Die Erotik-Tänzerin Dita von Teese will beim deutschen Beitrag zum Finale des Musik-Grand-Prix in Moskau den Vorgaben der Organisatoren zumindest ein wenig trotzen. „Die Lösung für diese Eurovision-Zensur ist ein leichter Kompromiss, aber zu meinen Bedingungen“, schrieb die US-Amerikanerin in Moskau wenige Stunden vor dem Auftritt ihren Fans über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Ihr war zuvor vorgeworfen worden, bei ihrem Auftritt zu viel blanken Busen zu zeigen.
Die Ex-Ehefrau des Schockrockers Marilyn Manson ergänzt mit ihrer Bühnenshow die frivole Swingdance-Nummer „Miss Kiss Kiss Bang“ des Produzenten Alex Christensen und des US-Musicalsängers Oscar Loya. Die Organisatoren des Eurovision Song Contest hätten die US Amerikanerin nach der ersten Generalprobe gebeten, mit „Rücksicht auf die kulturellen Unterschiede zu anderen Ländern“ ihren Busen mehr zu verhüllen, teilte ARD-Koordinator Thomas Schreiber mit.
Der NDR lege Wert auf die Feststellung, dass der Auftritt der US-Amerikanerin nie als Stripshow geplant gewesen sei. Vielmehr solle sie passend zum Swing-Stil des Liedes an die „Hochzeit der kunstvollen Verführung“ erinnern, sagte Schreiber.
Bei der Generalprobe ließ Dita von Teese daraufhin ihr Jäckchen an. In ihren Twitter-Beiträgen gab sich die Künstlerin, die sich selbst als „Burlesque-Tänzerin“ bezeichnet, verwundert über die Reaktionen. „Ich bin ja ganz froh, angezogen zu bleiben. Aber zugleich bin ich ehrlich überrascht, dass es bei der Eurovision zahmer zugeht als bei den MTV Awards“, so von Teese. Generell gilt das Unterhaltungsgeschäft in den USA in Bezug auf Sexualität prüder als in Europa.
Die Tänzerin beklagte sich zudem, dass andere Teilnehmer beim Grand Prix noch deutlich erotischer und mit mehr nackter Haut aufträten als sie selbst. Die Manager des deutschen Grand-Prix-Trios bestätigten die Echtheit der Twitter-Beiträge. Die ARD überträgt das Spektakel in Moskau ab 21 Uhr.
Mit der Entscheidung könnte dem Duo eine Platzierung unter den Top Ten entgegen: Denn aus Sicht eines Experten könnte der Auftritt das Publikum gerade durch die richtige Mischung aus frivol und bedeckt beeindrucken. „Das könnte wirklich zünden“, sagte der Grand-Prix-Fachmann Irving Wolther in Moskau. Von Teese zeige viel, habe die heiklen Stellen aber abgedeckt.
Das Finale mit 25 Teilnehmerländern soll heute um 21 Uhr in der ARD live aus Moskau übertragen werden. Der Druck auf Deutschland sei hoch, nachdem die No Angels im Vorjahr auf dem letzten Platz in Belgrad gelandet waren. Aus Sicht Wolthers, der eine Doktorarbeit zum ESC geschrieben hat, haben sich die deutschen Organisatoren in diesem Jahr besonders ins Zeug gelegt. Die Show verbreite „ein Flair wie auf der Hamburger Reeperbahn“. „Dieses norddeutsche Klischee ist auch im Ausland bekannt.“
Zugleich verteidigte Wolther den Auftritt zweier Amerikaner für Deutschland. „Viele Teilnehmerländer schmücken sich mit Stars anderer Nationalitäten, das war nie ein Problem. Zudem hat Dita von Teese eine außerordentliche Bühnenpräsenz, ist ein absoluter Hingucker. Ihr Gesicht hat immense Ausstrahlung.“ Insgesamt sei das musikalische Feld in diesem Jahr „unglaublich“ stark. „Wir haben nur leider am Anfang eine Häufung von Balladen, was eine gewisse Müdigkeit erzeugt und es Patricia Kaas mit ihrer ruhigen Startnummer drei schwer machen wird, am Ende herauszustechen.“
Großbritanniens perfekter Startplatz
Vorteilhaft eingebettet in die per Auslosung bestimmte Reihenfolge sei Großbritannien an vorvorletzter Stelle mit der Ballade „My Time“ von Andrew Lloyd Webber, der am Klavier Sängerin Jade Ewen begleitet. „Großbritannien hat reelle Siegeschancen, weil die Auftritte von Rumänien unmittelbar davor und von Finnland danach ganz anders sind und der Titel bei der Abstimmung noch frisch in Erinnerung ist.“
Nach Einschätzung Wolthers hält Russland insgesamt Wort, mit dem Finale eine Show in der Olympia-Halle in Moskau zu inszenieren, wie sie in der 54-jährigen Geschichte ESC noch nicht zu sehen war. „Man wollte sich an den olympischen Spielen in Peking orientieren – und das hat tatsächlich etwas von einer olympischen Eröffnung“, sagte Wolther nach der Probe am Samstag. Mit einer Liveschaltung zur Internationalen Raumstation ISS, viel Folklore und „atemberaubender Akrobatik“ ziehe Russland alle Register, um sich der Welt zu präsentieren. Es wird erwartet, dass international mehr als 100 Millionen Menschen die „Musik-Olympiade“ an den Fernsehbildschirmen verfolgen.
Bei der Abstimmung kommen neben dem Televoting in diesem Jahr erstmals seit 1996 wieder flächendeckend Jurys zum Einsatz. „Das ist ein gewisses Korrektiv“, sagte Wolther. Die Zuschauerwertung und das Expertenurteil fließen jeweils zur Hälfte in die Gesamtwertung ein.
Dita von Teese twittert aus Moskau. Die Manager des deutschen Grand-Prix-Trios bestätigten die Echtheit der Twitter-Beiträge.
dpa/str














