Vulkanasche aus Island stoppt den Flugverkehr in weiten Teilen Nordeuropas bis nach Großbritannien. Gut 24 Stunden nach dem zweiten und massiven Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjalla im südlichen Island schlossen die Behörden in Norwegen am Donnerstagmorgen den kompletten Luftraum über dem Land. Ein Sprecher der Fluggesellschaft SAS sagte, dass die Verbote „schlimmstenfalls über mehrere Tage gelten können“.

Die Asche des Vulkans legte den Flugverkehr in Großbritannien fast völlig lahm: Alle Flüge von und nach London-Heathrow und Stansted würden von Donnerstagmittag an gestrichen, teilte der Flughafenbetreiber BAA mit. In Schottland mussten alle Airports schließen, darunter Aberdeen, Edinburgh und Glasgow. Von Donnerstagmittag bis 18.00 Uhr (19.00 Uhr MESZ) dürften keine Maschinen über das Land fliegen, teilte die Flugüberwachung NATS nach Angaben des Senders BBC mit. Ausnahme gebe es nur in Notfällen.

Der Billigflieger Ryanair teilte mit, von neun Uhr morgens würden alle Flüge von und nach Großbritannien ausfallen. Erhebliche Störungen gab es auch an den Flughäfen in Manchester, Liverpool, London-Gatwick und Luton sowie in Newcastle und Birmingham, wo auch zahlreiche Flüge aus Deutschland gestrichen wurden.

Grund für die Verbote ist Lavaasche, die aus dem Vulkan in eine Höhe von bis zu elf Kilometern ausgestoßen wurde und weiter ausgespuckt wird. Die Asche, die sich in östlicher und inzwischen zunehmend in südlicher Richtung ausbreitet, ist gefährlich für Düsentriebwerke.

In Schweden ist seit den frühen Morgenstunden der Luftverkehr im nördlichen Landesteil gestoppt, in Dänemark über der Nordsee. Aus beiden Ländern verlautete, dass je nach Windentwicklung bis zum Abend die komplette Schließung des Luftraumes nicht auszuschließen sei. In Island selbst blieben die Schäden nach dem zweiten Ausbruch seit dem 21. März vorerst begrenzt. Etwa die Hälfte der knapp 800 am Mittwoch aus ihren Häusern in der Umgebung geflüchteten Anwohner konnte in der Nacht zurückkehren. Das rasend schnell schmelzende Gletscherwasser am nördlichen Rand des Eyjafjalla überschwemmte zwar die Felder von einigen Gehöften, zerstörte aber nicht wie befürchtet eine Brücke der landesweit wichtigsten isländischen Straßenverbindung entlang der Südküste.

Auch die Lufthansa ist selbstverständlich von den Luftraumschließungen betroffen: Auf der Langstrecke nach Nordamerika gebe es teilweise Verspätungen von wenigen Flugminuten, da die Rauchwolken des Vulkans südlich umflogen werden müssten. Gestrichen werden mussten zunächst auch Flüge nach Birmingham und Manchester in Großbritannien sowie Stavanger in Norwegen. Nach Heathrow fliegt die Lufthansa normalerweise etwa 30 Mal am Tag. Die Deutsche Flugsicherung in Langen bei Frankfurt erklärte, die Piloten würden über geschlossene Luftraum-Sektoren informiert. Lufthansa empfahl ihren Kunden, sich über die Webseite www.lufthansa.com zu informieren.

Geld zurück für Passagiere

Die von den Flugverboten in Nord- und Westeuropa betroffenen Passagiere können von ihren Fluggesellschaften den kompletten Ticketpreis zurückfordern. Alternativ besteht ein Anspruch auf die kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flugtermin, erläuterte der Reiserechtler Holger Hopperdietzel aus Wiesbaden.

Die Fluggesellschaften müssten betroffenen Passagieren auf ihren Wunsch hin den kompletten Ticketpreis inklusive Steuern und Gebühren zurückzahlen, erklärte Hopperdietzel.

Einen darüber hinaus gehenden Schadenersatz, wie er in der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 bei Annullierungen vorgesehen ist, gebe es für Reisende dagegen nicht: Bei einer Schließung von Flughäfen oder des gesamten Luftraums könne sich eine Fluggesellschaft von ihrer Schadenersatzpflicht entlasten.

dpa/heg/nic