Bundesliga

Union darf auch auswärts mal wieder gewinnen

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Michael Färber
Unions Offensivmann Marcus Ingvartsen (r.) ist auch in Paderborn gefragt.

Unions Offensivmann Marcus Ingvartsen (r.) ist auch in Paderborn gefragt.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Union geht in Paderborn als Favorit ins Aufsteiger-Duell. Den Berlinern winken Auswärtspunkte, die noch ganz wichtig sein können.

Berlin. Zu Hause ist es doch am schönsten. Wer könnte das in dieser Saison besser wissen als Union Berlin. Fünf der sechs Siege hat der Aufsteiger in der heimischen Spielstätte errungen, zuletzt sogar vier in Folge, alle ohne Gegentor. Die Köpenicker haben die Alte Försterei zur Festung gemacht, nur Mönchengladbach, Dortmund und Frankfurt sind noch heimstärker als Union.

Die Pflicht, um überhaupt über das große Saisonziel, den Klassenerhalt, nachdenken zu können, hat die Mannschaft von Trainer Urs Fischer verinnerlicht. Es fehlt die Kür, die jene Punkte wieder ausgleicht, die Union bereits in Heimspielen verloren hat oder noch verlieren wird. Es fehlen Auswärtssiege.

Am Sonnabend beim SC Paderborn (15.30 Uhr, Sky) bietet sich dem 1. FC Union die nächste Möglichkeit. Angesichts der Entwicklung, die Mannschaft unter Fischer seit dem Aufstieg genommen hat, geht sie wie schon vor einer Woche gegen den 1. FC Köln (2:0) als Favorit ins Spiel. Wann also, wenn nicht jetzt, kann die Auswärtsbilanz aufgebessert werden, im zweiten Duell gegen einen Mitaufsteiger.

Bislang nur vier Auswärtspunkte für Union Berlin

Soweit die Theorie, doch die Praxis hält den Klassiker bereit, der Neulinge im Oberhaus gern begleitet: die Auswärtsschwäche. Lediglich vier Zähler gab es bislang für die Köpenicker in der Fremde, nur Köln und überraschend Frankfurt waren noch schlechter.

Es mag komisch klingen, doch Mut machen tatsächlich die bisherigen Auswärtsauftritte der Köpenicker. Lediglich beim 0:2 bei Bayer Leverkusen am fünften Spieltag war Union komplett chancenlos. „Darüber müssen wir nicht diskutieren“, sagte Fischer, „da waren wir komplett unterlegen und noch nicht bereit. Da haben wir gezeigt, wie man es nicht machen sollte.“

Doch seit jenem September-Sonnabend gehe es in die richtige Richtung, ist sich der Coach sicher. „Auch bei Bayern und auf Schalke haben wir trotz der Niederlagen gute Spiele gemacht“, verdeutlichte der Schweizer. Beim 1:2 in München war Union dicht an einem Punktgewinn dran, verschoss sogar einen Elfmeter. Und auf Schalke machte erst ein Gegentor vier Minuten vor dem Ende nach einem Fehler von Neven Subotic den Punktgewinn zunichte.

Union Berlin war nur einmal Spielball des Gastgebers

Überhaupt präsentierte sich Union bis auf die Partie in Leverkusen nicht als Spielball des Gegners. In Augsburg sprang beim 1:1 sogar der erste Bundesliga-Punkt überhaupt heraus, „da wäre auch noch mehr möglich gewesen“, sagte Fischer.

In Mainz gelang mit dem 3:2 sogar der erste Sieg, auch wenn der Union-Trainer nicht müde wird, die letzten 20 Minuten zu kritisieren, in denen fast noch der souveräne 3:0-Vorsprung verspielt wurde. Vom 3:1 in der zweiten DFB-Pokal-Runde in Freiburg ganz zu schweigen.

Alles Indizien dafür, dass Union mehr als nur vier Auswärtspunkte hätte holen können. „Hätte, wäre, könnte – das macht jeder. Am Ende hat jeder zehn Punkte mehr und keiner steigt mehr ab“, bleibt Fischer zu Recht lieber in der realen Welt.

Union Berlin wird von rund 1500 Fans unterstützt

„Es geht in eine gewisse Richtung. Aber die Gegner sind sicher auch zu uns mit der Einstellung gekommen, um etwas zu holen – haben sie aber nicht. Wir konnten jetzt fünf Mal zu Hause gewinnen“, sagte Fischer und begründete: „Zu Hause fühlst du dich wohl, auch wenn mal eine Phase gegen dich läuft, geht es weiter. Und das ist auswärts ein bisschen anders.“

Union wird in Paderborn versuchen müssen, Dinge wie Reisestrapazen und vor allem das veränderte Umfeld auszublenden. „Es wird dann schwierig, wenn du nach Schalke gehst, 60.000 Zuschauer im Stadion sind und brüllen. Oder wenn bei uns 20.000 Stimmung machen. Das ist einfach nicht das gleiche“, weiß Fischer.

Dass das Stadion in Paderborn nur 15.000 Zuschauern Platz bietet, muss kein Nachteil sein, zumal Union wieder von rund 1500 Fans unterstützt werden wird. „Aber ich glaube, die Mannschaft hat kein Problem mit der Größe des Stadions, ansonsten wären die Leistungen ja nicht ansprechend gewesen“, sagte Fischer und fügte mit Blick auf die bisherigen Auswärtsauftritte hinzu: „Wir sind sicher nicht die erste Mannschaft, die auswärts nicht ihren besten Tag erwischt hat.“ In Paderborn sollte es ein guter Tag sein, will Union Berlin auch auswärts seiner Favoritenrolle gerecht werden.

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