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Rassenhass im Wilden Westen: „Feinde – Hostiles“

„Feinde – Hostiles“ ist ein bildgewaltiger Western mit großen Stars und behandelt die Nachwirkungen der grausamen Indianerkriege.

Hasst den Auftrag, den er erldigen soll: Christian Bale als verbitterter Captain Joseph Blcoker

Hasst den Auftrag, den er erldigen soll: Christian Bale als verbitterter Captain Joseph Blcoker

Foto: Universum Film

Captain Joseph Blocker (Christian Bale) ist ein verbitterter Mann. Er hat für die US-Army in den Indianerkriegen gekämpft. Er musste unfassbare Gräuel mitansehen. Er hat viele Kameraden verloren. Er selbst hat von Rache erfüllt unzählige Indianer, die für ihn nur wilde Tiere sind, auf dem Gewissen.

Kurz vor der Pensionierung bekommt er einen Auftrag, der ihm zutiefst missfällt: Er soll den inhaftierten und schwerkranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi), seinen Erzfeind, von New Mexico nach Montana ins „Tal der Bären“ eskortieren, damit der dort in Freiheit sterben kann. Blocker will sich weigern. Doch der höchste Befehl des US-Präsident William lässt ihm keine Chance.

Regisseur Scott Cooper („Crazy Heart“) erzählt in seinem bewegenden Western „Hostiles – Feinde“ von der Läuterung eines starrköpfigen Soldaten, dessen eingefahrene Weltsicht im Lauf dieses Pferde-Road-Movies quer durch das von europäischen Kolonialisten eroberte Nordamerika ins Wanken gerät. Wir schreiben das Jahr 1892. Es gibt längst keine Büffelherden mehr. Die Schlacht von Little Big Horn und das Massaker an den Sioux am Wounded Knee Creek sind Geschichte. Die Ureinwohner sind besiegt und die Überlebenden in Reservate verdrängt. Nur vereinzelt bäumen sich Stämme wie die Komantschen noch auf.

In dieser Zeit des Umbruchs an der Schwelle zur industriellen Revolution lässt Scott Cooper zwei vermeintlich unversöhnliche Welten aufeinanderprallen. Es geht um Zynismus und Hass, Schuld, Vergebung und späte Einsichten europäischer Einwanderer, die ganze Indianerstämme im Zugr der unfriedlichen Landnahme ausrotteten. Dabei versucht Cooper neutral von Schuldzuweisungen zu bleiben, auch wenn ihm das in seiner, nun ja, eben weißen Sichtweise nicht immer gelingen mag.

In großartigen Bildern zieht die Karawane durch weite, unwegsame Landschaften. Dabei nehmen sie unterwegs die Farmersfrau Rosalie Quaid (Rosanunde Pike) auf, die bei einem brutalen Überfall kriegerischer Komantschen ihren Mann und drei Kinder verloren hat. Aus einem Fort nehmen sie auch noch den Gefangenen Soldaten Charles Wills (Ben Foster) mit, der wegen Gräueltaten im Krieg in der nächsten Stadt gehängt werden soll. Eine Art Advocatus diaboli. Er soll für etwas gerichtet werden, wofür andere in den Indianerkriegen mit Orden behängt wurden.

„Hostiles“ ist vor allem großartiges Schauspielerkino mit einem wunderbar abgeklärten Christian Bale, einer verzweifelten, aber Stärke beweisenden Rosamunde Pike und, wenn auch nur in einer kleinen Rolle, einem nüchtern die Verhältnisse analysierenden Ben Foster.

In epischer Breite zeichnet Cooper, der auch das Drehbuch schrieb, die schwierige Annäherung zwischen indianischer und weißer Welt, zwischen Sieger und Besiegten nach. Er verschenkt keine der immerhin 135 Filmminuten. Er steigert konsequent die emotionale Tiefe, provoziert eine knisternde Atmosphäre, der man sich irgendwann nicht mehr entziehen kann.

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