DFB-Pokal

Union braucht den Sieg in Verl auch für die Bundesliga

Für Bundesligist Union zählt im DFB-Pokal in Verl nur das Weiterkommen. Nicht nur wegen der Prämie für den Sprung ins Viertelfinale.

In der zweiten DFB-Pokalrunde stoppte Union – hier Robert Andrich (l.) gegen Mike Frantz – den SC Freiburg.

In der zweiten DFB-Pokalrunde stoppte Union – hier Robert Andrich (l.) gegen Mike Frantz – den SC Freiburg.

Foto: Herbert Rudel / picture alliance / Pressefoto Rudel

Berlin. Harun Iza, Bozo Djurkovic, Tom Persich – wem bei diesem Trio ein Lächeln über das Gesicht huscht, der ist schon lange mit dem 1. FC Union unterwegs. Sehr lange, sind diese drei Spieler doch untrennbar mit dem bislang größten Erfolg im DFB-Pokal verbunden.

Es war Ende November des Jahres 2000, Gegner des Spitzenreiters der damals drittklassigen Regionalliga war der SSV Ulm, gerade aus der Bundesliga abgestiegen und nun in Liga zwei im freien Fall. Und Iza, Djurkovic und Persich lauteten die Torschützen beim 4:2, mit dem Union letztmalig die Runde der besten acht Mannschaften im nationalen Cup-Wettbewerb erreichte.

Gut 19 Jahre später bietet sich dem aktuell Zwölften der Bundesliga erneut diese Gelegenheit, obwohl sich die Vorzeichen geändert haben. Am Mittwoch (18.30 Uhr, Sky) tritt die Mannschaft von Trainer Urs Fischer beim SC Verl an, der sich als Zweiter der inzwischen viertklassigen Regionalliga durchaus Hoffnungen auf den Sprung in die Dritte Liga machen kann.

Auf Union Berlin warten 1,4 Millionen Euro

Für Union darf es dabei nur ein Ziel geben: das Weiterkommen. Kann in der Bundesliga eine etwaige Favoritenrolle immer noch mit dem Hinweis abgestritten werden, diese als Aufsteiger und absoluter Liga-Neuling gar nicht erst einnehmen zu können – im Pokalspiel bei einem drei Klassen tiefer spielenden Verein kommt Union an dieser Rolle nicht vorbei.

Doch nicht nur allein deshalb ist es enorm wichtig, dass Union seinen Weg im Pokal fortsetzt. Da ist natürlich die monetäre Seite. 1,4 Millionen Euro warten auf jeden der acht Viertelfinalisten. Eine Summe, auf die niemand gern verzichten will, selbst wenn man wie Union inzwischen mit einem 75-Millionen-Euro-Etat unterwegs ist.

Doch vor allem für den weiteren Saisonverlauf ist ein Erfolgserlebnis wichtig für die Berliner. Auch hier sei ein Rückblick in die Zeit von Iza, Persich und Co. erlaubt. Ein Jahr nach dem verpassten Aufstieg in die Zweite Liga im Sommer 2000 hatte sich Union in der folgenden Saison erneut aufgemacht, den Sprung in den Profifußball zu schaffen.

Union Berlin braucht neues Selbstvertrauen

Parallel zog man im DFB-Pokal Runde um Runde weiter. Nach Ulm im Achtelfinale wurden im Viertelfinale mit dem VfL Bochum ein Bundesligist (1:0) und im Halbfinale mit Borussia Mönchengladbach ein Zweitligist (2:2 nach Verlängerung, 4:2 im Elfmeterschießen) ausgeschaltet. Erfolge, die die Hochstimmung in der Mannschaft aufrechterhalten haben und sie am Saisonende auch haben aufsteigen lassen.

Die Stimmung bei Union nach dem 0:5-Debakel bei Borussia Dortmund am vergangenen Sonnabend ist nun alles andere als ausgelassen. Sicher weiß jeder im rot-weißen Lager, diese Niederlage richtig einzuschätzen. Doch es gilt auch, diese höchste Bundesliga-Pleite erst einmal zu verarbeiten.

„Von daher gilt es, diese Aufgabe ernst zu nehmen. Die Möglichkeit, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren, gibt dir nach der Klatsche in Dortmund sicherlich auch Selbstvertrauen zurück für die nächsten doch schwierigen Aufgaben, die anstehen“, sagte Trainer Urs Fischer. Und die nächste schwierige und zudem eminent wichtige Aufgabe wartet bereits am Sonnabend nach dem Pokalspiel, auswärts beim Bundesliga-Drittletzten Werder Bremen.

Union Berlin weiß um das harte Pflaster Verl

Was Union in Verl erwartet? Marvin Friedrich ist sich sicher. „Das wird ein unangenehmes Spiel für uns. In Verl sind schon einige gescheitert, das sollte uns nicht passieren“, sagte Unions Innenverteidiger. Erstligist FC Augsburg (1:2) und Zweitligist Holstein Kiel (1:1 n.V./7:8 i.E.) können ein Lied davon singen.

In Verl frohlockt man bereits, dass die Partie in der heimischen Sportclub-Arena vor gut 5000 Zuschauern stattfinden kann. Trotz zurückgehender Temperaturen – am Mittwochabend werden fünf Grad erwartet – soll es nicht regnen. Der SC Verl hatte vorsorglich bereits das Stadion des SC Paderborn als Ausweichspielstätte reserviert.

Schließlich geht es für Union auch um Reputation. In Dortmund hatte Union erfahren müssen, wie es ist, ein ganz normaler Aufsteiger zu sein, der von einem Meisterschaftsanwärter eine Lehrstunde erhält. Ein Scheitern in Verl lässt den Glanz, der Union durch die ausgezeichnete Hinrunde begleitet hat, weiter verblassen.

Union Berlin wartet lange auf ein Viertelfinale

Es war Urs Fischer, der die Bedeutung dieses DFB-Pokal-Achtelfinals beim SC Verl noch einmal hervorhob. „Verl ist ein Pokalspiel. Das musst du gewinnen, wenn du die nächste Runde erreichen willst. Verlierst du, bist du draußen und dann hat sich das erledigt“, sagte der Union-Trainer, „sich für ein Viertelfinale zu qualifizieren – so oft kommt das nicht vor und kam es auch nicht vor.“

Das bislang letzte Mal liegt schon lange zurück. Sehr lange. 7008 Tage, um genau zu sein.

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