Bundesliga

Union tritt in Bremen zum Duell der Sieger an

Aufsteiger Union und Bremen konnten im DFB-Pokal frisches Selbstvertrauen sammeln. Doch wer hat seinen Kraftakt besser überstanden?

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Duell gegen den Bremer Leonardo Bittencourt.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (l.) im Duell gegen den Bremer Leonardo Bittencourt.

Foto: Tom Weller / picture alliance/dpa

Berlin. Es gab Jahre, in denen die Spiele im DFB-Pokal grundsätzlich als Belastung für den Liga-Alltag empfunden wurden. Dass sich die Zeiten längst geändert haben, lässt sich an den beiden Mannschaften ablesen, die sich nun in der Fußball-Bundesliga gegenüberstehen.

Sowohl der 1. FC Union als auch Gastgeber Werder Bremen haben es ihren Achtelfinalspielen zu verdanken, dass sie mit einem guten Gefühl in diesen 21. Spieltag gehen können. Union schöpfte durch das 1:0 beim SC Verl neues Selbstvertrauen, das durch das 0:5-Debakel zuvor bei Borussia Dortmund doch arg gelitten hatte.

Und die Bremer gehen durch das 3:2 gegen Dortmund im Pokal mit einem Hochgefühl in den Kampf um den Klassenerhalt, nachdem zuvor beim FC Augsburg noch ein Vorsprung komplett verspielt wurde (1:2 nach 1:0). Im Weserstadion kommt es am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) zum Duell der beiden Sieger, verbunden mit der Gewissheit, dass eine Mannschaft den nächsten Rückschlag erleiden wird.

Union Berlin hat die Dortmund-Pleite abgehakt

Die große Frage ist: Welches Team hat den Kraftakt unter der Woche besser weggesteckt? Union, dessen Spiel vor allem auf einer guten Athletik basiert, hatte einen Tag weniger Zeit zur Erholung als die Bremer. Kapitän Christopher Trimmel ist sich sicher: „Die Zeit reicht aus, dass du gut regenerierst.“

Aus diesem Grund ist der Aufsteiger auch nicht vom Pokalspiel zurück nach Berlin gereist, sondern von Verl aus gleich weiter in Richtung Norden, um nicht durch Reisestrapazen wertvolle Zeit zu verlieren. „Wir haben es mit München und Freiburg ja ähnlich gemacht, das macht einfach mehr Sinn“, sagt Trimmel. Nach dem Liga-Spiel beim FC Bayern (1:2) war Union gleich weiter zum Pokalspiel in den Breisgau gereist.

Wie wichtig der Sieg in Verl für den weiteren Saisonverlauf gewesen ist, verdeutlichte Urs Fischer. „Siege tun nun mal gut, sie geben dir Selbstvertrauen. Wie gut das tut, kann sich jeder selbst ausmalen, wenn du eine Mannschaft schlägst, die zuvor zwei Profiklubs rausgeworfen hat. Und das Spiel in Dortmund hat schon Spuren bei uns hinterlassen“, sagte der Union-Trainer.

Riesenfreude bei Union Berlin nach Sieg in Verl

Fischer ist zufrieden darüber, dass seine Mannschaft die richtige Einstellung für dieses Kampfspiel gefunden und sie auch bis zum Schlusspfiff aufrechterhalten hat – und Dortmund damit abhaken konnte.

Trimmel bestätigte seinen Coach: „Wir hatten uns vorgenommen, positiv in diese englische Woche zu starten. Das ist uns in Dortmund nicht ganz gelungen, wo wir über 90 Minuten ein besseres Gesicht zeigen wollten. Deshalb war es total wichtig, dass wir jetzt aus Verl etwas Positives mitnehmen. Man hat die Riesenfreude intern gemerkt.“

Ähnlich sieht es auch Werder-Coach Florian Kohfeldt mit Blick auf seine Mannschaft. „Wir haben gezeigt, dass gewisse fußballerische Dinge und unser Mut nicht weg sind. Das wollen wir mitnehmen. Wir hatten nach dem Pokalspiel genug Zeit zur Regeneration. Die Jungs sind bisher alle gut durch die Woche gekommen und werden auf jeden Fall frisch sein“, erklärte Kohfeldt.

Union Berlin will Werder den Schneid abkaufen

Um die Wichtigkeit der Partie für beide Mannschaften herauszustellen, genügt ein Blick auf die Tabelle. Bremen braucht als Drittletzter unbedingt einen Sieg, um endlich einen Schritt aus der Abstiegszone machen zu können. Union wiederum will als Tabellenzwölfter den Sechs-Punkte-Vorsprung auf Werder im Minimum halten, am besten sogar ausbauen. Kampf wird also Trumpf sein am Sonnabend, ebenso Einsatzbereitschaft und Leidensfähigkeit.

„Uns erwartet dort ein heißer Fight. Einige von uns haben auch noch die Aussage von Leonardo Bittencourt im Kopf, dass er Dortmund auf den Sack gehen wollte. Das ist auch unserer Spielweise, wir wollen anderen Mannschaften auch den Schneid abkaufen“, sagte Union-Verteidiger Christopher Lenz. Beide Mannschaften eint zudem, dass sie in schwierigen Situationen Ruhe bewahrt haben, sowohl im Klub selbst als auch im Umfeld.

Union-Trainer Fischer hat eine Erklärung dafür, warum in Bremen bislang die Nerven behalten wurden: „Für Werder ist das nochmal eine andere Situation als für uns. Sie sind zum Start der Saison von etwas Anderem ausgegangen. Für uns war die Lage klar. Dass sie diesen Kampf, gegen den Abstieg zu spielen, angenommen haben – ein Kampf, in dem wir uns seit Beginn befinden – zeigt, dass sie bereit sind.“ Schon weil ein Abstieg für die Bremer „auf jeden Fall eine Zäsur wäre“, wie Aufsichtsratschef Marco Bode im „Weser-Kurier“ wissen ließ.

Bremens Trainer Kohfeldt lobt Union Berlin

Personell erwartet Trimmel „eine kleine Rotation“ bei Union, schon weil die Köpenicker wohl wieder auf ein Ein-Stürmer-System umstellen werden. Fragezeichen stehen noch hinter den Einsätzen von Torwart Rafal Gikiewicz und Offensivmann Marcus Ingvartsen.

Bei den Norddeutschen ist fraglich, ob Ex-Herthaner Davie Selke spielen kann. Der Stürmer hatte gegen Dortmund einen Schlag auf den Hüftbeuger bekommen. Trainer Kohfeldt beziffert „die Chance auf 60:40, dass er spielen kann“.

Und er wird seine Spieler auf einen anderen Spielverlauf als gegen Dortmund vorbereiten müssen. „Sie spielen bisher nicht nur punktemäßig eine bessere Saison als wir. Sie werden wahrscheinlich nicht das Spiel dominieren und 90 Minuten mit Vollgas nach vorne spielen wollen. Aber Union spielt eine gute Saison und weiß genau, wie sie Spiele gewinnen können.“

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