Es ist die alte Menschheitsfrage: Wer wäscht ab? Sie stellt sich zwischen einer 16-jährigen und ihrem Vater, einem Countrysänger, der seine Karriere für die Tochter aufgab, als die Mutter starb. Der Abwaschfrage geht der Film nicht näher nach.
Die Tochter hastet durch die Katakomben einer Mehrzweckhalle, und der Vater scheucht sie auf die Bühne mit dem Ruf: "Showtime, mein Spätzchen!" Schon die Minderjährige hat Mühe, alle Ansprüche an ein modernes Leben unter einen Hut zu bringen. Haushalt, Kleinfamilie, Traumberuf. Aber es geht.
"Hannah Montana", die bei Grundschülern beliebte Fernsehserie, bündelt ihre Botschaften nun auch im Kinofilm. Hannah Montana heißt der ehrgeizige Superstar, in den sich eine Schülerin allabendlich verwandelt. Miley setzt dazu eine Perücke auf und nimmt mit freundlicher Routine die geschäftsüblichen Huldigungen herkömmlicher Teenager entgegen. Hinter Miley wiederum verbirgt sich Miley Cyrus. Angetrieben wird sie von Billy Ray Cyrus, ihrem Country singenden Vater, der zugleich den Serienvater Robby Ray verkörpert.
Peter Chelsom hat den Film als Regisseur betraut. 14 Jahre nach "Funny Bones", der Tragikomödie um den bedauernswerten Sohn eines berühmten Komikers. Er schafft es auch, für Miley Cyrus Mitleid zu erwecken, allerdings eher unfreiwillig. Was eben passiert, wenn jemand Disneys strengen Wertekanon einträglich und unterhaltsam zu verfilmen hat. Die Handlung: Robby Ray, dem Vater, schwant, dass einer 16-Jährigen der schizophrene Zirkus nicht nur gut tut. Er verschleppt sie aus dem sündigen Kalifornien in ihren Geburtsort auf dem Land. In Tennessee soll sie daran erinnert werden, was das Leben ausmacht: Heimat und Familie, rechtschaffene Arbeit, frühes Aufstehen und handgefertigte Musik. "Hannah-Entgiftung", sagt Robby Ray. Er singt auf der Veranda: "Find my way back to Tennessee. Find my way back to you and me."
Die wahren Werte sind in Mileys Innerem noch vorhanden, nur verschüttet. Sie fühlt sich zunächst von Landeiern und Dreck umgeben und geplagt von lästigen Pflichten. Selbstverständlich ist man auch in der Provinz verrückt nach Hannah Montana. Allerdings darf Mileys Reinkarnation erst wieder auferstehen, als sich Miley in das liebenswerte, unschuldige, bodenständige, Geschöpf zurück verwandelt hat, von dem sich Disney gern vertreten lässt. Da sagt sogar die strenge, aber gütige Großmutter: "Was du tust, ist eine gute Sache." Von der unscheinbaren besten Freundin wird sie ebenfalls ermuntert. Und der Vater singt mit ihr ein Lied über die Raupe und den Schmetterling. Als ein skrupelloser Spekulant ein Einkaufszentrum bauen möchte, scheitern seine Pläne an Hannah, die mit einem Benefizkonzert im Country-Look die dörfliche Idylle rettet.
Man darf das durchaus geschmacklos finden: Hannah Montana singt gegen ein Einkaufszentrum, ihre natürliche Umgebung, an und die Marionette Miley Cyrus wird vermenschlicht und ihr Treiben ethisch unterfüttert. Disney nennt so was Familienunterhaltung. Aber wer wäscht ab? Wer bringt den Müll weg?
(Der Film startet am 1. Juni)
USA 2009
102 min., ohne Altersbeschränkung
Regie: Peter Chelsom
Darsteller: Miley Cyrus, Mitchel Musso, Emily Osment, Jason Earles





