Bundesliga

Andersson ist Unions stiller Anführer

Union-Stürmer Andersson hat sich nicht nur wegen seiner acht Tore zur unverzichtbaren Führungsfigur beim Aufsteiger entwickelt.

Stürmer Sebastian Andersson ist mit acht Saisontreffern Unions erfolgreichster Torschütze.

Stürmer Sebastian Andersson ist mit acht Saisontreffern Unions erfolgreichster Torschütze.

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Berlin. Die Medientermine am Tag nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln erledigt er pflichtbewusst. Zielsicher antwortet Sebastian Andersson auf die ihm gestellten Fragen, schnörkellos und gerade heraus, ohne dabei ein Wort zu verschwenden.

„Es war wichtig, den Abstand nach unten zu vergrößern“, bilanziert der Stürmer des 1. FC Union das 2:0 gegen den Mitaufsteiger. Und für ihn, den zweifachen Torschützen, den Spieler des Spiels? „Natürlich waren die zwei Tore auch für mich wichtig“, sagt Andersson.

Der Schwede in Diensten des Aufsteigers antwortet auf Englisch, das ist für ihn einfacher. Und es spiegelt die Art wider, mit der Andersson seine Karriere plant: schnörkellos. Im Stile eines Fußball-Profis der modernen Prägung, als Einzel-Unternehmer.

Union Berlin schätzt Andersson für seine Arbeit

Der 28-Jährige wirkt dabei alles andere als unsympathisch. Kurze blonde Haare, ein leicht stoppeliger Dreitagebart und durchaus freundlich. Und doch vielleicht ein wenig unnahbar in einem Verein, der seine Angestellten – dazu zählen auch die Fußball-Profis – sowie seine Anhänger gern unter dem Begriff Familie vereint.

„Ich fühle mich als Bundesliga-Spieler“, sagt Andersson. Das offenbart er bei seinem Torjubel mit seinem erfrischend offenen Lachen, das eine Mischung aus kindlicher Freude und purem Glücksgefühl offenbart.

Zu einem Publikums- oder gar Fan-Liebling macht ihn das zwar nicht, doch Andersson wird geschätzt für seinen Einsatz, für die Arbeit, die er abliefert, für die Tore, die er für Union schießt. Das gilt für ein Spiel ebenso wie für das Training, in dem er nie die Zügel schleifen lässt, auch wenn er es aufgrund seines Status bei Union durchaus könnte.

Andersson steht auf einer Stufe mit Reus

„Sebastian Andersson wäre nicht effizient, wenn er die Zügel schleifen ließe. Gerade mit seiner Einstellung, wie er auf dem Feld arbeitet, muss er das auch immer wieder unter der Woche versuchen vorzuleben. Entsprechend setzt er das auch im Spiel um“, sagt Trainer Urs Fischer über seinen Torjäger.

Doch nicht nur wegen seiner acht Tore, die ihn in der Torjägerliste auf Rang vier und damit auf eine Stufe mit Dortmunds Marco Reus stellen, ist Andersson wichtig für den Aufsteiger. „Er ist ein Spieler, der sich auch in den Dienst der Mannschaft stellt – das ist schon eine große Qualität. Der dann aber auch mal egoistisch ist, auch das brauchst du als Stürmer“, analysiert Fischer.

Der Schweizer umschreibt den Schweden wie folgt: „Den einen oder anderen Spieler bemerkst du schon, ohne ihn zu sehen, weil du ihn hörst. Aber Sebastian ist eher ein ruhiger Typ, den du abseits des Trainings nicht so wahrnimmst.“ Sebastian Andersson, Unions stiller Anführer.

Bei Union Berlin begann Anderssons Aufstieg

Mit 13, 14 Jahren, wie er erzählt, habe er als „normaler Mittelfeldspieler festgestellt, dass es am meisten Spaß macht, Tore zu schießen“. Als Jugendspieler ging es über die Zweitklassigkeit dann mit 20 in die erste schwedische Liga zu Kalmar FF. Über Djurgardens IF und IFK Norrköping folgte der Schritt nach Deutschland zum 1. FC Kaiserslautern.

Mit dem Abstieg der Pfälzer im Sommer 2018 und dem Wechsel zu Union begann der Aufstieg für Andersson. „Er ist so ein bisschen ein Phänomen“, sagte Unions Geschäftsführer Profifußball, Oliver Ruhnert, kürzlich im „Kicker“, „in jungen Jahren war er unauffällig, hat aber meist seine Tore gemacht, und ist doch oft unter dem Radar geflogen.“

Mit zwölf Toren war er im Aufstiegsjahr bester Union-Torschütze, nun mit acht Bundesliga-Treffern ist er es schon wieder. „Acht Tore sind gut, ich freue mich sehr darüber“, sagt Andersson. Sogar bis in die schwedische Nationalmannschaft hat es ihn gebracht. Die Chance, im kommenden Jahr bei der Europameisterschaft zu spielen, ist groß.

Andersson ist für Union Berlin wertvoll

Es wäre die größte Plattform für den Schweden, um sich ins Schaufenster zu stellen. Derzeit fühlt er sich bei Union wohl, auch in der Bundesliga: „Die Liga liegt mir“. Doch aus dem ablösefreien Zugang der Köpenicker ist in nur eineinhalb Jahren Unions wertvollster Besitz im 33-Mann-Kader geworden.

Sein Vertrag bei Union endet offiziell im Sommer – falls nicht eine geheime Klausel seinen Vertrag über das Saisonende hinaus verlängert. Vor diesem Hintergrund dürfte sich Union auf Angebote in zweistelliger Millionenhöhe gefasst machen, sollte Anderssons Abschlussstärke anhalten.

Zwar gibt er zu verstehen: „Für mich ist es am allerwichtigsten zu spielen. Sicher muss man immer auch über Geld reden, schließlich gibt es ein Leben nach der Karriere, die nicht allzu lang ist. Aber wenn du nicht spielst, macht das auch keinen Spaß.“ Sollte ihn ein gutes Angebot erreichen, könnte sich Andersson allerdings auch vorstellen, zum Beispiel „in England zu spielen“.

Union Berlin braucht Andersson für den Klassenerhalt

Teamkollege Christian Gentner sieht dies ähnlich. „Ich habe vor der Saison schon Oliver Ruhnert gefragt, ob Union das schafft, Andersson zu behalten“, sagte der Mittelfeldspieler. Und er lobt den Stürmer: „Er ist für uns ein absoluter Fixpunkt, weil er den Körper gut einsetzt und uns die Möglichkeit gibt nachzurücken.“

Unions Kapitän Christopher Trimmel fügte hinzu: „Unabhängig von seinen Toren ist er ein Riesenfaktor bei uns. Er ist immer da, läuft viel, macht Bälle fest, die sehr wenige Stürmer festmachen.“ Qualitäten, die für Union im Kampf um den Klassenerhalt enorm wichtig sind. Und die Begehrlichkeiten auch außerhalb der Bundesliga wecken.

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