2002 lief die modisch-zeitgeistig betitelte Zeichentrickreihe "Winnetoons" auf dem Kinderkanal - und wer glaubte, dass der Nachwuchs nichts mit Winnetou und den Seinen anfangen könne, irrte ungemein. Nach Angaben des ausführenden Hamburger Animationsstudio ASL erzielte die TV-Reihe bis zu 89 Prozent Marktanteil. Der Weg von der Flimmerkiste auf die große Leinwand war da schon beinahe logisch.

Allerdings: Dieser Weg ist so beschwerlich wie ein Ritt durch die Prärie ohne Wasser und Karte. Dabei hat man sich bei ASL alle erdenkliche Mühe gegeben, "Die Legende vom Schatz im Silbersee" aufwendig zu gestalten: Mit Cosma Shiva Hagen und Bullys Trapper Christian Tramitz gibt es prominente Sprecher, die ehemalige deutsche Eurovision-Hoffnung Texas Lightning hat den Titelsong beigesteuert.

Man sollte ja eigentlich das Bemühen deutscher Trickfilmer wohlwollend unterstützen. Aber leider wurde man von den amerikanischen Mammut-Produktionen (Pixar und Dreamworks) so verwöhnt, dass man hier dann doch einiges zu murren hat: Die Figuren bewegen sich enorm ruckelig und Winnetou und Old Shatterhand haben derart eckige Kinnpartien, dass man Angst hat, sich daran aufzuschlitzen.

Diese zeichnerisch völlig übertriebene Männlichkeits-Betonung erweist sich jedoch als Finte. Im Grunde genommen ist "Die Legende vom Schatz im Silbersee" nämlich eine politisch überaus korrekte Angelegenheit. Bei den Hauptfiguren handelt es sich um eine neue Lesart der Winnetou-Schwester Nscho-tschi, die als starkes, aber übermütiges Mädchen ihren Platz in einer von Männern dominierten Welt sucht, sowie um den schüchternen Waisenjungen Bobby, den es mit einer Schatzkarte nach Arizona verschlagen hat. Wenn er Shatterhands Henrystutzen interessiert anschaut, bekommt er postwendend zu hören: "Vorsicht Bobby, Gewehre sind gefährlich!"

Vorbildlich. Und auch definitiv (wenn auch unfreiwillig) komischer als der verzweifelte Versuch, mit einer Ratte und zwei sächselnden Deppen für witzige Momente zu sorgen. Vielleicht liegt hier das größte Problem des Old-School-Zeichentrickfilms: Man weiß nicht so recht, für wen er gemacht sein soll. Jüngere Kinder könnten sich angesichts einiger relativ brutaler Szenen ordentlich erschrecken, während ältere gähnend abwinken und Erwachsene sich langweilen.

Deutschland, Belgien 2009

80 min., ab 6 Jahren

Regie: Gert Ludewig,

Sprecher: Christian Tramitz, Cosma Shiva Hagen, Thomas Fritsch