Trainingslager

Torwart Gikiewicz: „Union bleibt in der Bundesliga“

Torwart Rafal Gikiewicz sieht Union ein weiteres Jahr in der Bundesliga. Ob der 32-Jährige dann dabei sein wird, ist noch nicht sicher.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz verliert nicht die Bodenhaftung.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz verliert nicht die Bodenhaftung.

Foto: Matthias Koch

Orihuela. Rafal Gikiewicz lacht gern. Das mag auf den ersten Blick vielleicht ein wenig komisch anmuten, erst recht wenn man ausschließlich das Auftreten des Torwarts in den Bundesliga-Spielen von Union Berlin verfolgt.

Der Eindruck verfestigt sich selbst durch das erste Testspiel, das der 1. FC Union im Wintertrainingslager in Spanien bestritt. Beim 2:1 (0:0) gegen den belgischen Zweitligisten Oud Heverlee Leuven – außerdem gab es gegen Royale Union Saint-Gilloise (Belgien) ein 2:2 (2:0) – musste Gikiewicz einige Male mit seinen Vorderleuten schimpfen, weil sie nicht schnell genug nach vorn gerückt sind.

Spricht man den Polen jedoch auf eine gute Trainingseinheit an, in der er den einen oder anderen spektakulären Ball pariert hat, gibt es ein „Wie immer“ von ihm als Antwort, gefolgt von einem Strahlen im Gesicht.

Union Berlin „braucht eine gute Stimmung“

Die Szene in Orihuela nahe Alicante dokumentiert, wie es um den Fußball-Profi bestellt ist: totales Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten, so wie er es auch in den Spielen immer wieder demonstriert, gepaart mit einem gewissen Schalk im Nacken.

Als er erneut nach einer tollen Parade „Applaus jetzt“ einfordert, ist es kein geringerer als Trainer Urs Fischer, der Gikiewicz mit ein „Gut gemacht“ zuruft. „Wir brauchen eine gute Stimmung“, erklärt der Torwart, die Sonne der spanischen Mittelmeerküste im Gesicht und das große Ziel vor Augen, das er auch ohne zu zögern ausspricht.

„Ich bin mir sicher, wir haben die Qualität und bleiben in der Bundesliga“, sagt Gikiewicz, völlig überzeugt vom Klassenerhalt spätestens am letzten Bundesliga-Spieltag. Schon in der vergangenen Saison war er der erste, der früh in der Spielzeit das Ziel Aufstieg unmissverständlich formulierte – und recht behielt.

Gikiewicz sieht seine Zukunft bei Union Berlin

Hier, im Fußball-Oberhaus, hat er seine Zukunft gesehen. Und sieht sie dort immer noch. Daran ändert auch seine Situation bei Union nichts: Gikiewiczs Vertrag läuft im Sommer nach zwei Jahren aus.

Zwei entscheidende Fragen, die es für die Köpenicker zu klären gilt, lauten: Spielt der Torwart, der nach Jahren endlich wieder eine wahre Nummer eins verkörpert, auch in der kommenden Saison bei Union? Und falls ja auch in der Zweiten Liga?

„Ich habe mich auch schon mit Oliver Ruhnert getroffen“, berichtet er von einem Vertragsgespräch mit Unions Geschäftsführer Profifußball, „er wollte mit mir über die Zweite Liga reden. Ich habe gesagt: Nein, wir bleiben in der Bundesliga. Ich war mir auch sicher, dass wir aufsteigen werden.“ Und er nimmt sich und seine Mitspieler in die Pflicht: „Wir müssen auch mental in der ersten Liga bleiben. Wir haben Respekt, aber keine Angst vor einem Gegner.“

Gikiewicz weiß um seine Qualitäten

Keine Angst hat Gikiewicz vor seiner Zukunft, die er noch lange zwischen den Pfosten sieht. 32 Jahre ist er alt, „das ist noch sehr jung. Ich habe im Minimum noch sechs Jahre Zeit“, ist er sich sicher. Tatsächlich stehen Torhüter anders als Feldspieler mit Anfang 30 im Zenit ihrer Karriere.

„Ich bin seit 2014 in Deutschland und bin nie verletzt. Jeder weiß das. Ich habe 56 Spiele in Folge gemacht, auch das weiß jeder, ebenso was Gikiewicz in der Zweiten Liga und der Bundesliga geleistet hat. Wenn du Qualität hast und sie im Training zeigst, dann spielst du jedes Wochenende“, sagt der Schlussmann, der gern von sich in der dritten Person spricht.

„Ich will in Deutschland bleiben, Familie Gikiewicz ist zufrieden hier. Es ist die beste Option, in Deutschland zu bleiben und mit Union noch ein oder zwei Jahre zu arbeiten.“ Wohl wissend, was auf Union gerade zum Start der Rückrunde zukommen wird, erst recht auf ihn. Die Auswärtspartien bei Spitzenreiter RB Leipzig (18. Januar) und bei Borussia Dortmund zwei Wochen später dürften für Gikiewicz viel Arbeit bedeuten – und viele Möglichkeiten, seine Qualitäten zu zeigen.

Gikiewicz freut sich auf jedes Bundesliga-Spiel

„Ich will keine Gikiewicz-Werbung in Leipzig oder Dortmund machen. Die Mannschaft ist wichtig“, sagt der Torwart. Und tut es mit jeder guten Parade dennoch. Das stärkt seine ohnehin nicht gefährdete Position im Kader immer mehr und schafft noch mehr Selbstbewusstsein.

„Ich könnte morgen direkt nach Leipzig fliegen. Da ist keine Angst. Wir sind in der Bundesliga, das ist besser als Zweite Liga. Große Stadien, viele Zuschauer, jeder schaut dieses Spiel, du hast nur zwei Wochen Vorbereitung, da ist nur Plus, Plus, Plus, kein Minus“, schwärmt Gikiewicz.

Jedes Spiel sei wie „ein Champions-League-Finale für uns und unsere Zuschauer. Wir spielen in Leipzig, dann kommt Augsburg, dann geht es nach Dortmund vor 80.000 Zuschauern – was brauchen wir mehr?“ Punkte, die auf das mit 20 Zählern bereits ansehnlich, aber längst noch nicht ausreichend gefüllte Konto fließen.

Gikiewicz will immer mehr

Auch aus diesem Grund wirft Gikiewicz einen eher unzufriedenen Blick zurück auf eine überraschend gute Hinrunde des Aufsteigers. „Vor der Saison haben einige vielleicht gesagt, 20 Punkte nach der Hinrunde wären toll, aber ich will immer mehr“, gibt er zu verstehen.

Im Minimum will er acht Mal zu Null spielen, die Hälfte hat er geschafft. „Ich bin kein Minimalist und gebe mich mit 20 Punkten zufrieden. 20 Punkte ist okay, aber wenn du auf die Tabelle schaust, hast du wenig Luft. Verlierst du ein, zwei Spiele, ist der Vorsprung schon wieder weg.“

Um diesen Vorsprung von derzeit fünf Punkten auf den Relegationsplatz zu halten, würde der ehrgeizige Union-Profi sogar von seiner wichtigsten Maxime abrücken. „Ich kann auch drei Tore bekommen. Wenn wir dann vier schießen, kann ich das bis 18. Mai akzeptieren.“ Wirklich lachen mag er über die Option, viele Gegentore zu kassieren, jedoch nicht.

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