Film

Neurosenstadl mit Hund: „Was uns nicht umbringt“

Auch ein Seelenklempner kann mal melancholisch werden. Und das kann ganz schön komisch sein. Zumindest für den Zuschauer.

Foto: Alamode

Ein Therapeut ist ja auch nur ein Mensch. Was muss er sich tagein, tagaus nicht alles anhören. Die eine ist spielsüchtig, die andere hat einen Ordnungszwang, ein Pilot kann nicht mehr fliegen, weil sein Partner im Koma liegt, und eine Autorin kein Buch mehr schreiben nach dem Tod ihres Mannes. Kein Wunder, wenn da etwas Schwermut von den Klienten auf den Therapeuten überspringt. Zumal der noch getrennt lebt von seiner Frau, die ihn dennoch wegen aller möglichen Probleme anruft, nur dass es da nicht um Seelenwehweh geht, sondern um lose Wasserhähne und bockige Kinder.

August Zirner hat diesen melancholischen Therapeuten schon einmal gespielt, 2004 in Sandra Nettelbecks „Bella Martha“. Da war er noch eine Nebenrolle. Gleichwohl hat die Regisseurin Zirner versprochen, ihm in dieser Rolle einmal einen ganzen eigenen Film zu geben. Das löst sie nun in „Was uns nicht umbringt“ ein. Und macht Zirners Seelenklempner zum Zentrum eines star-besetzten Neurosenstadls. Alle tragen sie hier etwas mit sich herum, dass sie niemandem anvertrauen können. Alle legen sich deshalb bei dem Therapeuten Max auf die schon sprichwörtliche Couch, um ihre Schwermut zu kultivieren. Aber wem vertraut sich ein Therapeut an?

Zu Beginn des Films schafft sich Max deshalb einen Hund an, der noch trauriger dreinschaut als er. Das ist ja irgendwie die große Mode in diesem Kinoherbst: Alle sind sie auf den Hund gekommen. Schon in Matteo Garrones „Dogman“ waren die Vierbeiner am Ende die empathischeren Wesen. In „Wuff“ hat Detlev Buck versucht, kleine Beziehungsdramödien über diverse Hunderassen zu erzählen – und zu lösen.

Nun also auch Frau Nettelbeck. Wobei der graue Streuner bei ihr so traurig ist, dass der Therapeut darüber nur noch trauriger wird. Dafür erbarmen sich die Patienten seiner. Und werden dabei offenherziger. Und dann passiert doch noch das Eine, was einem Therapeuten eigentlich nicht passieren dürfte: Max verliebt sich in eine seiner Klienteinnen (Johanna ter Stege). Obwohl er der attestiert, dass die immer die falschen Männer auswählt.

Neurosen können ganz schön komisch sein. das weiß man spätestens seit Woody Allein. Und es ist ein großartiges Ensemble, dass Sandra Nettelbeck da auf die Couch legt. Stars wie Mark Waschke, Christian Berkel oder Bjarne Mädel, die sonst im Fernsehen eher schablonenartig besetzt werden, dürfen hier einmal gegen ihr Rollen-Klischee anspielen. Und tun das mit Lust. Ein herrlicher Ensemblefilm. Und doch tummeln sich hier fast zu viele Figuren, die sich kaum entfalten können. Der Film bleibt ein seltsamer Flickenteppich, der sich kaum zu einem stimmigen Ganzen fügt. Bei all den feinen Preziosen macht einen das ganz schön schwermütig. Aber immerhin gibt ein Happy End. Zumindest für den Hund.

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