Bundesliga

Ex-Unioner Baumgart vor Herkulesaufgabe in Paderborn

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Michael Färber
Paderborns Trainer Steffen Baumgart sucht noch nach dem richtigen Pfiff für das Spiel seiner Mannschaft.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart sucht noch nach dem richtigen Pfiff für das Spiel seiner Mannschaft.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Paderborn düpierte Union noch in Liga zwei. Deshalb liegt das Baumgart-Team vor dem ersten Bundesliga-Duell weit hinter den Berlinern.

Berlin. Seine Wertschätzung für den 1. FC Union hat er nie abgelegt. Wertschätzung für einen Verein, für den Steffen Baumgart gerade einmal zwei Jahre gespielt hat. Doch 68 Pflichtspiele und 22 Tore in jener Zeit haben ausgereicht, um ihn zu einem Köpenicker „Fußballgott“ für alle Zeiten werden zu lassen.

Beim RBB ließ der 47 Jahre alte Trainer des SC Paderborn nun wissen: „Ich war sieben Jahre in Rostock, das ist mein Heimatverein. Aber Union, das lebt man. Die Emotionen sind einfach anders als woanders.“

Dass sein erstes Bundesliga-Duell gegen die Köpenicker am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) etwas Besonderes ist, dürfte spätestens jetzt klar sein. „Das wird auch in zehn Jahren noch so sein“, so der gebürtige Rostocker.

Baumgart schwärmt von Union Berlin

Baumgart ist auch jemand, der die Entwicklung beider Klubs seit dem Aufstieg treffend in zwei Sätzen zusammenfasst. „Union macht einen Riesenjob“, sagt er über seine alte Liebe, die als Tabellenzehnter mit 19 Punkten ein erstaunliches Polster auf die beiden Abstiegsplätze aufgebaut hat.

Die bisherigen Auftritte seiner Mannschaft in der Bundesliga charakterisierte er wie folgt: „Die Jungs wissen, dass sie sich entwickeln müssen. Und das muss ich auch tun.“ Soll heißen: Die Paderborner fremdeln im Gegensatz zu den Berlinern noch immer mit der ersten Liga, was Baumgarts Auftrag zu einer Herkulesaufgabe werden lässt.

Nur acht Punkte holte der SCP, konnte erst am vergangenen Spieltag den letzten Platz an den 1. FC Köln weiterreichen. Von vier Punkten Rückstand zum Relegationsrang ganz zu schweigen.

Paderborn stieg vor Union Berlin auf

Paderborn und damit auch Baumgart ist es bislang nicht gelungen, jenen Spielstil, der in der Zweiten Liga zum Aufstieg geführt hat, an die höherklassige und damit auch qualitativ bessere Konkurrenz anzupassen.

Attraktiv, offensiv, mutig, zielstrebig, nicht abwartend, zögernd oder nur verwaltend – so umschrieb Baumgart den Fußball, den er in Liga zwei spielen ließ. Das funktionierte entsprechend: Der Hurrastil führte nicht nur zu 76 Toren, sondern auch zum direkten Aufstieg – vor Union.

Weil der Konkurrenz oft auch die Mittel fehlten, sich gegen den Paderborner Offensivwucht zu stemmen oder die Fehler des Baumgart-Teams zu bestrafen. In der Bundesliga haben die Gegner nun jene Qualitäten, um den Raum zu nutzen, der bei Ballverlusten entsteht. Als Beispiel dient das 2:3 bei RB Leipzig, bei der Paderborn derart offensiv spielte, dass man die Leipziger praktisch zu deren schnellem Konterspiel einlud.

Union Berlin und Paderborn laufen sehr viel

„Ihre Spielweise ist immer noch die gleiche“, analysierte Unions Trainer Urs Fischer den Gegner als eine „Mannschaft mit horrendem Tempo und sehr gefährlichem Umschaltspiel.“ Zugleich glaubt Fischer, dass die Paderborner nach dem 1:0 in Bremen vom Sonntag „sehr selbstbewusst auftreten werden“.

Genau das könnte den Berliner jedoch in die Karten spielen. Zumal es ihnen gelungen ist, den Grundgedanken aus Liga zwei – eine sichere Defensive – in die erste Liga zu transformieren mit der Umstellung auf die Dreierabwehrkette, die durch zwei Außenspieler zur Fünferkette verstärkt wird.

„Wir spielen einen anderen Fußball als Union, müssen aber ebenfalls intensiv gegen den Ball arbeiten“, machte Baumgart deutlich. Es überrascht also nicht, dass mit Paderborn (119,8 Kilometer pro Spiel) und Union (118,6) zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die zu den laufstärksten Teams der Bundesliga zählen. Nur die Profis von Bayer Leverkusen (120,3) laufen noch mehr.

Union Berlin hat genug Ansätze für Wachsamkeit

Union-Trainer Fischer warnt – so wie er es immer tut – dennoch vor dem Gegner. „Beim 3:3 in Dortmund haben sie schon 3:0 geführt, in Leipzig nur knapp verloren, und nun in Bremen gewonnen. Für uns genug Ansätze, um wachsam zu sein“, sagte der Schweizer.

Die Erwartungen sind auf beiden Seiten jedenfalls groß. „Das Größte ist doch, dass beide Mannschaften in der Bundesliga sind“, erklärte Baumgart und trifft damit zumindest den Nerv vieler Fans in beiden Lagern.

„Das sind zwei Mannschaften, die jetzt nicht unbedingt jeder auf der Rechnung hatte, dass sie dahin gehören. Ich hoffe, dass wir das lange erleben werden und erleben können“, so der Ex-Unioner weiter. Dafür braucht es vor allem für seine Mannschaft einen Sieg.

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