Der erneute Schneefall hat in Berlin am Sonnabend nicht zu mehr Unfällen geführt. Die Straßen seien zwar nass und matschig, aber meist nicht eisglatt, sagte ein Polizeisprecher. Bei den wenigen Unfällen sei es immer bei Sachschäden geblieben. Ganz anders sah es hingegen in anderen Teilen Deutschlands aus.
Drei Wochen nach dem Sturmtief „Daisy“ sorgte „Keziban“ in weiten Teilen Deutschlands für starke Verkehrsbehinderungen. Chaotisch waren die Verhältnisse erneut in Mecklenburg-Vorpommern, wo bis zu 40 Zentimeter Neuschnee fielen. Meterhohe Schneeverwehungen legten dort den Straßen- und Bahnverkehr weiträumig lahm.
Vielerorts brach der öffentliche Personennahverkehr zusammen. Auch in anderen Bundesländern machten starke Schneefälle den Autofahrern zu schaffen. Zahlreiche Autobahnen und Bundesstraßen mussten wegen Unfällen oder Glätte gesperrt werden. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben.
Auf 16 Strecken war der Zugbetrieb lahmgelegt, unter anderem zwischen Bad Kleinen und Lübeck, Stralsund und Greifswald. IC-Züge aus Hamburg endeten bereits in Schwerin. Ersatzverkehr war wegen der Straßenverhältnisse nicht möglich.
In Rostock sei der öffentliche Nahverkehr komplett eingestellt worden. Am Vormittag wurde die Rügenbrücke geschlossen. Die betroffenen Landkreise richteten Krisenstäbe ein. Die Menschen wurden aufgefordert, ihr Auto nur in dringenden Fällen zu benutzen. „Die Leute sollen bloß zu Hause bleiben“, warnten Polizisten.
Für die Fans des FC Hansa Rostock gab es ohnehin keinen Grund mehr zum Rausgehen: Das für 13 Uhr angesetzte Fußballspiel der 2. Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin wurde abgesagt. „Wir haben hier 30 Zentimeter Neuschnee und Sturm. Der Platz ist unbespielbar“, sagte Hansa-Pressesprecher Karsten Lehmann. In Nordvorpommern ging auf den meisten Straßen nichts mehr, selbst Fahrzeuge des Winterdienstes fuhren sich fest. Feststeckende Autofahrer baten bei der Polizei um Hilfe. „Aber das geht gerade nicht. Das kann Stunden dauern, bis die Hilfe eintrifft“, sagte ein Polizeisprecher.
Auf mehreren Bundesstraßen steckten am Sonnabendmorgen in Mecklenburg-Vorpommern 70 Fahrzeuge fest. Wegen Schneeverwehungen kam der Verkehr auf der A 20 sowie auf zahlreichen Bundesstraßen zum Erliegen. Die neue Rügenbrücke in Stralsund wurde ebenfalls gesperrt.
Die Lage sei teilweise noch dramatischer als nach „Daisy“, sagte ein Sprecher im Lagezentrum des Innenministeriums. Die Insel Hiddensee blieb von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem die Eisbrecher-Fähre ausgefallen war.
Auch im Osten Schleswig-Holsteins musste der öffentliche Nahverkehr zum Teil eingestellt werden. Betroffen hiervon war nach Polizeiangaben unter anderem die Region um Ratzeburg. Im Norden Brandenburgs blieben einige Autos in Schneeverwehungen stecken. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.
Zweiter Schnee-Schwerpunkt war Nordrhein-Westfalen. Dort fielen bis zu 29 Zentimeter Neuschnee. Die Polizei zählte bis zum Morgen rund 300 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Ein Mensch wurde getötet. In Bayern kamen zwei Autofahrer ums Leben.
Auch in anderen Landesteilen ereigneten sich Hunderte von Unfällen. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt.
Auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn kam es wetterbedingt zu Verspätungen. In Frankfurt am Main lief der Flugverkehr nach Angaben eines Sprechers hingegen problemlos.
Sturmtief „Keziban“ zog von der Ostseeküste nach Südfinnland ab. Am Nachmittag sollte die Unwettergefahr gebannt sein. Danach müsse bundesweit nur noch mit Schneeschauern gerechnet werden, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes. Am Dienstag werde aber bereits das nächste Schneetief in Deutschland erwartet.
dpa/ddp/lk














