Wegen der Aschewolke eines isländischen Vulkans ist der Flugraum über Großbritannien komplett gesperrt worden. Von Donnerstagmittag bis 18.00 Uhr (19.00 Uhr MESZ) dürften keine Maschinen über das Land fliegen, teilte die Flugüberwachung NATS nach Angaben des Senders BBC mit. Ausnahme gebe es nur in Notfällen. Der Flugverkehr werde voraussichtlich ab 13.00 Uhr eingestellt. Die Terminals blieben aber geöffnet. In Heathrow starten und landen täglich rund 1300 Maschinen.
Die Aschewolken behindern nicht nur die Sicht, sondern können auch die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen.
Die Lufthansa hat Flüge nach Großbritannien und Skandinavien gestrichen. Ab etwa 12.00 Uhr werde es auch keine Flüge mehr zum Londoner Großflughafen Heathrow geben, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Auf der Langstrecke nach Nordamerika gebe es teilweise Verspätungen von wenigen Flugminuten, da die Rauchwolken des Vulkans südlich umflogen werden müssten.
Gestrichen werden mussten auch Flüge nach Birmingham und Manchester in Großbritannien sowie Stavanger in Norwegen. Nach Heathrow fliegt die Lufthansa normalerweise etwa 30 Mal am Tag. Die Deutsche Flugsicherung in Langen bei Frankfurt erklärte, die Piloten würden über geschlossene Luftraum-Sektoren informiert. Lufthansa empfahl ihren Kunden, sich über die Webseite () zu informieren.
Bereits am Morgen konnten mehr als 150 Maschinen in Heathrow weder starten noch landen, in Gatwick waren es mehr als 100, wie die Flughafenbetreiber mitteilten. Auch viele transatlantische Flüge seien gestrichen worden. Seit dem Morgen war bereits der Flugverkehr in Norwegen, dem Norden Schwedens und Schottland durch die Vulkanasche stark behindert worden.
Wie die BBC unter Berufung auf die britische Flugüberwachung berichtete, wurde der Luftraum im Norden Schottlands in der Nacht gesperrt, der Flughafen Aberdeen geschlossen. In Schweden verhängte die Flugaufsicht Flugverbote für mehrere nördliche Bezirke.
Auf dem internationalen norwegischen Flughafen Gardermoen bei Oslo musste am Morgen etwa die Hälfte aller Starts abgesagt werden. Fast der komplette Luftraum des skandinavischen Landes war für Flüge gesperrt.
Geld zurück?
Die von den Flugverboten in Nord- und Westeuropa betroffenen Passagiere können von ihren Fluggesellschaften den kompletten Ticketpreis zurückfordern. Alternativ besteht ein Anspruch auf die kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flugtermin, erläuterte der Reiserechtler Holger Hopperdietzel aus Wiesbaden.
Die Fluggesellschaften müssten betroffenen Passagieren auf ihren Wunsch hin den kompletten Ticketpreis inklusive Steuern und Gebühren zurückzahlen, erklärte Hopperdietzel. Einen darüber hinaus gehenden Schadenersatz, wie er in der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 bei Annullierungen vorgesehen ist, gebe es für Reisende dagegen nicht: Bei einer Schließung von Flughäfen oder des gesamten Luftraums könne sich eine Fluggesellschaft von ihrer Schadenersatzpflicht entlasten.
„Ok, jetzt ist es wirklich riesig“, kommentierte ein Reporter des Rundfunksenders RUV die Angaben aus dem Seismologischen Institut in Reykjavik: Seit der Nacht wurden Eruptionen von der zehn- bis zwanzigfachen Stärke des ersten Ausbruchs am 21. März gemessen. Die Erde bebte.
Sorge machten den Behörden riesige Mengen Schmelzwasser, die sich als Folge des neuen Ausbruchs vom Eyjafalla-Gletscher durch den südlichen Teil der Atlantikinsel wälzten. Die Fluten bedrohten Islands wichtigster Straßenverbindung entlang der Südküste. Sie wurde vorsorglich gesperrt. Hubschrauberpiloten berichteten, dass die Rauchsäule über dem Vulkankrater eine Höhe von sechs Kilometern erreicht habe.
Der seit 1823 inaktive Vulkan war am 21. März erstmals wieder ausgebrochen. Die fast durchweg auf einsamen Bauernhöfen lebenden Anwohner wurden danach sofort in Sicherheit gebracht, konnten aber nach wenigen Tagen in ihre Häuser zurückkehren.
Die Aktivitäten aus den mehrere hundert Meter langen Erdspalten am Rand des Gletschers 120 Kilometer östlich von Reykjavik galten in der vergangenen Woche als eher schwach. Island ist durch vulkanische Aktivitäten entstanden. Von 140 Vulkanen sind noch 30 aktiv.
Seit dem erneuten Ausbruch in der Nähe des beliebten Ausflugsgebietes Fimmvorduhals werben die isländischen Fluggesellschaften und andere Reiseveranstalter mit diesem in Europa derzeit einmaligen „Vulkanerlebnis".
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dpa/AFP/cor















































