Morgenpost Online: Am Sonntag sind Sie bei der Gala früherer Grand-Prix-Teilnehmer aufgetreten. Wie war es mit den alten Kollegen?

Wolfgang Heichel: Sensationell. Die Atmosphäre bei unseren russischen Freunden war toll. Mich hat besonders gefreut, dass es so viel Begeisterung für uns gab. Bei der Eröffnungsfeier waren sämtliche Fan-Delegationen der Teilnehmer dabei.

Morgenpost Online: Mit dem Titel „Dschinghis Khan“ belegten Sie 1979 den vierten Platz beim Grand Prix (seit 2003 Eurovision Song Contest). Würden Sie noch Mal antreten?

Heichel: In der Jury vielleicht, aber nicht auf der Bühne. Das überlassen wir lieber den jungen Leuten. Mittlerweile haben wir einen so großen Status, dass wir mit unserer Teilnahme ihnen nur die Möglichkeiten nehmen würden. Das wollen wir nicht.

Morgenpost Online: Aber noch Mal richtig dabei sein, das würde Sie doch bestimmt reizen.

Heichel: Sicher würde mich das reizen. Aber ich mache lieber als Ehrengast außer Konkurrenz eine Show oder einen Auftritt.

Morgenpost Online: Wie ist das Gefühl zu wissen, dass ihr 30 Jahre alter Hit „Moskau“ in Russland immer noch Kultstatus hat?

Heichel: Es ist eine tolle Sache. Normalerweise landet ein Künstler im Showgeschäft nicht permanent Hits und gerät schnell in Vergessenheit. Uns wird von den Ostblockländern ein großer Respekt entgegen gebracht. Das berührt mich.

Morgenpost Online: Über Jahrzehnte konnten Sie ihren Erfolg halten und haben immer noch erfolgreiche Auftritte in verschiedenen Ländern.

Heichel: Wir versuchen immer wieder dem gerecht zu werden. Ob Grand Prix oder etwas Neues für den Musikmarkt, man wird an den bestehenden Erfolgen gemessen. Da haben wir international gesehen mit dem Erfolgshit „Moskau“ eine große Hürde. Denn das Publikum misst uns am Erfolg und hat eine gewisse Erwartungshaltung.

Morgenpost Online: Gibt es denn ein Erfolgsrezept für den Song Contest? Einige Teilnehmer versuchen mit einer guten Performance zu punkten.

Heichel: Es gibt kein Patentrezept. Es wird so unterschiedlich abgestimmt, dass es schwer ist, den mittlerweile breit gefächerten Publikumsgeschmack zu treffen. Die Künstler sollten gewisse Kriterien wie Zuschauerzahl sowie das audiovisuelle Medium berücksichtigen und in entsprechender Form nutzen. Ich weiß nicht, ob jemand gewinnt, wenn er einen Striptease auf der Bühne hinlegt und dabei singt.

Morgenpost Online: Das versucht ja unser deutsches Duo „Alex swings Oskar sings“ mit der Burlesque-Tänzerin Dita von Teese. Haben sie eine Chance?

Heichel: Der deutsche Beitrag ist sehr gut und professionell produziert. Alex Christensen ist ein erfolgreicher Produzent, der Sänger singt hervorragend. Es ist alles berücksichtig worden, was ein guter Auftritt braucht. Ich freu mich, wenn Deutschland unter den ersten Platzierungen ist. So bekommt die deutsche Musikszene die Chance sich international zu etablieren. Früher war es besonders mit einem deutschen Lied sehr schwer. Wir waren damals ziemliche Vorreiter, aber das lag wohl am Überraschungseffekt.

Morgenpost Online: Bringt denn ein Showspektakel mit Feuerwerk etwas?

Heichel: Zumindest ist das Publikum beeindruckt. Aber unterm Strich zählt das Gesamtprodukt und das muss stimmen. Viel Pyrotechnik und eine schwache Gesangsleistung passen auch nicht zusammen. Das Publikum merkt so etwas.

Morgenpost Online: Viele Musikbeiträge sind mittlerweile in Englisch. Wie stehen Sie dazu?

Heichel: Aus heutiger Perspektive finde ich die alte Regelung in der Landessprache zu singen, gar nicht schlecht. Es hat dem Zuschauer doch mehr von dem jeweiligen Land vermittelt und wie dort Songs umgesetzt werden. Heute ist es doch eher der Globalbrei.

Morgenpost Online: Eine neue Abstimmungsregel soll die Punkte-Zuschusterung diverser Nachbarländer vermeiden. Bringt das was?

Heichel: Ich hoffe, dass diese Regelung zu einer faireren Abstimmung führt, damit die Ergebnisse nicht wegen einiger Connections zu einseitig werden. Ich bin froh, dass etwas Neues ausprobiert wird und man nicht an alten Zöpfen festhält.

Morgenpost Online: Wer hat Ihrer Meinung nach die größten Chancen auf den Sieg?

Heichel: Das ist schwer zu sagen. Meistens haben Newcomer eine Chance, die etwas ganz anderes machen. Denn Popularität ist noch längst kein Garant dafür, dass man unter den ersten Plätzen landet oder sogar gewinnt. Es ist wie Roulett oder ein Würfelspiel und das ist gerade das Spannende, warum ein Mal im Jahr die ganze Welt einem solchen Event zuschaut.

Morgenpost Online: Werden Sie Samstagabend das Finale im Fernsehen verfolgen?

Heichel: Ja, natürlich.

Morgenpost Online berichtet live am Samstag abend über das Finale des Eurovision Song Contests.

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