Armer Brad Pitt. Seine Gattin, US-Filmstar Angelina Jolie, hat schon wieder Munition gesammelt. Munition für die nächste politische Diskussion mit ihrem Mann, mit dem zusammen sie das Glamour-Traumpaar „Brangelina“ bildet: Die 33-Jährige besuchte einen Vortrag in der American Academy in Berlin. Thema. Russland und der Westen. Pitt sollte sich schon mal vorbereiten.

Er hatte erst kürzlich gestanden, dass ihm seine treu sorgende Gattin manchmal ziemlich auf die Nerven geht: „Wir streiten meistens über Politik“, stöhnte er im September in der britischen Zeitschrift „Look Magazine“. Nun also Russland und der Westen. Das wird hart für den 44-Jährigen. Denn Angelina, mehrfach zur „Sexiest Woman in the World“gekrönt, hat aufmerksam alles mitgeschrieben, was die Gastrednerin Angela Stent in der American Academy zu sagen hatte.

Voller Aufmerksamkeit lauschte sie den Ausführungen der Stipendiatin, die normalerweise an der Georgetown University in Washington lehrt und im politischen Planungsstab des US-Außenministeriums tätig ist. Stent, Autorin des Buches „Rivalen des Jahrhunderts“ zum gleichen Themenkomplex, beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit dem Verhältnis von Russland und den USA. Sie wagte die Prognose, dass sich die Regierung Obama neben der Finanzkrise, dem Irak-Krieg sowie Fragen der Energiegewinnung erst mit untergeordneter Priorität mit dem Verhältnis zu Russland beschäftigen werde, da sie von einer weiteren Entspannung der Beziehungen ausginge. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem Publizisten und Historiker Michael Stürmer. Zu Gast waren der ehemaligen Botschafter der USA, John Kornblum, Bundestagsabgeordnete und Diplomaten.

Und eben Jolie, der amerikanische Filmstar von nebenan. Die Hübsche, die als „Lara Croft“ ihren Durchbruch als Männerfantasie feierte, hatte nur ein paar Schritte hinter sich zu bringen, um zu ihrem Nachbarn an der Zehlendorfer Straße Am Sandwerder zu gelangen. Die Mutter von sechs eigenen und adoptierten Kindern zog sich dafür einen kurzen schwarzen Rock an, einen akademisch wirkenden schwarzen Rollkragen-Pulli und – ein bisschen Sex muss schon sein – hohe schwarze Stiefel.

Dann ging sie los. Ohne Sicherheitsleute, lediglich in Begleitung ihrer Assistentin und Lloyd Phillips. Er ist Executive Producer von Regisseur Quentin Tarantinos neuem Film „Inglorius Bastards“, der zurzeit in Potsdam-Babelsberg produziert wird. Brad Pitt spielt darin eine Hauptrolle.

Für die Dauer der Filmarbeiten hatten sich die Pitt-Jolies mit Kind und Kegel im Palais Parkschloss am Wannsee angesiedelt. In der gediegenen Nachbarschaft befinden sich neben der Academy auch das Literarische Colloquium oder das Haus der Witwe von Filmproduzent Horst Wendtland. Das Haus mit der Adresse Am Sandwerder 12-13 ist seitdem mit einer hohen Plane als Sichtschutz umgeben. Doch die Nachbarn betrachten die Stars von nebenan mit Gelassenheit.

Angelina Jolie und Politik? Tatsächlich bemüht sich die Tochter von Oscar-Preisträger Jon Voigt seit einiger Zeit, von ihrem Skandalimage wegzukommen. Jahrelang war sie vor allem wegen ihrer extravaganten Vorlieben in der Presse gewesen: So wurde berichtet, sie habe an einem Halsband getrocknetes Blut ihres damaligen Mannes Billy Bob Thornton getragen, sei bisexuell und stehe auf Peitschen-Sex. Dann spannte sie ihrer Kollegin Jennifer Aniston den Mann aus – und nun ist sie sexy und ernsthaft, politisch und Mutter, reich und erfolgreich, alles auf einmal.

Bei diesem Spagat können schwarze figurbetonte Rollkragenpullover hilfreich sein. Jolie sei zum Fürchten clever, hatte unlängst die US-Journalistin Bonnie Fuller über sie gesagt. Dazu habe sie die Gabe, ihr öffentliches Image zu fördern. Seit 2001 ist Jolie Botschafterin des UN-Flüchtlings-Kommissariats, seit 2007 ist die Mitglied im Council on Foreign Relations. Ihre Filmgagen gehen in Schulen in Kambodscha, Kinderstationen in Sri Lanka und weitere Programme für Straßen- und Waisenkinder. Fotos ihrer Zwillinge hat sie für die Rekordsumme von 14 Millionen US-Dollar verkauft. Nun wird berichtet, sie erwarte für den Abdruck der Bilder obendrein eine ihr genehme Berichterstattung. Sicher nur ein böses Gerücht. Den Ausdruck „Brangelina“ zum Beispiel soll Frau Jolie gar nicht schätzen.

In der Academy soll Angelina ganz entspannt gewirkt haben. Bei den Fragen an die Rednerin habe sie mehrfach gelacht und sich nach dem Vortrag die Bücher der bisherigen Fellows angesehen. Vermutlich freut sie sich schon auf eine schöne politische Diskussion am Küchentisch, wenn sie gemeinsam mit Lloyd Phillips und ihrer Assistentin Brad Pitt in die Zange nimmt.