Trainingslager

Dies sind Unions Baustellen am Mittelmeer

Aufsteiger Union bereitet sich an der spanischen Mittelmeerküste auf die Bundesliga-Rückrunde vor. Nur wenig Zeit für viele Aufgaben.

Auf Torwart Rafal Gikiewicz wartet im Trainingslager in Spanien viel Arbeit.

Auf Torwart Rafal Gikiewicz wartet im Trainingslager in Spanien viel Arbeit.

Foto: Matthias Koch

Campoamor. Die Zeit ist kurz, aber der 1. FC Union hat es ja so gewollt. Anders als noch zu Zeiten in der Zweiten Liga, die seit Jahren erst Ende Januar wieder in den Punktspielbetrieb einsteigt, beginnt die Rückrunde in der Bundesliga bereits Mitte des Monats.

Für Union heißt es am 18. Januar: Start frei für Teil zwei der Premierensaison im Oberhaus – und das auch noch bei Spitzenreiter RB Leipzig. Schwerer könnte der Jahresauftakt kaum sein.

Wenig Zeit also für den Aufsteiger aus Köpenick, sich wieder in jene gute Form der Hinrunde zu bringen, die Union bereits 20 Punkte beschert hat. Seit Sonnabend bereiten sich die Berliner in Campoamor nahe Alicante auf die Rückrunde vor. Die Morgenpost nennt die Baustellen, die auf Union an der spanischen Mittelmeerküste warten.

15 Verträge laufen bei Union Berlin aus

Die Wintervorbereitung ist traditionell auch die Zeit, in der sich Spieler, dessen Verträge am Saisonende auslaufen, verstärkt für ein weiteres Engagement empfehlen können – oder für einen neuen Verein. In Unions 32-Mann-Kader enden im Sommer die Verträge von gleich 15 Spielern.

Recht eindeutig scheinen die Angelegenheiten bei Marius Bülter und Sebastian Andersson. Bülter ist vom 1. FC Magdeburg ausgeliehen, doch mit dem Drittligist wurde bei Vertragsabschluss bereits eine Kaufoption vereinbart, die Union wohl ziehen wird. Der Offensivmann hat beim Aufsteiger eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt.

Bei Andersson, mit acht Saisontoren bester Union-Torschütze, gibt sich Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball bei den Köpenickern, entspannt. Offenbar läuft der Vertrag des Schweden per Option länger als bislang offiziell bekannt gegeben bis zum Sommer. Das muss weder für den Spieler noch für den Verein ein Nachteil sein.

Was wird aus der Defensive bei Union Berlin?

Im Tor dürfte Union eine Vertragsverlängerung mit Rafal Gikiewicz anstreben. Der Pole ist die Nummer eins im Tor, die man viele Jahre bei Union vermisst hat. Sein Ehrgeiz treibt auch die Mannschaft an. Die Tage von Jakob Busk bei Union sind hingegen gezählt. Der Däne ist nur noch dritter Torhüter hinter Gikiewicz und dem aus Mönchengladbach ausgeliehenen Moritz Nicolas. Auch der Vertrag von Nachwuchskeeper Leo Oppermann endet im Sommer.

Spannend wird es in der Defensive. Stand jetzt steht Union für die nächste Saison nahezu ohne Abwehr da. Die Verträge von Florian Hübner und Michael Parensen laufen aus, ebenso der Leihvertrag für den Freiburger Keven Schlotterbeck. Nicolai Rapp hat sich zu Zweitligist Darmstadt 98 ausleihen lassen, zunächst bis Saisonende.

Dass Hübner und Schlotterbeck das vergangene Jahr angeschlagen beendeten, macht die Sache für die beiden Innenverteidiger nicht leichter. Zumal Hübner wegen einer Kapselverletzung bereits den Großteil der Hinrunde verpasst hat. Beide dürften aber gute Chancen auf einen Verbleib haben.

Kapitän Trimmel empfiehlt sich für mehr bei Union Berlin

Das gilt auch für Rechtsverteidiger Christopher Trimmel. Der Kapitän hat in der Bundesliga noch einmal eine Schippe drauflegen können. Seine Standards sind stets gefährlich für den Gegner, seine Schnelligkeitsdefizite allerdings auch für die eigene Mannschaft. Trimmel macht dies durch unbändigen Einsatz wett.

Auf der anderen Seite wird es für Ken Reichel schwer. Mit 33 Jahren nur rund zwei Monate älter als Trimmel, hat er seinen Platz an Christopher Lenz verloren. Hält Lenz sein Leistungsniveau, bleibt für Reichel nur die Bank oder die Tribüne – und ein Abschied im Sommer

Union Berlin hat im Mittelfeld viel Konkurrenz

Im Mittelfeld stellt sich die Frage: Was wird aus Grischa Prömel? In der Aufstiegssaison war der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Rio 2016 das Herz jener Mannschaft, die Union den großen Traum erfüllte. Eine Patellasehnenreizung setzte ihn jedoch nach dem zweiten Spieltag (1:1 in Augsburg) außer Gefecht.

Sein Pech ist, dass sich mit Robert Andrich ein Sommerzugang schnell etabliert und mit Christian Gentner eine weitere Neuverpflichtung seinen Platz im Team gefunden hat. Für ihn spricht das Alter: Prömel ist mit 24 Jahren knapp neuneinhalb Jahre jünger als Gentner. Gibt es keinen Rückschlag, wird Prömel in Spanien wieder entscheidend im Kampf um die Stammplätze angreifen.

Das werden auch Manuel Schmiedebach und Felix Kroos versuchen. Beide spielten jedoch schon in der Hinrunde nur eine Nebenrolle in Sachen Anfangsformation. Ob beide bleiben werden, ist fraglich. Kroos hatte bereits durchblicken lassen, dass er seinen Lebensmittelpunkt später in Bremen sieht.

Derbyheld Polter muss bei Union Berlin kämpfen

Neben der Kaderjustierung und dem Kampf im Mittelfeld muss mehr Durchschlagskraft ein Thema sein. Andersson ist als Torjäger bislang Alleinunterhalter bei den Stürmern. Das hat auch etwas mit Sebastian Polter zu tun, der es ebenso wie Anthony Ujah auf zwei Saisontore bringt.

Polter, dessen Vertrag ausläuft, war vor vier Jahren als personifizierte Aufstiegshoffnung zu Union zurückgekehrt. In der Bundesliga hat der Angreifer – eher Kämpfer als Filigrantechniker – allerdings Mühe, um über die Reservistenrolle hinauszukommen. Immerhin traf er bei den Bayern (1:2) per Elfmeter, entschied auch das Stadtduell gegen Hertha BSC (1:0) vom Punkt aus. Dass der Status als Derbyheld jedoch ausreichen wird für einen neuen Vertrag, darf jedoch bezweifelt werden.

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