Dieser Film, keine Frage, geht über Leichen. Aber nicht auf die leidlich bekannte Kinoart mit viel Knall- und Ballerei, sondern ungleich stiller und sublimer, mit Eimer, Gummihandschuhen und Schwamm. Mord und Gewalt hinterlassen Spuren.

Davon ernähren sich seit Urzeiten Krimis, seit kürzerem auch Profiler-Fernsehserien. Auf die Frage, was mit dem ganzen Blut und sonstigen Chaos geschieht, nachdem die Ermittler (und die Leichen) wieder weg sind, kam bislang noch niemand. "Sunshine Cleaning" beantwortet sie nun.

Der Titel entspricht dem leidlich euphemistischen Namen einer Firma, die sich exakt auf die Säuberung von Tatorten spezialisiert. Wo immer Mord, Selbstmord oder Gewalt ihre blutigen Spuren hinterlassen haben, rollt der Kleinbus an, um den Hinterlassenen oder auch nur den Besitzern der verunreinigten Häuser zur Hand zu gehen. Die beiden Schwestern, die sich diesem nicht sehr appetitlichen Beruf verschreiben, haben dabei natürlich erst einmal eine Hemm- und Ekelschwelle zu überschreiten.

Und beim ersten Job muss sich eine von beiden vor Ort auch erst mal übergeben (was dann natürlich auch noch beseitigt werden muss). Aber schon bald wird man routinierter, setzt Gummihandschuhe, Schutzanzüge und Spezialausrüstung ein und beweist ganz nebenbei - wie die Brüder-Kollegen aus der Fernsehserie "Six Feet Under" -, dass Leichenbestatten wie Blutabkratzen auch nur ein Job wie jeder andere ist.

Das sollte uns, mitten in der Krise, durchaus zum Denken anregen. Rose Lorkowski (Amy Adams) ist eigentlich eine klassische Loser-Figur. Einstmals begehrte Cheerleaderin, die mit dem Quarterback ausging, hat sie jetzt keinen eigenen Mann, nur einen verheiraten Lover, muss ihren verhaltensauffälligen Sohn allein aufziehen und schlägt sich als Putzkraft mehr schlecht als recht durchs Leben.

Ihre jüngere Schwester Norah (Emily Blunt) schmeißt noch den einfachsten Job nach wenigen Stunden hin und muss gleichfalls bemuttert werden. Und der leicht versponnene Papa (Alan Arkin) denkt sich allerlei bizarre Jobs aus, um seine Rechnungen bezahlen zu können. Doch selbst ist der Mensch: Es gibt, so die Lehre, immer noch andere, denen es noch schlimmer ergeht. Und auf deren Kosten kann man sich gesund stoßen. Einer muss halt die Drecksarbeit machen. Also irgendwie doch die Umsetzung des amerikanischen Traums, wenngleich auf höchst makabre Art.

"Sunshine Cleaning" verweist vom Titel her nicht von ungefähr auf den Überraschungserfolg "Little Miss Sunshine". Die Produzenten jenes Films haben sich erneut zusammen getan. Und wieder geht es um eine dysfunktionale Familie, wieder um reichlich skurrile Figuren, wieder mit Alan Arkin als Patriarch der Sippe. Und wieder spielt ein Kleinbus dabei eine nicht unwesentliche Rolle: In "Little Miss Sunshine" war es ein abgewrackter VW-Bus, der wie die Familienbande nur schwer in die Gänge kam.

In "Sunshine Cleaning" ist es nun ein Van voller Fachausrüstung, mit dem die Schwestern zur Säuberung anrücken, die Firmenidee "Crime Scene Clean-up" plakativ auf dem Heck aufgedruckt. Dabei müssen, wie sich schon bald herausstellt, nicht nur fremdes Blut weggewischt und Hinterbliebene getröstet werden. Allmählich erfährt man auch, dass der Tod der eigenen Mutter eine Art "Do-it-yourself-Ding" war. Mit der bizarren Marktlücke verarbeiten die Schwestern also durchaus auch eigene Traumata.

"Sunshine Cleaning" ist nicht ganz so überdreht inszeniert wie "Little Miss Sunshine" und will auch nicht auf Wischmob komm raus Komödie sein. Drehbuchautorin Megan Holly und Regisseurin Christine Jeffs versuchen vielmehr eine ernsthafte Geschichte zweier grundverschiedener Schwestern zu erzählen, die unter extremen Bedingungen wie diesen nur einen dramaturgisch zugespitzten Katalysator erfährt.

Ein wenig schwarzhumoriger, ein wenig abgründiger hätte ihr Film durchaus ausfallen können - gerade angesichts der vielen menschlichen Katastrophen vor Ort, gegen die die eigenen Sorgen der Schwestern irgendwie klein erscheinen. Dagegen wirkt jeder Krimiserien-Kommissar am Tatort abgeklärter und zynischer. Aber das nur so als kleine Randbemerkung. Halten wir es wie die Schwestern: Schwamm drüber.

USA 2008

88 min., ab 12 Jahre

Regie: Christine Jeffs

Darsteller: Amy Adams, Emily Blunt, Alan Arkin