Lloyd Webber als Klavierbegleitung für die junge Sängerin Jade Ewen.

Das russische Staatsfernsehen hatte die Olympiahalle in Moskau in ein fantastisches Märchenland verwandelt und die Show live übertragen. Für Befremden sorgte beim westlichen Publikum ein Auftritt des Alexandrow-Chors der Roten Armee, der zum Ende ein Medley aus sowjetischen Liedern, darunter auch der Militärschlager „Katjuscha", vortrug. Zusammen mit den Uniformierten traten in dem Kontrastprogramm auch das russische Skandal-Duo Tatu sowie mehrere Hip-Hop-Tänzer und kaukasische Säbeltänzer auf.

Ausgeschieden sind die Tschechen mit ihrer Klamauknummer von der Band Gipsy.cz und die Schweizer mit der Indie-Band Lovebugs. Belgiens Elvis-Presley-Verschnitt Copycat und die Weißrussen mit dem Glamrocker Pjotr Elfimow scheiterten ebenfalls an der Zuschauergunst. Bulgarien brach mit der Stelzennummer „Illusion“ von Krassimir Avramov ein. Susanne Georgi aus Andorra verpasste mit ihrem Gute-Laune-Lied ebenso den Einzug wie Mazedoniens Band Next Time.

Die nächste Entscheidung

Insgesamt nehmen diesmal 42 Nationen an dem größten Musikwettbewerb der Welt teil. Georgien musste wegen des gegen Russlands Regierungschef Wladimir Putin gerichteten Liedes „We Don’t Wanna Put In“ vom ESC zurücktreten. Russland hatte angekündigt, für rund 30 Millionen Euro den aufwendigsten Grand Prix der mehr als 50-jährigen Geschichte des Musikwettbewerbs zu inszenieren.

Das Publikum wählte die Sieger über Televoting. Im Finale kommen dann neben der Publikumsabstimmung erstmals wieder flächendeckend Länder-Jurys zum Einsatz, deren Urteil zu 50 Prozent in die Gesamtwertung einfließt.

dpa/AP/clb