Bundesliga

Unions „Mr. DFB-Pokal“ hat noch nicht genug

Union steht vor allem dank Robert Andrich im Viertelfinale des DFB-Pokals. Doch eines fehlt dem Mittelfeldspieler noch zu seinem Glück.

Robert Andrich bejubelt seinen Siegtreffer im DFB-Pokalspiel in Verl.

Robert Andrich bejubelt seinen Siegtreffer im DFB-Pokalspiel in Verl.

Foto: Jan Huebner/Voigt via www.imago-images.de / imago images/Jan Huebner

Berlin. Die Frage musste kommen. Sie kommt immer nach einer erfolgreich gestalteten Runde im DFB-Pokal. Also wurde auch Robert Andrich gefragt, ob er für das Viertelfinale am 3./4. März einen Wunschgegner habe. Der Mittelfeldspieler des 1. FC Union versuchte es mit einer diplomatischen Antwort und ein wenig Aberglaube.

„Ich hatte mir vor dem Achtelfinale ein Heimspiel gewünscht und wir mussten auswärts antreten. Also wünsche ich mir nun ein Auswärtsspiel“, sagte Andrich. Die Hoffnung, erstmals seit Dezember 2013 (0:3 im Achtelfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern) endlich wieder in der Alten Försterei ein Pokalspiel bestreiten zu können, ist groß bei den Köpenickern.

Dass der Bundesliga-Aufsteiger überhaupt in dieser Saison noch darauf hoffen kann, hat nicht zuletzt etwas mit Andrich selbst zu tun. Der 25-Jährige ist „Mr. DFB-Pokal“ bei Union.

Andrich lässt Union Berlin lange zappeln

Drei Tore hat Andrich im laufenden Wettbewerb erzielt, jeweils eines in jeder Runde. Und damit genau so viele wie Bayern-Stürmer Robert Lewandowski. Erfolgreicher ist bislang nur der Düsseldorfer Rouwen Hennings mit vier Treffern.

Beim 6:0 in der ersten Runde beim Regionalligisten Germania Halberstadt reihte er sich kurz nach seiner Einwechslung mit dem 5:0 noch in die Riege der sechs Union-Torschützen ein, legte zudem das 4:0 durch Joshua Mees auf. In den beiden nächsten Runden hatten seine Tore jedoch einen viel wichtigeren Wert. Beim 3:1 in Runde zwei beim SC Freiburg erzielte Andrich das 2:1 drei Minuten vor Schluss – es war die Entscheidung im Duell der beiden Bundesligisten.

Am Mittwochabend beim 1:0 im Achtelfinale beim SC Verl war Andrich schließlich mit seinem 16-Meter-Knaller in den Winkel erneut der Matchwinner für die Berliner. Wieder war es ein Tor kurz vor Schluss, dieses Mal in der 85. Minute. Und wie schon in Freiburg, als er den Ball überlegt ins untere Eck schlenzte, glänzte Andrich mit einem Distanzschuss.

Andrich ist der Karten-König von Union Berlin

„Eine Verlängerung hätten wir auch angenommen, das hätte aber nicht sein müssen“, war Andrich auch froh, auf dem tiefen Rasen der Sportclub-Arena nicht noch eine Extraschicht über 30 Minuten absolvieren zu müssen. „Wir freuen uns, dass wir wieder mal im Viertelfinale sind. Und wir freuen uns auf die Auslosung“, sagte der Profi, der mit seinen Pokaltoren untermauert, wie wichtig er für den Union-Jahrgang 2019/20 wirklich ist.

Erst vergangenen Sommer vom Zweitligisten 1. FC Heidenheim nach Köpenick gewechselt, ist der gebürtige Potsdamer kaum mehr wegzudenken aus der Elf von Trainer Urs Fischer. Im defensiven Mittelfeld gibt er den kompromisslosen Abräumer, der sich auch gern mal ins Offensivspiel einschaltet.

Das hat ihm neben acht Gelben Karten – zweithöchster Wert dieser Bundesliga-Saison – auch schon eine Sperre im Liga-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (2:0) eingebracht. Zudem foulte keiner seinen Gegenspieler so oft wie Unions Andrich (46 Mal).

Für Union Berlin ist Andrich derzeit unverzichtbar

Andrich ist – nicht ganz unwichtig für die Gestaltung einer Startformation – auch bislang von Verletzungen verschont geblieben. Das macht ihn gerade in den ersten Rückrunden-Wochen so unverzichtbar für den Aufsteiger.

Manuel Schmiedebach, Unions Abräumer aus der Aufstiegssaison, fehlt wegen einer Verletzung der Bauchmuskulatur bereits seit der Wintervorbereitung. Mit Felix Kroos (muskuläre Probleme) und Grischa Prömel (Reizung der Patellasehne) sind zwei weitere zentrale Mittelfeldspieler noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Leistungsfähigkeit.

Folglich wird Trainer Fischer auch für die wichtige Partie am Sonnabend bei Werder Bremen (15.30 Uhr, Sky) nicht an einem Robert Andrich in Bestform vorbeikommen. Zumal es für den Erstliga-Zwölften gegen den Liga-Drittletzten und damit gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt geht.

Andrich hofft auf ein Bundesliga-Tor für Union Berlin

Eines fehlt Andrich jedoch noch, um nach seiner persönlichen Etablierung bei Union auch seiner ersten Spielzeit in der Bundesliga die Krone aufzusetzen: ein Tor. Als der Ball in Verl schließlich an Torwart Robin Brüseke vorbei eingeschlagen hatte, „habe mir gedacht: Warum muss es wieder nur im DFB-Pokal sein“, flachste Andrich für einen kurzen Moment, „Spaß beiseite: Es war einfach nur geil.“

Seine Teamkollegen wussten jedenfalls, bei wem sie sich nach Abpfiff der 90.+2 Minuten zu bedanken hatten. „In der Bundesliga hatte ich noch nicht das Glück. Aber wenn ich dann im Pokal wieder so wichtig treffe wie jetzt, dann ist es mir auch egal“, sagte Andrich.

Doch er gab natürlich auch zu: „Ich würde mich freuen, wenn ich in der Bundesliga mal ein Tor erzielen würde.“ Eine gute Gelegenheit bietet sich für Unions „Mr. DFB-Pokal“ schon am Sonnabend in Bremen. Wie es gehen könnte, hat er nicht nur in Verl ausreichend nachgewiesen.

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